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Griechenland am Boden Was passiert, wenn die Hellenen fallen?

An den Finanzmärkten herrscht Panik: Anleger fürchten die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Was würde passieren, wenn die Hellenen tatsächlich ihre Schulden nicht zahlen können? Wiwo.de stellt vier verschiedene Szenarien vor.

Ausgehandelte Umschuldung:

Die griechische Nationalflagge Quelle: fotolia.com

Griechenland könnte mit den Besitzern von griechischen Staatsanleihen längere Laufzeiten und geringere Zinszahlungen und Rückkaufkurse aushandeln. Das zweijährige griechische Papier kostete bereits heute zeitweise nur noch gut 60 Prozent seines Nennwertes. Die Risikoaufschläge auf die Anleihen anderer hoch verschuldeter Länder würden kräftig steigen, da Anleger auch hier Abschläge befürchten. Deutsche Staatsanleihen würden dagegen zulegen, da sie als sicherer Hafen gelten. Der Euro würde weiter an Wert einbüßen, viele Analysten halten in diesem Fall Kurse um 1,15 Dollar für wahrscheinlich.

Unilaterale Umschuldung:

Griechenland könnte seinen Gläubigern ohne deren Zustimmung Abschläge oder Laufzeitverlängerungen verordnen. In der Vergangenheit führte diese Art der Umschuldung zu kräftigeren Einschnitten für die Gläubiger als die ausgehandelte Variante. Griechenlands Wirtschaft könnte durch diesen Schritt in große Schwierigkeiten geraten und vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden - möglicherweise sieht die Regierung dann in einem Austritt aus der Euro-Zone die einzige Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Der Schuldendienst würde sich in diesem Fall für Griechenland  noch weiter verteuern, weil Gläubiger dann zusätzlich ein Währungsrisiko tragen müssten, wenn sie Griechenland Geld leihen. Der Euro und die Anleihen anderer Länder würden noch stärker fallen, da Anleger die Gefahr höher einstufen würden, dass die Euro-Zone nicht dauerhaft Bestand hat.

Völlige Zahlungsverweigerung:

Rund 70 Prozent der griechischen Staatsanleihen befinden sich in ausländischer Hand, die meisten davon innerhalb der Euro-Zone - vor allem bei deutschen und französischen Banken. Die EU würde deshalb alles tun, um dieses Szenario zu verhindern. Mit einer vollständigen Zahlungsverweigerung würde sich Griechenland außerdem für Jahre die Möglichkeit verbauen, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen - wie dies nach dem Zahlungsausfall Argentiniens 2001 der Fall war: Das Land konnte seitdem keine Anleihen in Dollar oder Euro verkaufen. Der Euro könnte nach Einschätzung von Analysten in diesem Fall unter die Parität zum Dollar fallen. Auch vielen anderen Ländern könnte es in der Folge schwer fallen, am Kapitalmarkt überhaupt noch Geld zu bekommen.

Notanker EZB:

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte Griechenland etwa Kredite zur Bedienung seiner Schulden bereitstellen oder selbst griechische Anleihen kaufen. Zudem könnte sie ihre Anforderungen an die als Sicherheiten akzeptierte Papiere weiter lockern und Staatsanleihen unabhängig von der Bonitätseinstufung des Schuldners akzeptieren. Solche Möglichkeiten werden jedoch vonAnalysten als höchst unwahrscheinlich eingestuft, da sie politisch schwer erreichbar sind. Erschwerend kommt hinzu, dass mittlerweile viele Investoren mit Kreditausfallversicherungen (CDS) faktisch auf einen Zahlungsausfall wetten - sie haben deshalb ein starkes Interesse daran, dass dieser Fall tatsächlich eintritt.

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