WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Eigenheim in der Sonne Wo sich Ferienhäuser wieder lohnen

Seite 5/6

Italien: Hoffen auf Stabilität

Selbst Steinhäuser in der Toskana gibt es günstiger.

Viele trauen sich am Ende nie. Peter Hoenisch, 79, griff dagegen gleich zwei Mal zu. Schon vor 30 Jahren kaufte der frühere Kommunikationsberater mit seiner Frau ein Haus in Ligurien. Aus einer Laune heraus – weil es ihnen dort bei einem Besuch so gut gefallen hatte. „Eine verwohnte Butze war das“, erinnert sich Hoenisch. Dafür kostete sie damals auch nur 36 000 Euro. Nach einigen Investitionen verkauften sie das Haus gut 15 Jahre später deutlich aufgehübscht – für 155 000 Euro.

Welche Fallen das Ferienhaus birgt
Laue Luft, köstliche Paella und ein erlesener Rotwein, den die heimischen Gastgeber reichlich einschenkten - was für ein schöner Abend. Bei der Vorspeise sprach der Spanier vom Wetter und erzählte von seinem neuen Bauprojekt. Hochglanzbroschüren machten noch vor dem Hauptgericht die Runde. Von Meeresblick, großzügigen Terrassen war die Rede und vom Einzug im nächsten Sommer. Freilich, die Nachfrage sei groß und nur noch wenige Apartments seien zu haben. Aber Kurzentschlossenen könne er helfen. Beim Dessert lag der Vorvertrag auf dem Tisch: Eine kleine Anzahlung von 50 000 Euro sei doch kein Problem? Quelle: Engel & Völkers
Die deutschen Käufer unterschrieben eilig und überwiesen das Geld nach dem Urlaub pünktlich. Anschließend hörten sie lange nichts mehr aus Spanien. Kein Einzelfall, weiß Peter Schöllhorn von der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien: „Dann kommen die Leute zu uns, und fragen wie es weitergehen soll.“ Er stellt klar: „Privatschriftliche Vorverträge sind in Spanien und Frankreich gültig und bindend. Aber eine Anzahlung ohne Sicherheit kann die schlimmste Falle beim Kauf einer Ferienimmobilie sein.“ Bevor eine Anzahlung überwiesen wird, sollte der Käufer auf jeden Fall eine Bankbürgschaft vom Bauträger oder Verkäufer verlangen. Quelle: dpa
Falle LuftblasenPapier ist geduldig und ein schöner Prospekt ist schnell gedruckt. Im schlimmsten Fall existiert das Traumhaus aber nur auf dem Papier. An Ort und Stelle findet der Geprellte nichts als Wildnis. Erst ansehen dann anzahlen, das gilt auch für gebrauchte Objekte. Schon manches Traumhaus am Strand erwies sich als Bruchbude. Quelle: dpa
Falle SchwarzbautenIn Italien und Spanien wird viel schwarzgebaut. Statt eine Baugenehmigung einzuholen wird die gesamte Ferienanlage ohne Prüfung fertiggestellt und das Bußgeld im Kaufpreis einkalkuliert. Den Ärger hat später der Käufer. Nachträglich Genehmigungen einzuholen, verschlingt viel Zeit. Quelle: Reuters
Falle Baumängel„Wo die Baugenehmigung fehlt, wird auch oft die Statik eingespart“, warnt Anwalt Schöllhorn. Das nächste Erdbeben bringt solche Ferienträume in Gefahr. Wer sich vor Baumängeln schützen will, geht mit einen unabhängigen Bausachverständigen zum Ortstermin. „Deutsche Bauqualität ist im Süden nicht selbstverständlich“, bemerkt Schöllhorn. Quelle: dpa
Falle EigentümerWer das richtige Objekt gefunden hat, sollte klären, ob der Verkäufer überhaupt der Eigentümer ist. Auf eine Anfrage bei den ausländischen Eigentumsregistern sollte deshalb kein Käufer verzichten. Leider wird im sonnigen Süden oft nicht viel Wert auf die Eintragungen gelegt. In Griechenland gibt es außerdem immer noch kein flächendeckendes Grundbuch. Quelle: picture-alliance
Falle ErbengemeinschaftErben verkaufen im Ausland oft ohne die geerbten Immobilien vorher umschreiben zu lassen. Doch zerstrittene Erbengemeinschaften sind in Spanien, Frankreich oder Italien genauso häufig wie bei uns. Ohne die Unterschrift der Miterben ist der Kauf nicht möglich. Quelle: dpa

