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Bausparkassen Bausparkunden sind nur noch Ballast

Bausparkassen werfen ihre Kunden raus. Damit demontieren sie ihr Geschäftsmodell. Sie haben ihre eigene Produktidee, die Kombination aus Sparen und Baudarlehen, selbst verraten.

Ein altes Schild des Bausparanbieters Wüstenrot hängt an der Fassade eines alten Hauses Quelle: dpa

Die Liebe des Schwaben zum Häuschen ist so sprichwörtlich wie seine Sparsamkeit. Darauf bauend, verbreiteten Schwäbisch-Hall, Wüstenrot und Co. die Bausparidee bundesweit. Die Kombination aus einem Sparvertrag und späterem Anspruch auf einen Kredit ist verlässlich. Deshalb können viele Bausparer es kaum fassen, dass ihnen jetzt Kündigungen ins Haus flattern. Sie wollten doch nur sparen. Aber das ist nicht mehr erwünscht, allen Sonntagsreden zum Trotz: Erst verschwand der Bundesschatzbrief, weil der Finanzagentur des Bundes das Geschäft mit Privatanlegern zu teuer wurde. Bei Geldmarktfonds fressen die Kosten die niedrigen Zinserträge aus kurzfristig fälligen Anleihen auf. Den offenen Immobilienfonds schließlich wurden lange Mindesthaltefristen verordnet, damit Anleger sie nicht als Festgeldanlage missbrauchen.

Und jetzt gibt es auch noch den Liebesentzug bei Bausparverträgen. Hat der Kunde eine Bausparsumme von üblicherweise 30.000 Euro vereinbart, muss er die Hälfte des Betrags ansparen, danach wird ihm für die andere Hälfte ein Darlehen zugeteilt. Der brave Bausparer geht eine Zinswette ein. Um sich in zehn Jahren einen Immobilienkredit zu dem beim Vertragsbeginn festgelegten Zins zu sichern, nimmt er beim Sparen einen Zinsverzicht in Kauf.

Und dem Verkäufer des Vertrages zahlt er zudem noch ein Prozent der Bausparsumme als Provision. Für die Banker ein lukratives Geschäft. Deshalb haben viele Bausparen als Sparbuch-Alternative verkauft. Doch die niedrigen Zinsen bringen das Geschäftsmodell Bausparen ins Schlingern. So manche Kasse übertreibt es jetzt mit dem schwäbischen Geiz.

Wann sollte man keinen Bausparvertrag abschließen?

Kassen im Dilemma

Gekündigt wird insbesondere Kunden, die ihren Vertrag vor vielen Jahren abgeschlossen haben und jetzt Anspruch auf einen Kredit hätten. Aber den gibt es günstiger am freien Markt. Dafür sind die Sparzinsen bei alten Verträgen mit bis zu vier Prozent heute äußerst üppig.

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Deshalb lassen viele ihr Geld bei den Bausparkassen stehen. Deren Dilemma: Sie können nicht hohe Zinsen zahlen, wenn sie nur geringe Zinseinnahmen aus Krediten haben. Und so schubsen sie ihre Kunden über Bord, berufen sich auf das Kleingedruckte in ihren Verträgen.

Dass die Kunden vergrätzt reagieren, ist klar, wurden sie doch in der Vergangenheit oft mit Werbung über hohe Renditen angelockt. Fünf Prozent wurden manchen versprochen, wenn sie dafür auf die Zuteilung des Bauspardarlehens verzichten würden. Damit haben Bausparkassen ihre Idee – Kombination aus Sparen und Baudarlehen – selbst verraten. Weil diese Strategie mit Verlusten endete und weil in besseren Jahren zu wenig Rücklagen gebildet wurden, werden Sparer nun zu Ballast. Der Eindruck ist fatal: Bei hohem Zinsniveau fressen die Kassen sich an einem simplen Geschäft fett, auf Kosten der Kunden, die auf Rendite verzichten. Und wenn sich bei niedrigen Zinsen das alles nicht mehr lohnt, fliegen die Kunden raus. Dieses Geschäftsmodell soll Zukunft haben?

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