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Bauzinsen sinken wieder Warum die Hypothekenzinsen wieder unter ein Prozent gefallen sind

Bauzinsen für Immobilien sinken wieder Quelle: imago images

Noch Ende vergangenen Jahres hatten viele Marktbeobachter mit steigenden Bauzinsen ab Mitte 2019 gerechnet. Aber derzeit sieht es nicht danach aus: Die Zinsen bewegen sich wieder nahe historischer Tiefststände.

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So billig kamen Immobilienkäufer schon seit November 2016 nicht mehr an ihren Kredit: Die günstigsten Angebote für einen Baukredit mit zehn Jahren Zinsbindung lagen im Februar 2019 bei nur 0,9 Prozent. Das geht aus aktuellen Zahlen des Finanzdienstleisters Dr. Klein hervor.

Dr. Klein berechnet den besten Bauzins anhand eines Musterfalls* schon seit vielen Jahren. Und demnach hatten die Zinsen im Oktober 2016 mit Werten unter 0,70 Prozent ihren historischen Tiefpunkt erreicht. Seitdem schwang sich der günstigste Sollzins bis auf 1,36 Prozent im März 2018 auf. Offenbar war dies nur ein Zwischenhoch, denn seitdem ging es mit dem Zins unter Schwankungen in der Tendenz wieder leicht abwärts.

Die Finanzierungskosten für Bauherren und Immobilienkäufer bleiben damit so niedrig wie nie seit der Wiedervereinigung. Da sich die Bauzinsen an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe orientieren, sehen die Zinsexperten bei Dr. Klein in deren Entwicklung den Hauptgrund für die erneut rekordtiefen Zinsen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hatte im Februar mit nur noch 0,09 Prozent erreicht, so tief war sie zuletzt im Jahr 2016.

Der Renditerückgang der Bundesanleihe wiederum hat seine Ursachen in der Konjunkturentwicklung und die Nöte der großen Zentralbanken. Einerseits sinken derzeit die Konjunkturprognosen. erst kürzlich senkte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone von 1,9 auf nur noch 1,3 Prozent – was einige immer noch für zu optimistisch halten. Sorgen bereiten dabei vor allem die hoch verschuldeten Euro-Staaten, allen voran Italien.

Auch in den USA schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab, wenn auch auf einem höheren Niveau als in Europa. Das aber macht weitere Zinserhöhungsschritte der US-Notenbank in diesem Jahr zunehmend unwahrscheinlich. Damit dürften die Notenbanken weder in den USA noch in der Euro-Zone in diesem Jahre die Leitzinsen erhöhen, wie es vor einigen Monaten noch erwartet worden war.

Die Zinsexperten der FMH Finanzberatung haben zudem beobachtet, dass der Abstand zwischen den Renditen der Bundesanleihen und den Hypothekenzinsen vom allem zum Beginn eines Jahres relativ klein ist. Dahinter vermutet FMH eine Fokussierung der Baufinanzierer auf Umsatzziele zulasten der Gewinnmarge. Im Durchschnitt des Jahres 2018 lag die Schwankungsbreite der Sollzinsen bei zehnjähriger Zinsbindung lediglich bei 0,25 Prozentpunkten. Insofern hätten Kaufinteressenten keinerlei Grund zu Panik, bis zu einer spürbaren Verteuerung der Hypothekenzinsen dürfte noch viel Zeit vergehen.

„Ich rechne in den nächsten Monaten mit einer Seitwärtsbewegung der Bauzinsen“, sagt Michael Neumann, Vorstandschef der Dr. Klein Privatkunden AG. „Vom aktuellen Niveau aus betrachtet, dürfte es bis zum Jahresende hin einen marginalen Aufwärtstrend geben.“ Er rät Immobilienkäufern, die niedrigen Zinsen für eine hohe Tilgung zu nutzen und eine lange Zinsbindung zu wählen, um sich das Zinsniveau langfristig zu erhalten.

*Musterfall: Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen nach Dr. Klein
- Nettodarlehensbetrag: 190.000€, Kaufpreis der Immobilie: 352.000 Euro, Beleihungswert: 316.800 €; Tilgungssatz: 2%
- Kauf einer eigengenutzten Immobilie; erstrangige Grundschuldabsicherung; einwandfreie Vermögens- und Einkommenssituation/Bonität

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