Vor gut zehn Jahren tat es ihm in Ligurien erneut eine „Bruchbude“ an, die nur 25 000 Euro kostete. Etwa 200 000 Euro steckten Hoenisch und seine Frau in den Ausbau des alten Steinhauses im kleinen Bergdorf Tavole. Heute verbringt das Berliner Ehepaar ein Drittel des Jahres hier. Hoenisch: „Direkt hinter dem Haus geht es auf 1000 Meter hoch. Und zum Meer sind’s auch nur 20 Minuten.“ Zum Flughafen von Nizza brauchen sie eine Stunde. So kommen auch Kinder und Enkel schnell ins Ferienhaus. Auch heute ließe sich für 50 000 Euro in Ligurien noch eine ausbaubare Ruine finden, sagt Hoenisch. Für 150 000 Euro sei ein ordentliches Haus drin.

Italien ist von Preisstürzen wie in Spanien verschont geblieben. Rare Top-Lagen, etwa in Venedig, sind mit bis zu 10 000 Euro je Quadratmeter teuer wie eh und je. In anderen beliebten Regionen, etwa an den norditalienischen Seen und auch in der Toskana, haben die Preise seit dem Hoch von 2007/08 zwar um 10 bis 30 Prozent nachgegeben. Doch die Nachfrage ist viel stärker eingebrochen. So hat sich die Anzahl der Hausverkäufe seit 2006 landesweit mehr als halbiert. „Die Banken geben keine Kredite mehr“, berichtet Angela Andretta, Maklerin bei Italresidence am Lago Maggiore. „Für uns Makler ist die Lage katastrophal.“ Preisstützend wirkt, dass – anders als in Spanien – vor allem Privatleute Immobilieneigentümer sind. Wer nicht muss, verkauft zu Niedrigpreisen nicht.

Auch Nils Dyken von Toscana Immobili, der seit 20 Jahren in der Toskana als Makler arbeitet, hatte „über Jahre weniger Anfragen von deutschen Interessenten“. Viele hätten angesichts von Euro-Krise und den ständigen Regierungswechseln Sorgen um die politische Stabilität gehabt. Langsam kehre das Vertrauen zurück. „Jetzt melden sich wieder mehr“, sagt Dyken, „und die wollen wirklich kaufen.“ Für Interessenten böten sich Chancen: Noch konzentriere sich die Nachfrage auf einfachere Wohnungen am Meer bis 200 000 Euro und auf höherpreisige Landgüter. „Im mittleren Segment zwischen 400 000 und 800 000 Euro gibt es noch wenig Interessenten.“

Dyken rät zu den Küstenlagen der südlichen Toskana, von Livorno bis Grosseto, „naturbelassen und unverbaut“. Ferienhäuser seien vor allem bei Florenz, Siena und Lucca interessant. Einige davon seien günstig: „Viele Italiener wollten vor Jahren vom Boom der Agriturismi profitieren, einer Art Ferien auf dem Bauernhof“, sagt Dyken. Oft seien die Urlauber dann aber ausgeblieben, Vermieter hätten sich übernommen. „Diese müssen nun verkaufen und können nicht mehr warten.“

Auch der deutsche Ferienwohnungsvermieter Don Scheunert spürt „seit einigen Monaten eine bescheidene Nachfrage“ und hofft auf Besserung. Vor zwölf Jahren haben er und seine Frau ihre Jobs als Möbeleinkäufer und Marketing-Projektleiterin aufgegeben, um in die Marken westlich der Toskana auszuwandern. Sie haben ein abgelegenes Steinhaus als Ruine gekauft, saniert und ausgebaut. Dank viel Eigenarbeit konnten sie die Investition für ihre „Casa Lucia“ mit drei Ferienwohnungen auf 310 000 Euro begrenzen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%