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Hedgefonds Jetzt geht die Party richtig los

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Genau genommen, profitieren etliche Fonds sogar davon, dass die staatlichen Regulierer neuerdings am Finanzmarkt so gut aufpassen. Sie haben die Banken dazu gezwungen, sich aus riskanteren Geschäften zurückzuziehen, und damit Gelegenheiten für die weniger eingeschränkten Hedgefonds geschaffen.

In den USA etwa sollen sich Kreditinstitute im Augenblick von ihren Abteilungen trennen, die im Namen und auf Rechnung der Banken an den Märkten spekulieren. Das hat viele Wall-Street-Händler schwer enttäuscht, nicht wenige haben sich seither mit Hedgefonds selbstständig gemacht. „Bei mir rufen täglich drei bis fünf Jungs mit neuen Ideen an, die einen eigenen Fonds aufmachen wollen“, sagt Ron Geffner, ein New Yorker Anwalt, der auf Hedgefonds spezialisiert ist.

Andere Hedgefonds haben derzeit so viel Geld in der Kasse, dass sie sich im Kerngeschäft der Banken zu tummeln beginnen – aber mit höherem Risiko und deutlich weniger beaufsichtigt. So verliehen einige Hedgefonds während der klammen Zeiten der Krise Geld an Mittelständler, die in der allgemeinen Kreditklemme von den herkömmlichen Banken keines mehr bekamen. „Die werden Banken zusehends ähnlicher“, sagt Mitch Ackles vom Verband Hedge Fund Association. „Die neuen Regeln für Banken werden mehr Geschäfte in den unregulierten Bereich drücken“, glaubt der New Yorker Anwalt Geffner.

Wenn man sich bei den Hedgefonds selbst nach mehr Details erkundigt, hört man freilich nicht sehr viel: In dieser Branche gehört es sich, verschwiegen zu sein. Ausnahmen sind rar, und zu ihnen gehört Anthony Scaramucci. Der Mittvierziger, New Yorker und Sohn einer italienischen Einwandererfamilie, steht gern im Rampenlicht, und er organisiert Salt, das jährliche Stelldichein der Branche in Las Vegas. Kürzlich hat er ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben – Goodbye Gordon Gekko, eine Anspielung auf den Antihelden in dem Achtziger-Jahre-Hollywoodreißer Wall Street über einen rücksichtslosen Firmenjäger.

Geeigneter als Banker

Für Scaramucci war der Kinobesuch seinerzeit ein Wendepunkt im Leben. „Nachdem ich den Film gesehen hatte, wusste ich, dass ich an die Wall Street will – da habe ich wohl die falsche Botschaft herausgezogen“, spaßt der Chef von Skybridge. Dann wird er ernst: Hedgefonds würden zu Unrecht für die Krise an den Pranger gestellt. Sie erfüllten eine wichtige wirtschaftliche Aufgabe. So zynisch ihre Engagements oft wirkten, würden sie doch der gesamten Wirtschaft helfen; sie stellten ja Kapital für Projekte und Ideen bereit, das andere Marktteilnehmer wegen des Risikos nicht herausrückten.

 Scaramucci zählt sich zu den glücklichen Überlebenden der Krise. Sein Ehrgeiz ist gewachsen: Anfang 2010 hat er für vier Milliarden Dollar die Hedgefonds-Sparte der gestrauchelten US-Bank Citigroup übernommen. Scaramuccis Spezialität: Er ist ein seeder, wie sie in der Branche sagen – eine Art Wagniskapitalgeber für die Waghalsigsten in der Finanzbranche. Er bringt neue Talente mit passenden Investoren zusammen, die einen Hedgefonds gründen wollen, und hilft ihnen beim Einsammeln von Kapital. Dafür erhält Scaramucci einen Anteil am neuen Hedgefonds. Wenn das Start-up erfolgreich ist, macht er Kasse. „Das goldene Zeitalter der Hedgefonds beginnt erst“, schwärmt Scaramucci.

Er hat vermutlich recht. Eine wachsende und alternde Weltbevölkerung sucht nach neuen Möglichkeiten, Geld anzulegen. Daher waren diese Fonds überhaupt erst so rasant vom exotischen Spekulationspool reicher Privatiers zum Anlageinstrument für Pensionskassen aufgestiegen. Durch den Aufstieg der Schwellenländer wird der Bedarf an Investmentvehikeln wie Hedgefonds noch steigen. „Hedgefonds verwalten bisher im Vergleich zu klassischen Anlageformen überschaubare Summen – da gibt es noch deutlich Raum für Wachstum“, sagt Sean Flynn, Gründer von HF Fund Services, einem unabhängigen Fondsdienstleister, und ein Veteran der Szene, der zuvor für die Schweizer UBS arbeitete. „Ich sehe durchaus einzelne Fonds mit 50 Milliarden Dollar und mehr“, fügt ein Wall-Street-Veteran an, der Hedgefonds bei einer internationalen Großbank betreut. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Weißrussland.

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