Deutsche Annington Umstrittener Wohnungs-Riese will Image aufpolieren

Die Deutsche Annington will weg vom Billig-Image. Dafür soll deutlich stärker in die Immobilien investiert werden - und ein neuer Name her.

Die Deutsche Annington will ihr Image polieren Quelle: dpa

Der größte deutsche Wohnungsvermieter Deutsche Annington will künftig deutlich mehr Geld in seine Immobilien stecken als noch vor einigen Jahren. Verschleppte Renovierungsarbeiten und schlechter Mieterservice sollen der Vergangenheit angehören, verspricht Konzernchef Rolf Buch. „Das war in Teilen so, das muss man deutlich sagen. Das war eine andere Zeit“, sagte er am Montag. Auch die Zahl der Handwerker, die direkt zum Konzern gehören, will Buch deutlich aufstocken. Weht ein neuer Wind bei der Deutschen Annington?

Vor gut zwei Jahren hatte Buch den Chefsessel bei dem Wohn-Konzern übernommen. Unter seiner Führung ist die Deutsche Annington mit dem damals größten Widersacher, der Gagfah, verschmolzen. Ab Herbst will sich das Unternehmen Vonovia nennen. Der Konzern konzentriert sich bei Zukäufen auf Portfolios, bei denen die Wohnungen überwiegend in Städten liegen. Aber: „Was wir nicht kaufen, sind diese klassischen heruntergekommenen Bestände (...), wo der Schimmel in den Gebäuden hängt und wo der Putz abbröckelt“, sagt Buch.

Zumindest die Worte aus der Konzernspitze seien seit Buchs Amtsantritt vielversprechender geworden, bescheinigt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes. „Die Kommunikation ist sehr viel besser. Herr Buch ist sehr bemüht, die Kundenorientierung in den Vordergrund zu stellen.“ Doch das müsse noch viel stärker sichtbar werden, fordert Ropertz. „Vor Ort erleben wir nach wie vor, dass es viele falsche Betriebskostenabrechnungen gibt, dass Wohnungen in schlechtem Zustand sind.“

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Fakt ist: Die Deutsche Annington hat zuletzt ihre Investitionen in die eigenen Immobilien deutlich gesteigert. 29 Euro pro Quadratmeter steckte das Unternehmen im vergangenen Jahr in Instandhaltung und Modernisierung (2013: 20 Euro) - wesentlich mehr als die Konkurrenz im Schnitt, wie eine Studie der Ratingagentur Scope zeigt. Im laufenden Jahr soll der Wert auf 31 Euro steigen. Vor Buchs Wechsel an die Spitze lagen die Quadratmeter-Investitionen um mehr als die Hälfte niedriger: 2009 bei rund 12 Euro pro Quadratmeter, wie aus dem damaligen Geschäftsbericht hervorgeht.

Modernisierungen und Mieterhöhungen

Etwa ein Drittel der Ausgaben flossen im ersten Quartal in die Instandhaltung, ein Drittel in die Modernisierung. „Modernisierung bedeutet natürlich meistens auch Mieterhöhung“, sagt Mieterbund-Geschäftsführer Ropertz. Wenn der Vermieter eine neue Heizung einbaut, die alten einfach verglasten Fenster gegen neu isolierte Scheiben austauscht oder in einen modernen Fahrstuhl investiert, kann der Vermieter 11 Prozent der Kosten dauerhaft auf die Miete aufschlagen, erklärt er. Für den Vermieter seien solche Umbauten dann also auch durchaus gewinnbringend.

Und um bei Bauarbeiten in den Häusern zu sparen, holt die Deutsche Annington immer mehr Handwerker unter ihr Dach. Derzeit arbeiten dem Unternehmen zufolge rund 2000 Heizungsmonteure, Maler und Elektriker im Konzern. Und mit der Übernahme der Gagfah sollen noch einmal mindestens 1000 dazukommen, kündigt Buch an. Gemessen an den 5700 Mitarbeitern im Gesamtkonzern würden die Handwerker dann fast die Hälfte der gesamten Belegschaft ausmachen - nach den Worten von Buch hat die Annington schon jetzt „die größte Handwerkerorganisation in Deutschland“.

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Und je mehr Wohnungen der Konzern noch kauft, desto besser kann sich diese Handwerker-Armada auszahlen. Eine so große Übernahme wie der Gagfah-Kauf steht nach den Worten von Buch aber erst einmal nicht wieder auf dem Programm. Das wäre auch schwierig, denn ein solches Gewicht wie die Gagfah mit ihren rund 144.000 Wohnungen bringen in Deutschland nicht mehr viele Konzerne auf die Waage. Nach dem Gagfah-Kauf ist die ebenfalls börsennotierte Deutsche Wohnen mit 155.000 Wohnungen die Nummer zwei vor der Deutschen Annington mit ihren knapp 350.000 Wohnungen.

Und trotzdem kann man zumindest mit Blick auf den Marktanteil selbst bei der Annington kaum von einem großen Player sprechen. Der Markt ist so zerklüftet, dass selbst der Wohnungs-Riese nach eigenen Angaben nur auf einen Anteil von 1,5 bis 2 Prozent am Gesamtmarkt kommt.

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