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Hypo Real Estate J.C. Flowers bestimmt den Weg

Über das Schicksal der Hypo Real Estate entscheidet ein Großaktionär: die amerikanische Beteiligungsfirma J.C. Flowers. Deren Gründer Christopher Flowers bleibt gern im Hintergrund.

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Christopher Flowers, Gründer Quelle: REUTERS

Niemand dürfte durch den Ruin der Hypo Real Estate mehr Geld verloren haben und keiner ist – neben der Bundesregierung - im Augenblick entscheidender für das Überleben der Münchner Immobilienbank: Christopher Flowers, amerikanischer Geschäftsmann und Milliardär. Seine Beteiligungsfirma J.C. Flowers hält derzeit 24,9 Prozent an der zwischen Pleite und Verstaatlichung balancierenden Hypo Real Estate (HRE). Binnen weniger Monate ist der Wert seines Investments in die HRE um rund ein Milliarde Euro geschrumpft.

Heute abend traf sich Flowers gemeinsam mit Vertretern des staatlichen Banken-Rettungsfonds Soffin und der Bundesregierung, um über eine Rettung der HRE sprechen. Über die Inhalte der Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart, denn schon morgen will die Bundesregierung über das Schicksal der Hypothekenbank entscheiden. Bei dem Spitzentreffen am morgigen Freitag soll es um einen Einstieg des Staates bei der Hypo Real Estate gehen, auch eine komplette Verstaatlichung samt Enteignung des Großaktionärs Flowers stehen zur Disposition. Teilnehmen sollen angeblich Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU).

Enteignung droht

Ob es zu einer Beteiligung oder sogar einer kompletten Verstaatlichung der Bank kommt, hängt nun von Christopher Flowers ab. Seine Bereitschaft zu Gesprächen hat Flowers mehrfach bekundet. Das Bundesfinanzministerium favorisiert Medienberichten zufolge eine Enteignung der HRE.

Für Flowers wäre das sicher die schlechteste Lösung. Der Amerikaner gilt abgesehen von seinen Investments in Deutschland eigentlich als erfolgsverwöhnt. Der heute 51-Jährige begann seine Karriere nach dem Mathematik-Studium an der amerikanischen Elite-Universität Harvard in jungen Jahren bei der Investmentbank Goldman Sachs. Mit 31 Jahren schaffte er es als jüngster in der Unternehmensgeschichte in den Kreis der Partner.

Nach 20 Jahren stieg Flowers bei Goldman Sachs aus und machte sich mit einem seiner Beteiligungsfirma J.C. Flowers 1998 selbstständig. Die ersten zehn Jahre waren sehr erfolgreich: Das Ranking des US-Magazins Forbes zählt ihn zu reichsten Amerikanern, sein Vermögen lag 2008 angeblich bei 1,5 Milliarden Dollar. Mit seinen Beteiligungsfonds hat sich Flowers auf Finanzdienstleister spezialisiert, was sich jetzt in Zeiten einer Bankenkrise als logischerweise als schwieriges Geschäftsfeld entpuppt. Sein Vermögen und das seiner Investoren schmilzt dahin.

Mehr als eine Milliarde Verlust

Flowers ist eigentlich als Langfrist-Investor bekannt, zu den vielgescholtenen Heuschreucken kann man ihn nicht zählen. Die Übernahme der zusammengebrochenen früheren japanischen Long Term Credit Bank (LTC), die Flowers gemeinsam mit der US-Beteiligungsgesellschaft Ripplewood stemmte, gilt als als gelungener Zug des passionierten Schach-Spielers, liegt aber auch schon vier Jahre zurück. Flowers brachte die Bank wieder auf Kurs und soll beim Börsengang seinen Einsatz vervielfacht haben.

Jetzt hängt alles davon ab, wie sich Flowers mit der Bundesregierung einigt. Dem Vernehmen nach will die natürlich nicht den Verlust von Flowers ausgleichen, sondern ihm einen Preis bieten, der in Nähe des aktuellen Kurse liegt. Eingestiegen war Flowers für 22,50 Euro je Aktie, aktuell notiert sie bei 1,20 Euro. Sein Verlust beläuft sich schon auf mehr als eine Milliarde Euro. Hinzu kommt, dass es um seine anderen Investments – unter anderem bei der HSH Nordbank, der niederländischen Bank NIBC und der britischen Investmentbank Fox-Pitt, auch katastrophal bestellt ist.

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