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Eigenheimförderung Baukindergeld ist vor allem auf dem Land beliebt

Vor allem auf dem Land gibt es viele Anträge auf Baukindergeld Quelle: imago images

So viele Zuschussanträge bekommt die Förderbank KfW für andere Programme nicht: Familien haben bislang 79.000 Anträge auf Baukindergeld gestellt. Was wir bis jetzt über die Antragsteller und das Vergabeverfahren wissen.

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Oft hatten Politiker, Bürger und Interessenvertreter gefordert, Familien den Erwerb des Eigenheimes leichter zu machen. Als das Baukindergeld im vergangenen September rückwirkend zum 1. Januar 2018 in Kraft trat, hagelte es dennoch viel Kritik: Zu teuer, es bekommen die Falschen, nur die Immobilienpreise würden dadurch weiter steigen.

Heute steht fest: Selten gab es auf ein Förderprogramm einen derartigen Ansturm. Bis zum 18. März 2019 gingen 79.000 Anträge auf Baukindergeld bei der KfW ein, insgesamt zählen die antragstellenden Familien 120.000 Kinder. Dabei haben die meisten Familien entweder ein oder zwei Kinder. Die Zahlen halten sich die Waage. Da es pro Kind 12.000 Euro über zehn Jahre verteilt gibt, müssten 1,44 Milliarden Euro ausgezahlt werden, wenn alle Anträge auch bewilligt werden. Die KfW hat jedenfalls rund 1,6 Milliarden Euro dafür reserviert, denn ausgezahlt hat sie bislang noch nichts. Erst ab Ende März können die Antragsteller die notwendigen Dokumente und Unterlagen im KfW-Portal hochladen.

Zum Jahresende und somit nach etwa drei Monaten Zeit für die Beantragung lagen der KfW schon 56.000 Anträge vor. Damit zeigt sich, dass zwar das Tempo, mit dem die Familien das Baukindergeld beantragen, in den vergangenen Monaten gesunken ist, die Nachfrage nach der neuen Form der Eigenheimförderung aber weiterhin sehr hoch bleibt.

Käufer von Bestandsgebäuden auf dem Land profitieren

Aus den bislang vorliegenden Anträgen lässt sich einiges über die Antragsteller ablesen. So profitiert etwa das Umland stärker vom neu eingeführten Baukindergeld. Nur 37,5 Prozent der Anträge, die noch 2018 gestellt wurden, entfielen auf die Städte, 62,5 Prozent hingegen auf den ländlichen Raum.

Das dürfte mit verschiedenen Faktoren zusammenhängen. Die 12.000 Euro, die Familien pro Kind als Zuschuss für den Eigenheimkauf beantragen können, kommen bei niedrigeren Kaufpreisen stärker zum Tragen, weil das Baukindergeld einen größeren Anteil an der Gesamtsumme ausmacht. „In den Innenstädten ist der positive Effekt des Baukindergeldes leider begrenzt. Hohe Preise belasten das Budget hier stark“, sagt dazu Jörg Koschate, Vorstandsmitglied der BHW Bausparkasse, die dieses Phänomen auch beobachtet hat. Zwar kann das Baukindergeld aufgrund der Auszahlung in jährlichen Tranchen nicht als Eigenkapital für die Baufinanzierung verwendet werden, knapp kalkulierende Haushalte aber zuverlässig bei der Tilgung der Hypothek entlasten.

Andererseits dürfte die Zielgruppe im ländlichen Bereich auch schlicht größer sein, da geeignete Kaufimmobilien für Familien in den Städten tendenziell knapper sind und Stadt-Haushalte mit Familiennachwuchs neuen Untersuchungen zufolge verstärkt aus den Städten rausziehen.

Michael Voigtländer vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft findet die Tatsache, dass das Baukindergeld eher im ländlichen Raum genutzt wird, sogar sinnvoll. „Problematisch wäre es, wenn jetzt auf dem Land wegen des Baukindergeldes viele Wohnneubauten entstünden, da in einem Teil der Landkreise nach unseren Erhebungen schon deutlich über den Bedarf hinaus gebaut wurde, was zu künftigen Leerständen führen kann. Dass sich bislang 85 Prozent der Anträge auf Bestandsgebäude beziehen, ist eher beruhigend“, sagt Voigtländer. Dennoch hält er das Baukindergeld für falsch investiertes Steuergeld. „Wenn wir ländliche Regionen nachhaltig stärken wollen, um die Wohnungsmärkte in den Städten zu entlasten, braucht es vor allem Milliarden-Investitionen in die Infrastruktur auf dem Land, etwa durch Bahnverbindungen, Breitbandausbau oder die Ansiedlung von Hochschulen.“

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