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Bundesgerichtshof Das Ende des Bausparens, wie wir es kennen

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Der Fusionsdruck nimmt zu

Die Kündigungen zeigen: In der Branche steht es Spitz auf Knopf. „Die meisten verdienen doch nichts mehr“, sagt ein Sparkassenvertreter mit Blick auf die verbliebenen Landesbausparkassen, die zu den Sparkassen gehören. Die Bilanzen würden das gar nicht ausreichend widerspiegeln, da viele Landesbausparkassen das dank hoher stiller Reserven ausgleichen könnten. „Das merkt kein Mensch“, so der Sparkassenfunktionär.

Trotz der geschäftlichen Probleme gibt es in Deutschland immer noch zwölf private und acht Landesbausparkassen. Gingen die Sparkasseninstitute zusammen, könnten sie Größenvorteile im Marketing, Vertrieb und bei der IT nutzen – so wie Schwäbisch Hall als das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken. „Der Druck muss wohl noch steigen, damit die Sparkassenverbände sich auf weiter gehende Fusionen ihrer Bausparkassen einigen können“, sagt Bain-Berater Schmundt. Vor allem Pensionsverpflichtungen und alte Kredite würden Zusammenschlüsse im Moment noch verhindern. In Düsseldorf etwa würde Verbandschef Michael Breuer gerne konkrete Konsolidierungsschritte verkünden. „Am Ende werden wir nur noch ein oder zwei Landesbausparkassen brauchen“, sagt der Chef des Rheinischen Sparkassenverbands. Beim möglichen Partner, der LBS Hessen-Thüringen, reagieren Sparkassenvertreter dagegen verschnupft auf das Thema. „Wir halsen uns doch nicht die hohen Pensionsverpflichtungen der Rheinländer auf“, sagt einer.

Noch schleppen zu viele Institute Altlasten mit sich herum. Bei der LBS West sind es die hohen Pensionsverpflichtungen aus der Zeit der WestLB, in Bayern ist es die veraltete IT und in Niedersachsen die hohe Summe schon zugesagter Darlehen, die mögliche Partner abschrecken. Am wahrscheinlichsten gilt in Sparkassenkreisen derzeit eine Fusion im hohen Norden. Peter Magel, Vorstandschef der LBS Schleswig-Holstein-Hamburg, wechselt im September als Vertriebschef zu Schwäbisch Hall, für ihn müsste kein Posten mehr gefunden werden. Ab dem Sommer wird die LBS zudem auf den Hauptsitz in Hamburg konzentriert – in dem könnte zum Beispiel die LBS Nord aus Hannover auch noch unterkommen, spekulieren einige im Sparkassenlager – und warnen zugleich: „Da kämen zwei Kranke zusammen.“

Teure Fallen in der Baufinanzierung

Insgesamt halten vor allem die größeren Vertreter der Branche wenig von Fusionen. „Das würde uns auch nicht weiterbringen“, sagt der Vorstand einer großen Bausparkasse. Große Unternehmen hätten eben schon jetzt den Kostenvorteil. Auch der Branchenverband der Privaten rechnet nicht mit weiteren Fusionen. „Die Welle ist bei uns durch“, erklärt Vorstand Zehnder. Das BGH-Urteil ist nicht das einzige Damoklesschwert, das über der Bausparbranche schwebt. „Die Regulierer sind für die Unternehmen eine große Gefahr“, sagt Thomas Klimpke, Partner der Beratung zeb. Mit weiter verschärften Kapitalvorschriften könne das Geschäftsmodell der Kassen zerstört werden, meint der Berater. Noch kann davon zwar keine Rede sein, allerdings haben Aufseher bei Finanzaufsicht (BaFin) und Bundesbank mittlerweile einen merklichen Fokus auf die Bausparbranche gelegt. Die Bundesbank etwa will in ihrem Crashtest, in dessen Verlauf sie die Wirkung der Niedrigzinsen auf Bankbilanzen checkt, in diesem Jahr auch die Bausparkassen sehr kritisch unter die Lupe nehmen. Auch BaFin-Chef Felix Hufeld mahnte zuletzt mehrfach mehr Rentabilität an.

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    Das Ende der Zinssicherheit

    Die Aufseher raten, ähnlich wie bei den Versicherern, zu einem neuen Geschäftsmodell: Die Zinsen müssten flexibler werden, also stärker mit dem Markt steigen oder fallen. Feste Zinszusagen seien heute zu riskant. Die Branchengrößen Schwäbisch Hall und Wüstenrot haben bereits reagiert und bieten Tarife, deren Zinsen in einer bestimmten Bandbreite rangieren und bei Bedarf an das aktuelle Niveau angepasst werden können. Bernd Hertweck, Chef der Wüstenrot Bausparkasse, verkauft das neue Modell als Erfolg. „Jeder fünfte Abschluss ist bei uns ein flexibler Tarif“, sagt er. Trotzdem bieten längst nicht alle Kassen variable Tarife an – letztlich markieren diese das Ende des zinssicheren Bausparens. Der Spießertraum von einst wäre ausgeträumt, Immobilienfinanzierung rückt in die Nähe einer Zinswette.

    Dieter Pasch zückt seinen silbergeschuppten Kugelschreiber und tippt ein paar Zahlen in den Taschenrechner. Einen flexibleren Vertrag will er seinem Kunden Petermann auch nicht empfehlen, die Gebühren seien ja ähnlich drastisch wie bei den Bausparklassikern. Eine Ausnahme macht Pasch dann aber doch: Staatlich geförderte Riester-Bausparverträge könnten gut mit Immobiliendarlehen kombiniert werden. Der Beratungsaufwand sei da aber so hoch, dass viele Bankberater das ihren Kunden gar nicht empfehlen würden. Auf Staatshilfe via Riester brauchen die Bausparkassen also nicht zu hoffen.

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