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Aktie stürzt ab IVG ächzt unter Schulden

Tiefrote Zahlen, eine Verschuldung nahe am Maximum und nervöse Banken: Der Immobilienkonzern IVG stürzt immer tiefer in die Krise. Nachdem die HV verschoben wurde, stürzte die Aktie ins Bodenlose.

Bauarbeiter verlassen und betreten über eine Rolltreppe den Büro- und Hotelkomplex

IVG-Vorstandschef Wolfgang Schäfers kündigte am Mittwoch zwar an, die Finanzierung des Unternehmens - das auf einem Schuldenberg von über vier Milliarden Euro sitzt - ganz neu aufzustellen und verschob deshalb die Hauptversammlung von Mai auf Ende Juli. Doch er deutete auch an, dass die leidgeprüften Aktionäre möglicherweise abermals zur Kasse gebeten werden. Das trieb die Anleger in Scharen davon: Die IVG-Aktie, inzwischen nur noch im Kleinwerteindex SDax notiert, brach um 40 Prozent auf 76 Cent ein. Ohne Kapitalschnitt wäre auf diesem Niveau nicht einmal eine Kapitalerhöhung möglich. Aber auch so haben die Anleger schon viel Geld verloren: In den Boomzeiten 2007 kostete die Aktie einmal 35 Euro.


"Wir wollen das Thema Finanzierung ganzheitlich angehen. Klar ist, dass wir uns dafür alle strategischen Optionen offenhalten", sagte Schäfers. Dazu werde jeder seinen Teil beitragen müssen. Noch deutlicher wurde der neue Finanzchef Hans Volkert Volckens, der seit Herbst 2011 an Bord ist. Er räumte ein, dass mit den Banken jetzt auch über einen Forderungsverzicht gesprochen werde. "Wenn wir weiter nur Löcher stopfen, dann werden wir keine Kapitalmarktfähigkeit oder Dividendenfähigkeit erreichen."


Die IVG hatte sich unter dem alten Management mit milliardenschweren Projektentwicklungen verhoben und stand in der Finanzkrise vor dem Abgrund. Seither läuft die Sanierung - inzwischen im fünften Jahr. Im Kerngeschäft verdient der Konzern weiter kein Geld, weil immer wieder Abschreibungen auf einstige Prestige-Objekte das Ergebnis verhageln. 2012 belief sich der Nettoverlust auf rund 100 Millionen Euro.


Die Schuldenlast ist das drängendste Problem für Schäfers und Volckens, denn der Großteil entfällt auf Kredite von Banken, die wegen der strengeren Regulierung ohnehin immer knauseriger werden. Per Ende Dezember lag der Verschuldungsgrad (LTV) der IVG bei überdurchschnittlich hohen 70,6 Prozent. Bei 75 Prozent können die Banken Kredite vorzeitig kündigen, wie Volckens einräumte. Finanzkreisen zufolge hat eine Bank bereits begonnen, Teile ihres Darlehens mit einem erheblichen Abschlag an andere Investoren zu verkaufen, darunter auch Kreditfonds. Das könnte die anstehenden Refinanzierungsverhandlungen zusätzlich erschweren - bis Ende 2014 müssen insgesamt 3,16 Milliarden Euro refinanziert werden.

Der Jahresverlust hatte die Anleger schon vor drei Wochen kalt erwischt, weil der Konzern eigentlich ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt hatte. Ob es dieses Jahr besser wird, ließ das Führungsduo offen: Es gebe erhebliche Unsicherheiten. Durch die Schuldenkrise liege der gewerbliche Mietmarkt am Boden. Die Konkurrenten DIC Asset und Alstria Office hatten sich zuletzt optimistischer geäußert.

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