Bauindustrie "Der deutsche Zementmarkt wird wachsen"

Bruno Lafont, der Chef des weltgrößten Baustoffkonzerns Lafarge, über Kartelle, Investitionen und Deutschland.

Bruno Lafont Quelle: LAIF/VU/Franck Courtes

WirtschaftsWoche: Herr Lafont, Lafarge wurde mehrmals wegen Kartellabsprachen bestraft. Gehören Gesetzesverstöße zum Geschäft?

Lafont: Die Verfahren basieren auf Vorfällen, die lange zurückliegen. Das gehört jetzt der Vergangenheit an. Seitdem haben wir ein Competition-Compliance-Programm entwickelt, also Regeln für den Umgang mit Gesetzen und Wettbewerbern, die sicherstellen, dass so etwas nicht mehr passiert. Ich halte Kartelle für keine gute Lösung, und wir haben kein Interesse, gegen das Gesetz zu verstoßen.

Ihr Konzern ist der größte Baustoffhersteller der Welt. Ist Deutschland ein Markt für Sie?

Trotz der sinkenden Zementnachfrage, die 2009 vor allem aufgrund der Rückgänge im Industriebau auf ein historisches Tief gefallen ist, glaube ich, dass der deutsche Zementmarkt in den nächsten Jahren wieder wachsen wird. Deshalb haben wir in unser Werk in Wössingen bei Karlsruhe investiert, das jetzt eines der modernsten und energieeffizientesten Werke in Deutschland ist. Wir erwirtschaften mit 800 Beschäftigten in unseren beiden deutschen Geschäftsbereichen Zement und Gips etwa ein Prozent des Umsatzes der Lafarge-Gruppe.

Das ist nicht viel. Warum halten Sie daran noch fest?

Ich habe fünf Jahre meines Berufslebens in Deutschland verbracht, und für mich ist dieser Markt sehr wichtig. Es ist ein hochwertiger Markt. Man legt großen Wert auf Qualität. Außerdem sind deutsche Unternehmen wichtige Kunden unseres Forschungs- und Entwicklungszentrums in Lyon, dem weltweit größten für Baumaterialien. Da entwickeln wir effizientere, leichtere, ökologischere Betonarten.

Wo sehen Sie in Zukunft das größte Wachstum?

Eindeutig in den Schwellenländern, wo wir 70 Prozent unseres Zementumsatzes und mehr als 50 Prozent unseres Gesamtumsatzes machen. Wir sind weltweit in 78 Staaten vertreten und haben mehr als 200 Zementwerke. Von den 3,6 Milliarden Euro, die wir zwischen 2006 und 2011 investieren, entfallen 90 Prozent auf Schwellenländer. In diesem Jahr investieren wir in Projekte in Syrien und Saudi-Arabien. Zudem ist der Bedarf in Ländern wie China immens.

Können Sie sich denn die Investitionen erlauben? Lafarge ist mit fast 14 Milliarden Euro verschuldet.

Ende 2008 waren wir wegen der Übernahme des Zementgeschäfts der ägyptischen Orascom-Gruppe in einer schwierigen Lage, da sich kurz darauf die Finanzkrise abzeichnete. Doch wir haben 2009 Vermögenswerte in Höhe von 920 Millionen Euro verkauft, eine Kapitalerhöhung um 1,5 Milliarden Euro umgesetzt und erfolgreich umgeschuldet. Unsere liquiden Mittel stiegen um 34 Prozent.

Was planen Sie 2010?

Priorität hat die Steigerung unserer Ertragskraft. Die Impulse werden aus Schwellenländern wie Indien, Russland, China und Brasilien kommen. Im zweiten Halbjahr erwarten wir aber auch in entwickelten Ländern eine Trendwende. Insgesamt dürfte dort der Umsatz nur noch leicht zurückgehen.

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