WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bausparkassen Warum Bausparen nur noch selten sinnvoll ist

Neubau eines Hauses in Nieder-Olm (Rheinland-Pfalz). Für die meisten Anleger lohnt der Abschluss eines Bausparvertrages nicht mehr. Quelle: dpa

Stiftung Warentest gibt den Beratern der Bausparkassen miese Noten, meist waren die Angebote unpassend und zu teuer. Kein Wunder, denn bis auf zwei Argumente spricht nichts fürs Bausparen. Die Nachteile überwiegen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Das aktuelle Urteil der Zeitschrift Finanztest, einer Publikation der Stiftung Warentest, fällt vernichtend aus: Von 17 getesteten Bausparkassen erhält nur eine für ihre Beratungsqualität die Note „gut“, eine weitere ein „befriedigend“. Der Rest kommt über ein „ausreichend“ nicht hinaus, drei sind gar mit der Note „mangelhaft“ komplett durchgefallen.

Noch immer werden in Deutschland viele Bausparverträge abgeschlossen. Banken und Bausparkassen bieten die Produkte, die früher wegen ihrer Zinsvorteile so beliebt waren, noch immer gerne an. Dabei haben sich die einstigen Vorteile schon vor Jahren, als die Bau- und Sparzinsen deutlich zu sinken begannen, weitestgehend in Luft aufgelöst. Max Herbst, Gründer Finanzberatung FMH, die ein Kooperationspartner der WirtschaftsWoche ist, wird deutlich: „Rein rechnerisch ist Bausparen im Grunde tot. Für jemanden, der eine Immobilie finanzieren will, gibt es günstigere Angebote von Banken.“ Herbst, dessen täglich Brot die Zins- und Konditionenvergleiche für alle Arten von Krediten, Sparverträgen und Konten sind, gibt ein Beispiel: „Der günstigste Zinssatz für ein Darlehen einer Bausparkasse liegt aktuell bei 0,99 Prozent. Selbst wenn ich einen Immobilienkauf für 400.000 Euro zu 90 Prozent über ein Darlehen und mit zehn Jahren Zinsbindung finanzieren will, bekomme ich den 360.000-Euro-Kredit ohne Probleme zu einem Zinssatz von 0,9 Prozent finanziert, im günstigsten Fall sogar für nur 0,70 Prozent.“ In den ersten zehn Jahren der Kredittilgung kann der Bankkunde so schon einige Tausend Euro an Kreditkosten sparen. Mit einem Hypothekenrechner lässt sich das leicht überprüfen.

Mit Angst zum Abschluss

Ein Hauptargument für den Abschluss eines Bausparvertrags ist daher die Angst vor einem deutlichen Anstieg der Hypothekenzinsen in den kommenden Jahren. Bausparverträge haben nämlich den Vorteil, dass sich der Kreditnehmer bis zur vollständigen Tilgung des Darlehens – und schon Jahre bevor der Kredit tatsächlich aufgenommen wird – einen niedrigen Kreditzins sichert. Dafür muss er aber zuvor einen Teil der Bausparsumme, also des Finanzierungsvolumens, ansparen. Meist sind das zwischen 30 und 40 Prozent und dauert typischerweise zwischen fünf und 15 Jahren, erst dann ist das Darlehen „zuteilungsreif“. Nachteil: Dieses Guthaben bringt bei neueren Bausparverträgen nur eine mikroskopische Zinsrendite, außerdem ist der Kreditzins kaum niedriger als bei einem aktuellen Baudarlehen von der Bank.

Ökonomen glauben mehrheitlich nicht daran, dass die Europäische Zentralbank in den nächsten Jahren die Zinsen massiv anheben wird. „Es ist extrem unwahrscheinlich, dass die Hypothekenzinsen in den kommenden fünf bis zehn Jahren wieder ein Niveau von vier bis fünf Prozent steigen. Dazu bräuchte es eine sehr hohe Inflation und eine überhitzte Konjunktur in der Euro-Zone“, sagt Herbst. Angesichts der schwächelnden Konjunktur dürfte die Europäische Zentralbank frühestens gegen Ende des kommenden Jahres über erste, kleine Zinserhöhungen überhaupt nachdenken.

