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Baufinanzierung Drohen Immobilienkäufern höhere Zinsen?

Nur keine Angst: Die Immobilienfinanzierung bleibt sehr günstig. Quelle: dapd

Die Zinsen sind ein entscheidender Faktor für den Immobilienerwerb, viele fürchten, dass sie steigen. Wovon die Kreditzinsen abhängen und warum Häuslebauer keine Angst haben sollten.

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995.000 Euro soll sie kosten, die schicke Vierzimmerwohnung mit 120 Quadratmetern im Hamburger Trendviertel St. Georg. Plus den Stellplatz für 35.000 Euro und Nebenerwerbskosten (Grunderwerbsteuer 45.900 Euro, Makler 35.700 Euro und Notar- sowie Grundbuchgebühren über 20.400 Euro) sind gut 1,12 Millionen fällig. Das junge Gutverdiener-Paar kann die Nebenerwerbskosten aus der eigenen Tasche stemmen; zur Abzahlung des Darlehens über gut eine Million Euro wollen sie sich 25 Jahre Zeit lassen. Ihre Bonität ist aufgrund gesicherter Stellung ausgezeichnet, im Beispielfall nehmen wir einen Klinik-Arzt mit Aufstiegschancen und eine Richterin am Landgericht an, deshalb bekommen sie den Kredit für einen Effektzins von 2,66 Prozent, über 25 Jahre wohlgemerkt. Mit 4641 Euro monatlicher Rate haben die Mittdreißiger zu ihrem 60. Lebensjahr die Wohnung abbezahlt.

Selbst Millionen-Träume sind also nicht unmöglich – dank Niedrigzins und wenn man sich anfänglich einschränkt. Denn zum Leben und für Nebenkosten hat das Paar zunächst nur 2000 Euro übrig, nach Gehaltsanpassungen werden daraus nach fünf Jahren 3000 und nach zehn Jahren 4000 Euro, wenn alles glatt läuft.

Wäre das Niveau für den Kredit aber jetzt etwa bei fünf Prozent, was historisch immer noch niedrig wäre, dann müsste das Pärchen schon anfänglich jährlich rund  50.000 Euro nur für Zinsen ausgeben – damit wäre der Kauf des ausgesuchten Objektes bei allen anfänglichen Einschränkungen nicht mehr möglich.

Dass die Zinsen weiterhin so niedrig sind, hat Gründe. Die langjährigen Kosten für Hypothekenkredite orientieren sich an den langjährige Zinsen, die Anleger mit Bundesanleihen oder Pfandbriefen, die mit Hypotheken unterlegt sind, erzielen. Zwar ist der Durchschnittszins aller Bundespapiere von seinem Tief bei minus 0,29 Prozent etwa angezogen, er liegt aber aktuell bei immer noch kümmerlichen  0,04 Prozent.

Das wiederum liegt daran, dass es indirekt einen Zusammenhang mit den Kurzfristzinsen gibt, die die Notenbanken festsetzen. Während die USA die Zinsen schon angehoben haben, hält die Europäische Zentralbank (EZB) etwa an ihrem negativen Einlagenzins für Banken von minus 0,4 Prozent weiter fest. Frühestens im Herbst dieses Jahres könnten da die Zügel etwas angezogen werden. Steigt der kurzfristige Leitzins, dann sollten auch Langfristzinsen etwas klettern und Hypothekendarlehen würden etwas teurer.

Nicht drängeln lassen

Noch ist davon überhaupt keine Spur zu sehen. Ein Pfandbrief der Landesbank Baden-Württemberg, der erst 2045 fällig wird, wirft gerade mal eine Rendite von 1,55 Prozent ab. Zehnjährige Baudarlehen sind in den vergangenen drei Monaten wieder auf dem Rückzug und ein gutes Zehntel günstiger als noch Anfang November 2018 bei im Durchschnitt 1,33 Prozent. Wer den Günstigzins erhält, der zahlt also im ersten Jahr gerade einmal rund 1300 Euro an Zinsen, im Trend später leicht fallend, je nach Höhe der Tilgung.

Viel höher wird es auch nicht gehen, weil zahlreiche Anleger nach wie vor sehr sichere Anlagen wie Bundesanleihen oder Pfandbriefe  kaufen.  Ein Treiber für höhere Zinsen könnte eine stärkere Preissteigerung sein. Doch die entfernte sich zuletzt wieder vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Nach 1,9 Prozent im vergangenen November sank sie im Dezember auf 1,6 Prozent und  zu Jahresanfang betrug die Preissteigerung in der Eurozone sogar nur noch 1,4 Prozent. Wer in den heißen Immobilienmarkt einsteigen will, der sollte sich mit dem Hinweis auf möglicherweise steigende Zinsen also nicht drängeln lassen. 2019 werden Hypothekendarlehen aller Voraussicht nach äußerst günstig bleiben.

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