WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Daily Punch – Forderungen zum Jahreswechsel 1 Kein Platz in der Herberge? Warum mehr Markt helfen würde

Quelle: dpa

Mit Eingriffen versuchen Politiker gegen steigende Mieten vorzugehen. Doch so verschärfen sie das Problem noch. Die Lösung wäre nicht weniger, sondern mehr Markt. Ein Kommentar.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Was muss sich 2022 unbedingt ändern? Die WiWo-Redaktion hat darüber nachgedacht und präsentiert Ihnen „zwischen den Jahren“ fünf Vorschläge. Heute: Vorschlag 1 aus unserem Finanz-Ressort.

Staatseingriffe führen am Immobilienmarkt zu Problemen. Das gilt seit 2000 Jahren. Schließlich hätten Maria und Josef kaum auf eine Krippe ausweichen müssen, wenn Kaiser Augustus keine Volkszählung angeordnet hätte. Jeder musste dafür in seine Heimatstadt reisen, sodass Josef mit seiner schwangeren Frau nach Betlehem kam. Auch viele andere waren für die Volkszählung dort. Die künstlich erhöhte Nachfrage nach Wohnraum führte zu Knappheit. Das war in Betlehem so und ist, 2000 Jahre später, in Deutschland nicht viel anders.

Viel daraus gelernt hat man aber offenbar nicht. Die neue Ampelregierung will zwar 400.000 neue Wohnungen pro Jahr bauen lassen, greift aber gleichzeitig massiv in den Immobilienmarkt ein.

Nur wenige Beispiele: In angespannten Märkten sollen Mieten in laufenden Verträgen nur noch maximal elf Prozent in drei Jahren steigen dürfen, bislang sind es 15 Prozent. Die Mietpreisbremse soll bis 2029 verlängert werden. Sie gibt bei der Neuvermietung von Bestandsimmobilien einen höchstens zehnprozentigen Aufschlag auf das ortsübliche Niveau vor, wenigstens aber das Niveau der Vormiete.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die in Mietspiegeln ausgewiesenen ortsüblichen Niveaus dürften zudem sinken, weil sie künftig Verträge der vergangenen sieben Jahre abbilden sollen. Die Bundesregierung hatte erst 2020 den Betrachtungszeitraum von vier auf sechs Jahre erweitert. Nach Jahren des Immobilienbooms gilt: Je länger der Blick zurückreicht, desto mehr Jahre mit noch niedrigeren Werten fließen ein. Vermieter dürfen dann entsprechend weniger Miete aufrufen.



    Für Mieter sind das gute Nachrichten. Und es stimmt ja auch, Wohnen ist selbst für Normalverdiener kostspielig geworden. Zentrale Lagen der Metropolen sind für viele mittlerweile unerschwinglich. Sie müssen Abstriche machen: Weiter rausziehen, weniger Zimmer, schlechterer Zustand. Und doch geht die präsentierte Lösung am Kern des Problems vorbei. Sie wird als Überbrückung dargestellt, die Symptome bekämpfen soll, solange Wohnraum knapp ist und Mieten deshalb nicht „angemessen“ sind.

    Die Ursache – also die Knappheit an Wohnraum – wird so jedoch verschärft: Vermieter denken derzeit über den Verkauf ihrer Mietshäuser oder einzelner Wohnungen nach, was der Staat mit einem Umwandlungsverbot erschweren will. Der Berliner Mietdeckel, mittlerweile gerichtlich gekippt, ließ das Angebot an Mietwohnungen in der Hauptstadt einbrechen. Sich in solch einem Umfeld für den Neubau von Wohnungen zu entscheiden, erfordert Mut. Fehlt der, muss aus der Überbrückung eine Dauerlösung werden, weil die Ursache des Problems eben nicht behoben wird. Die Regulierung setzt sich fort, wird von Jahr zu Jahr schärfer. Ein Teufelskreis.

    Stattdessen sollte der Staat Anreize für Investitionen setzen, über Wohngeld und mehr sozialen Wohnungsbau gegen die Verdrängung kämpfen. Dann muss auch keiner auf improvisierte Unterkünfte ausweichen.

    Das wäre doch mal eine wirklich schöne Bescherung!

    Dieser Beitrag entstammt dem neuen WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%