Ein weiteres Argument für einen Bausparvertrag: Die staatliche Wohnungsbauprämie oder die Nutzung Vermögenswirksamer Leistungen (VL) vom Arbeitgeber. Allerdings beträgt die Wohnungsbauprämie pro Jahr höchstens rund 45 Euro für Singles und 90 Euro für Paare, die VL bringen bei Bausparverträgen höchstens 43 Euro im Jahr. Dem Traum vom Eigenheim bringen sie Sparer so nur in Zeitlupe näher.

Seit 2012 zu teuer: Durchschnittlicher Bauspardarlehenszins und Hypothekenzins im Vergleich

Auch das Argument, mit einem Bausparvertrag lasse sich günstig Eigenkapital für den späteren Immobilienerwerb ansparen, ist nicht stichhaltig. Zum einen erkennen Banken bei Immobilienfinanzierungen nur den bereits angesparten Teil der Bausparsumme als Eigenkapital an, so wie ein Guthaben auf einem Sparbuch. Zum Anderen sprechen die Abschlussgebühren und die schwache Verzinsung gegen das Eigenkapitalsparen mittels Bausparvertrag. Die übliche Provision von einem Prozent der Bausparsumme freut nur den Vermittler. Wer Eigenkapital für den Immobilienkauf in Eigenregie anspart, kommt mit einem Tagesgeldkonto oder einem ETF-Sparplan wesentlich besser weg, zumal ETFs (börsengehandelte Indexfonds) im langjährigen Durchschnitt eine deutlich bessere Rendite bieten. Außerdem sind beide Sparalternativen flexibler als ein Bausparvertrag. Denn wer bei einem Bausparvertrag weniger anspart als vereinbart, muss länger auf die Zuteilung des Kredits warten - und den Traum vom Eigenheim womöglich nochmal verschieben. Höhere Sparraten müssen hingegen oft vertraglich vereinbart werden und können zusätzliche Kosten oder eine Änderung der Konditionen zur Folge haben. Mit Tagesgeld und ETFs kann jeder Sparer hingegen ohne Nachteile ganz nach Belieben verfahren.

Für Modernisierer eine Alternative

Für einen Bausparvertrag spricht also neben dem langfristigen Schutz vor steigenden Bauzinsen – dem Angst-Argument – nur noch ein Verwendungszweck: Die Renovierung oder Modernisierung einer Immobilie in absehbarer Zukunft. „Dann sind die Zinsen in der Regel besser als bei einem herkömmlichen Ratenkredit und auf Augenhöhe mit den günstigen Modernisierungskrediten der Banken“, sagt Herbst. Ihm zufolge liegen die durchschnittlichen Bauspar-Darlehenszinsen bei 2,5 Prozent, ein Ratenkredit kostet hingegen rund vier Prozent Zinsen. Wer also weiß, dass in zehn bis 15 Jahren das Dach saniert werden muss, kann sich so günstig vorbereiten.

Es spricht insgesamt mehr gegen einen Bausparvertrag als dafür. Wer allerdings schon einen angesparten Bausparvertrag hat, kann ihn gut als Finanzierungsbaustein einsetzen. Aber heute seine Unterschrift unter einen Bausparvertrag zu setzen, weil das Ersparte in vielleicht in zehn oder 15 Jahren einen günstigen Immobilienkredit sichert, erfordert nicht nur einen sehr langfristigen Lebensplan, sondern auch das Glück stark steigender Bauzinsen, damit es sich lohnt. Und dann dürfte sich so mancher über die mickrigen Guthabenzinsen der Bausparkassen bei Vertragsabschluss ärgern. Die liegen nämlich durchschnittlich auch nur bei 0,26 Prozent – nicht mal 0,2 Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Tagesgeldzins. Dafür langfristige Verträge einzugehen, erscheint aus heutiger Sicht unvernünftig.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%