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Deutschland Wo sich Ferienimmobilien lohnen

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Ost statt West

Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben gegenüber Mecklenburg-Vorpommern an Boden verloren. An den Küsten im Westen boomen fast nur die Nobeldomizile in Kampen oder Norderney. In Mecklenburg-Vorpommern ziehen dagegen die Preise an, sowohl an der Küste als auch rund um die Mecklenburgische Seenplatte. Der Grund: Seit der Wende 1990 gehen den Küstengebieten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sukzessive die Käufer und Mieter aus dem Großraum Berlin verloren. Die sind dank der neuen Küstenautobahn A 20 schneller auf Rügen als am Timmendorfer Strand. „Kunden aus Berlin spielen für uns kaum noch eine Rolle“, sagt Makler Peter Loose aus dem schleswig-holsteinischen Pönitz.

Weil viele Ost-Domizile erst nach der Wiedervereinigung entstanden, sind sie gut in Schuss. „In den Küstenorten und auf den Inseln der alten Bundesländer strahlen viele Häuser und Wohnungen noch den Charme der Siebziger- und Achtziger jahre aus“, sagt Insa Janssen von Upstalsboom Urlaubsimmobilien in Emden. Vor allem die Eigentümer, die damals gekauft hätten, sparten bisher an der Renovierung. Wer solche Objekte kaufe, sollte zusätzlich investieren, um die Immobilie erfolgreich vermieten zu können. Dies müssten Anleger bei ihrer Kalkulation berücksichtigen.

Immerhin: Die Ferienregionen in den alten Bundesländern haben ihr Problem erkannt „Schleswig-Holstein wird aufholen, weil nun deutlich mehr in Infrastruktur und Ausstattung der Unterkünfte investiert wird“, sagt Tourismusforscher Professor Edgar Kreilkamp von der Uni Lüneburg.

Familien und Senioren

„Die Käufer von Ferienimmobilien sind im Schnitt jünger als noch vor 10 oder 15 Jahren“, sagt IVD-Vize Schick. In den Neunzigerjahren habe vor allem die Generation 50 plus zugegriffen, heute seien viele Käufer erst Ende 30. Die jüngere Zielgruppe strebe vor allem an die deutschen Küsten, weil Auslandsreisen mit kleinen Kindern zu stressig seien. Nach einer Studie der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen verbringen 46 Prozent der Familien mit Kindern ihren Haupturlaub in Deutschland, in der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil deutlich niedriger. Innerhalb Deutschlands ziehe es Familienurlauber vor allem an die Küsten. „Auf Sylt geht der Trend bei Selbstnutzern eindeutig zum familiengerechten Haus“, sagt Makler Carstens. Apartments seien derzeit schwerer zu verkaufen.

Ruheständler mögen Bayern und Baden-Württemberg. „Hier am Bodensee sind die Käufer meist älter als 50 und kaufen für sich selbst“, sagt der Überlinger Sachverständige Christian Gorber. Sie wollen Seeblick sowie Läden und Ärzte um die Ecke. In der Bodensee-Region empfiehlt Gorber Lindau, Konstanz und Überlingen. Dort gebe es intakte Ortskerne und schöne Altstädte. Top-Lagen kosten bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter. „Doch ab 300.000 Euro gibt es tolle Objekte“, sagt Gorber.

Wer eine begehrte Immobilie findet, dem geht es womöglich wie den Butzugs mit ihrem Ferienhaus in Schönberg-Brasilien. 2003 bauten sie ein zweites Haus: „Eigentlich wollten wir viel häufiger selbst dort Urlaub machen, doch dank der vielen Gäste klappte das zu selten“, sagt Corinna Butzug. Jedes Wochenende pendelte die Familie aus der Nähe von Hamburg an die Ostsee, um neue Gäste willkommen zu heißen oder kleinere Arbeiten zu erledigen. Jetzt wollen die Eheleute aus der Betreuung der Ferienimmobilien einen Vollzeitjob machen – und an die Ostsee übersiedeln.

Selten dürfte Deutschen die Auswanderung nach Brasilien so leicht gefallen sein.

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