WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Anschlussfinanzierung So sparen Hauseigentümer Zehntausende Euro

Seite 2/3

Anschlussfinanzierung per Prolongation

Nach nunmehr achteinhalb Jahren in unserem Einfamilienhaus wittere ich die Chance, unser Haus viel billiger zu finanzieren. Zwar haben wir für das erste Darlehen eine Laufzeit von 15 Jahren vereinbart, aber Mitte 2020 (nach zehn Jahren plus sechs Monaten Kündigungsfrist) könnten wir in ein deutlich günstigeres Darlehen wechseln. Mit einem Forward-Darlehen könnten wir uns die derzeit noch sehr günstigen Konditionen sichern. Noch sind keine Zinserhöhungen absehbar und viele Experten glauben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) erst 2020 oder noch später vom Nullzins für Banken abrückt. Aber nach der Zinswende in den USA steht auch fest, dass die EZB auf eine Gelegenheit wartet, nach mehr als einem Jahrzehnt die Zinsen wieder zu erhöhen.

Vorteil 3: Gute Verhandlungsposition im umkämpften Baufinanzierungsgeschäft

Für die Anschlussfinanzierung gibt es zum einen die Möglichkeit, beim bisherigen Baufinanzierer zu bleiben und den alten Kredit auf neue Konditionen umzustellen. Banken sprechen dann von einer sogenannten Prolongation. Alternativ kann sich der Kreditnehmer aber auch eine andere Bank mit günstigeren Konditionen suchen, seinen alten Kredit kündigen und so umschulden. Um sich über die Möglichkeiten einer Anschlussfinanzierung zu informieren, vereinbare ich deshalb zunächst einen Termin mit dem Baufinanzierungsberater unserer Sparkasse, die seinerzeit die Finanzierung übernommen hat.

Der Bankberater kennt das Szenario aus dem Effeff. „Damit ich Ihnen ein gutes Angebot machen kann, muss ich zunächst die Immobilie neu bewerten. Schließlich sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren ganz ordentlich gestiegen“, sagt er. Ich soll ihm eine Liste der erfolgten Umbauten und Modernisierungen erstellen, die den Wert der Immobilie seit der ersten Finanzierungsrunde zusätzlich erhöht haben könnten. „Bei der Erstfinanzierung orientiert sich die Immobilienbewertung in der Regel am Kaufpreis. Bei einer Anschlussfinanzierung können wir heute viele weitere Faktoren besser berücksichtigen“, gibt mein Bankberater zu.

Innerlich freue ich mich schon: In den vergangenen acht Jahren haben wir das Dach neu isoliert, Böden und Rollläden erneuert sowie das Achtzigerjahre-Badezimmer komplett modernisiert – barrierefrei, mit Fußbodenheizung und begehbarer Dusche. Außerdem haben wir bereits im Jahr nach unserem Einzug die Heizung modernisiert und sparen so im Vergleich zur alten Anlage rund 30 Prozent Energie. Der Wert unseres Häuschens dürfte so grob geschätzt zusammen mit der Erhöhung der Immobilienpreise vor Ort um mindestens 20, eher wohl 30 Prozent gestiegen sein.

Die Restschuld entspräche damit nur noch einer Beleihung von 69 Prozent gegenüber den 100 Prozent der ersten Finanzierungsrunde. Wegen des geringeren Risikos können Baufinanzierer dafür einen deutlich günstigeren Zinssatz bieten. Ich vergleiche die Konditionen über diverse Finanzierungsrechner im Internet. Bei einer Finanzierung über 15 Jahre mit drei Prozent Tilgung macht der niedrige Beleihungswert beim Zins schnell einen Unterschied von 0,5 Prozentpunkten aus.

Chancen eines Bankwechsels prüfen

Sofern mein Bankberater mir nach der Neubewertung ein konkurrenzfähiges Angebot machen kann, würde ich die Prolongation bevorzugen. Ein Verbleib beim bisherigen Finanzierer hat nämlich den Vorteil, dass die Grundschuld im Grundbuch noch eingetragen ist und wir bis zu dieser Höhe den Kredit auch noch aufstocken könnten, etwa für den Anbau einer Photovoltaikanlage oder eines Wintergartens.

Auf der anderen Seite ist das Baufinanzierungsgeschäft so umkämpft, dass es gut möglich ist, bei einer anderen Bank einen günstigeren Zins zu bekommen. Selbst mein Bankberater hat eingeräumt, dass so viele neue Baufinanzierer mit Kampfkonditionen im Markt seien, dass es für kleinere, regionale Banken immer schwieriger wird, wettbewerbsfähige Angebote zu machen. Der Nachteil: Die im Grundbuch eingetragene Grundschuld muss abgetreten oder aber gleich gelöscht und für die neue Bank neu eingetragen werden. Die Gebühren richten sich nach der Höhe der Grundschuld, die in der Regel den Restschulden entspricht. Für Notar und Grundbuchgebühren werden bei einer Abtretung einige hunderte Euro fällig, für Löschung und Neueintrag sind es ein paar hundert Euro mehr. Laut Faustregel lohnt sich ein Bankenwechsel, wenn die Zinsen für den Baukredit mehr als 0,2 Prozentpunkte unter dem Angebot der Hausbank liegen. Es lohnt sich also, genau zu rechnen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%