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Hedgefonds Jetzt geht die Party richtig los

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Ohne Staat geht nichts Quelle: dpa

Lewis ist auch einer der wenigen aus der Hedgefonds-Branche, die hier wirklich das ganze Jahr über sitzen. Die eigentlichen Finanzmanager sind überwiegend in New York oder London und tauchen nur ganz selten persönlich auf der Insel auf. Doch ihr Kapital – das Kapital ihrer Anleger – residiert hier unter Palmen. Weil die Fondsmanager und ihre Investoren meist in der ganzen Welt verstreut und jeweils im eigenen Land einkommensteuerpflichtig sind, parken sie das Fondskapital auf den Caymans und umgehen eine weitere Besteuerung.

Wie das funktioniert? „Lassen Sie mich einen ganz alltäglichen Fall beschreiben“, sagt Lewis. „Nehmen Sie eine deutsche Pensionskasse, die bei einem Hedgefonds in den USA anlegen will, und der wiederum investiert in Infrastrukturprojekte in Brasilien.“ Bei solchen Geschäften muss das Geld durch verschiedene Hoheitsgebiete fließen – in diesem Fall sind mindestens Deutschland, die USA und Brasilien beteiligt. Überall dort wollen die Staaten mitkassieren. Und überall dort wollen die Beteiligten ihre Ansprüche rechtlich absichern. „Das lässt sich eigentlich nur an einem Ort wie den Caymans machen, der selbst keine Steuern erhebt und ein zuverlässiges Rechtssystem hat“, sagt der Anwalt.

Die Caymans sind die Drehscheibe geworden, von der aus Hedgefonds ihre Milliarden über den Globus verteilen. Ein großartiges Geschäft für dort ansässige Anwälte, Banker und Buchhalter. Sie haben die Inselchen zu einem der reichsten Flecken der Karibik gemacht.

Doch vor zwei Jahren sah sich das Inselparadies plötzlich einer Bedrohung gegenüber, die größer war als die Hurrikane, die die Caymans regelmäßig heimsuchen. Für eine Weile sah es so aus, als ob die Finanzkatastrophe auch die Hedgefonds einholen würde. Die einstigen Gewinnmaschinen der Wall Street verloren Hunderte Milliarden, Anleger flohen, in der Branche sprach man vom Fondssterben wie von einer Seuche. Bald erlebten die Caymans eine derart bedrohliche Haushaltskrise, dass man sogar – bisher war das ein Tabu – über die Einführung von Steuern nachdachte.

Größte Bedrohung

Heute fließen die Milliarden wieder. Allein in den vergangenen Monaten meldeten sich Hunderte neuer Hedgefonds bei den Inselbehörden. Dieses Jahr soll ihre Zahl wieder das Allzeithoch von über 10.000 Fonds aus dem Jahr 2008 erreichen. Institutionelle Investoren kehren zurück. Wohlhabende Privatanleger stecken sogar mehr in die aggressiven Geldpools als vor der Krise. Insgesamt verwalten die Hedgefonds laut Hedgefonds Research, einem Brancheninformationsdienst, bereits wieder rund 1,8 Billionen Dollar – erholt vom Tief von 1,2 Billionen im vergangenen Jahr. Eine Summe, die etwa dem Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens entspricht.

Ausgerechnet Hedgefonds – die wegen ihrer gewagten Einsätze zwischenzeitlich als die größte Bedrohung des internationalen Finanzsystems galten – haben das Debakel so gut überlebt wie kaum ein anderer Bereich der Geldbranche. Sicher, ein paar der vielen neuen Finanzmarktregeln, die im Zug der Bankenkrise erlassen worden sind, gelten auch für sie. Doch die volle Wucht dieser Reformen trifft die Banken, während die Änderungen bei den Hedgefonds großteils als lästige, aber verkraftbare Bürokratie gewertet werden. In den USA etwa müssen sie sich nun bei der Börsenaufsicht SEC registrieren und unterliegen neuen Meldepflichten. In Europa, wo es zunächst nach drastischen Eingriffen wie der Einführung von fixen Kappungsgrenzen für Kreditaufnahme und Eigenkapitalquoten aussah, einigte man sich im November nach langem Tauziehen zwischen London, dem Sitz der meisten europäischen Hedgefonds-Häuser, und Brüssel auf eine deutlich entschärfte Version. An ihren Geschäftsmodellen müssen Hedgefonds nichts Grundsätzliches ändern.

Wer aus den Fenstern der Penthouse-Lounge des New Yorker Parker-Meridien-Hotels schaut, hat einen spektakulären Blick auf Manhattans Hochhausschluchten. Doch die Teilnehmer der Konferenz haben keine Zeit, ihn zu genießen. Sie sind damit beschäftigt, Informationen und Visitenkarten auszutauschen. Die Branchenvertreter sind zusammengekommen, um über die Zukunft der Hedgefonds zu sprechen. Ihre Stimmung ist entspannt.

Der Justiziar eines New Yorker Hedgefonds beschwert sich darüber, dass er sich neuerdings öfter mit den SEC-Aufsehern beschäftigen muss. Aber sonst wird hier wenig geklagt. „Es hätte alles weit schlimmer sein können“, sagt James Greig, Partner bei der Consultingfirma PricewaterhouseCoopers. Ein Berater im Publikum nickt zustimmend, das größere Problem der Fonds sei es im Augenblick, die frisch hereinfließenden Anlegermilliarden gewinnbringend anzulegen. Sagt es und langt bei Kürbiscremesuppe und Rindersteak zu.

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