WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Hedgefonds Jetzt geht die Party richtig los

Seite 4/4

Nicht nur in der Gunst der Anleger sind die Hedgefonds wieder gestiegen. In US-Notenbankkreisen, wo ja eigentlich die Stabilität des gesamten Finanzsystems der oberste Auftrag sein sollte, hört man in diesen Tagen kaum Kritisches. Sogar Politiker und Akademiker in Amerika feiern die Fonds. Der Abgeordnete Henry Waxman – der bei Kongressanhörungen so gern Wall-Street-Banker vorführt – lobte kürzlich bei einer Anhörung zur Finanzkrise die geladenen Hedgefonds-Manager für ihre Erfolge und erklärte sie zum Vorbild. Hedgefonds seien geeigneter als Banken, um bestimmte Risiken zu übernehmen, und sie würden im Gegensatz zu ihnen bei einer Pleite nicht das ganze Finanzsystem bedrohen, argumentiert Sebastian Mallaby, Finanzforscher beim konservativen Thinktank Council on Foreign Relations. Die Regulierer sollten diese „Boutique-Risikonehmer“ sogar fördern.

Welch eine Verniedlichung. Finanzmarktexperten sollte die Beinahekatastrophe eines Hedgefonds namens Long Term Capital Management (LTCM) noch in guter Erinnerung sein: Das Investmenthaus, mitgegründet von zwei Nobelpreisträgern, brach 1998 während der Russlandkrise zusammen. Weil LTCM sich bei vielen Banken Geld geliehen hatte, drohten damals diese Institute selbst mitgerissen zu werden – eine Kettenreaktion, die inzwischen nur allzu vertraut wirkt. Nur durch eine gemeinsame Aktion der Wall-Street-Häuser, die Milliarden in das Finanzsystem pumpten, konnte damals eine weltweite Panik verhindert werden.

Seither sind die Hedgefonds nur größer, vernetzter und globaler geworden. „Ideal wäre eine internationale Regulierung und Überwachung von Hedgefonds„, meint Dale Rosenthal, der bei LTCM arbeitete und heute Finanzprofessor an der University of Illinois ist. Doch er sieht dafür geringe Chancen. „Das ist so, wie wenn man versucht, Autofahrer von der Autobahn zu kriegen, damit der Verkehr fließen kann: an sich eine gute Idee – für die anderen. Jeder will eben gerne die Ausnahme sein.“

Regeln gelockert

Die Hedgefonds profitieren vom Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen New York und London. Diese spüren zudem die Konkurrenz aus Asien, und keiner will den „Hedgies“ die Tür vor der Nase zuschlagen. Im Gegenteil, Singapur hat jüngst die Regeln gelockert. Und so heißt es in der Washingtoner oder Londoner Politik: Regulierung ja – aber nicht, wenn dadurch Kapital und Jobs vertrieben werden.

So sieht man das wohl auch in dem Land, das am allermeisten auf der Welt von den Hedgefonds profitiert. Die Cayman Islands Monetary Authority (Cima) hat ihren Sitz in einem babyblauen Kolonialnachbau, wo die Finanzaufseher unter dem Porträt einer lächelnden Queen Elizabeth II arbeiten. Langston Sibblies ist es gewohnt, die Cayman Islands und ihre Finanzaufsicht Cima verteidigen zu müssen – gegen den ewigen Vorwurf, ein Paradies für Steuerhinterzieher und Geldwäscher geschaffen zu haben, gegen die Beschuldigung, dass dort gern beide Augen zugedrückt würden.

In sanftem Karibik-Englisch weist er all diese Vorwürfe zurück. Doch auf die Frage, wie seine kleine Mannschaft von 36 zuständigen Beamten Milliardenrisiken bei Tausenden von Hedgefonds überwachen könnte, reibt er sich erst einmal den kurz geschorenen weißen Bart. Es gebe den regelmäßigen Informationsaustausch, sagt er dann, das ausgeklügelte elektronische Meldesystem, die langjährige Erfahrung. „Wir haben ein Interesse daran, dass sich so etwas wie die Finanzkrise nicht wiederholt – schließlich leben wir hier von Finanzgeschäften“, sagt er.

Keine Frage, die Caymans wollen gern die Hauptstadt Hedgistans bleiben. Abends auf der Terrasse des In-Lokals Calypso Grill – Spezialität: einheimischer Hummer und Champagner – sind alle Tische belegt und die Erinnerungen an jene finsteren Tage vor zwei Jahren weggeweht von der milden Brise der Karibik.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%