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Hypo Real Estate Bad Bank: Wo Abschreiben teuer wird

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Sinn des Transfers ist es, problematische Vermögenswerte ohne Zeitdruck und so verlustminimierend wie möglich abbauen zu können. Auch wenn oft von einer »Bad Bank« die Rede ist – die FMS ist keine Bank, sie muss daher ihr Portfolio nicht ständig zu Marktpreisen bilanzieren und kann in Ruhe entscheiden, was sie hält, verkauft oder zu retten versucht. Eine Aufgabe, die sehr anspruchsvoll ist und von höchstem öffentlichen Interesse. Doch seit jenen Tagen im Herbst ist es um die FMS seltsam ruhig geworden.

Wer annahm, die Abwicklungsanstalt beginne sofort mit dem Abwickeln, der irrte. "Die sind noch stark dabei, sich zu sortieren", hieß es noch Monate nach der Abspaltung. Erst seit Kurzem gibt es überhaupt einen Kommunikationschef, aktuell hat das Haus alle Hände voll zu tun, die erste Präsentation der Geschäftszahlen, geplant für April, vorzubereiten. Anfang dieser Woche beschäftigte die FMS gerade einmal 39 Personen – und das schließt die dreiköpfige Geschäftsführung mit ein. Fast alle Mitarbeiter kommen neu von außen. Sie müssen sich mit dem gigantischen, komplexen Bilanzmüll erst vertraut machen. Das braucht Zeit.

Fachleute, die die Kredite, Anleihen und Papiere früher betreut haben und bestens kennen – die gibt es natürlich. Bloß sind diese nicht zusammen mit den vielen abgespaltenen Milliarden auf die Anstalt übergegangen. Vielmehr bleiben sie an ihrem alten Platz in der HRE und übernehmen dort künftig "als Dienstleister" für die FMS die Bewirtschaftung des Portfolios. Dienstleister, das klingt lapidar. In Wahrheit ist diese Konstruktion in ihrem Ausmaß ein großes Risiko – für die Abwicklung wie für die Restbank.

Mehr als nur das Kerngeschäft

Zum einen bedeutet es, dass Christian Bluhm, der Vorstandschef der FMS, und seine Kollegen in der Zentrale nahe der Isar zwar über die Vermögenswerte entscheiden – das Fachwissen aber findet sich weiter bei der HRE nördlich von München, dort müssen die Entscheidungen vorbereitet werden. Gegenüber deren Fachleuten besitzt die FMS keine Weisungsbefugnis. So etwas beschwört Reibungsverluste und lange Entscheidungswege geradezu herauf, mit allen Gefahren für Erlöse und Erfolg. Kenner warnen, ein so großes Institut wie die FMS lasse sich auf Dauer nicht per Dienstleistungsvertrag führen.

Zum anderen bedeutet die Kooperation, dass die Restbank alles andere als befreit aufspielen und sich nicht allein um ihr Kerngeschäft, die Finanzierung von Immobilien und Staaten, kümmern kann. Es gibt Spezialisten, die nur Bestände der FMS bearbeiten – und wieder andere, die für beide Institute Arbeit erledigen. Insgesamt seien es sicher mehr als hundert, heißt es bei der HRE, aber "selbstverständlich" hindere das die Bank keineswegs daran, die eigenen Aufgaben zu meistern. Kenner indes sagen, es handele sich um mehrere Hundert Mitarbeiter – von 1300 zum Zeitpunkt der Abspaltung. Selbst an Dynamik zu gewinnen sei unter diesen Umständen sehr schwer möglich.

Dass FMS und HRE so eng aneinandergekettet sind, liegt vor allem am Bund. Er betreibt die FMS – und will möglichst wenig Personalverantwortung übernehmen und mit Sozialplänen nichts zu tun haben. Weil die Zeit von der Gründung der FMS bis zum Transfer sehr kurz war, war das gewählte Arrangement als Provisorium wohl unvermeidbar. Kritiker halten es aber nur für eine Übergangszeit von vielleicht 18 Monaten für vertretbar. Die Kooperation jedoch gilt "zunächst" für mindestens drei Jahre, steht in einer Präsentation der HRE, und "kann verlängert werden". Ein Plan, wie sich die Institute entflechten ließen – wie ihn Kenner dringend empfehlen –, existiert nicht. Nicht einmal beim Personal lässt sich so wirklich sparen: Wegen der Kapazitätsprobleme hat der Soffin der FMS weitere Stellen genehmigt, gut 70 Mitarbeiter werden es bald sein. Selbst die HRE hat aufstocken müssen, auf 1350 Mitarbeiter – und sucht weiter nach Verstärkung.

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