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Energetische Sanierung Wacklige Basis für die Dämmoffensive

Energiegeladen geht die Regierung in die Weihnachtspause. Unter den Tannenbaum legte sie den Bürgern neue Millionenanreize, um ihre Häuser zu dämmen - so soll der Energieverbrauch sinken. Ab 2013 können Anträge gestellt werden - doch es gibt einen Haken.

Ab 2013 können Anträge gestellt werden, um finanzielle Unterstützung zur energetischen Gebäudesanierung zu erhalten. Quelle: dpa

Die steigenden Stromkosten werden gerne benutzt, um die Energiewende in ein schlechtes Licht zu rücken. Unbeachtet bleibt oft, dass die Bürger den Löwenanteil der Energieausgaben nicht für die Förderung von Solar- und Windstrom bezahlen, sondern meistens für Gas und Öl. Jeder, der an diesen kalten Wintertagen in einem nur mäßig gedämmten Wohnzimmer sitzt, merkt das bei den Heizkosten. Das Kabinett will daher mit einem weiteren Förderprogramm energetische Gebäudesanierungen attraktiver machen - doch es steht auf wackligen Beinen.

Warum wird diesem Bereich so große Bedeutung beigemessen?

Weil das auf Dauer Heizkosten senken kann und die Energiewende für die Bürger mittelfristig günstiger macht. Das Potenzial ist enorm: Laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen entfielen 2011 hierzulande rund 31 Prozent des Endenergieverbrauchs auf Heizwärme, Warmwasser und Klimakälte. 65 Prozent der Fassaden gelten als schlecht gedämmt, 60 Prozent der Fenster als schlecht isoliert. Ein von der Regierung bestelltes Expertengremium betont, beim Energiesparen gerade in den 18 Millionen deutschen Gebäuden müsse dringend mehr passieren.

Was genau ist geplant?

Eigentlich war ein Steuerbonus mit Abschreibungsmöglichkeiten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bis 2016 geplant. Doch weil Bund und Länder sich nicht über die Verteilung der Ausfälle einigen konnten, will der Bund nun mit einem eigenen Zuschussprogramm vorpreschen. Denn vom selbst erklärten Ziel, die energetische Sanierungsrate von ein auf zwei Prozent jährlich zu verdoppeln, ist Deutschland derzeit weit entfernt.

Die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betont, das zudem jeder Förder-Euro bis zu 12 Euro an Investitionen auslöse und besonders das Handwerk Nutznießer sei. Durch die seit 2006 erfolgten Sanierungen würden inzwischen jährlich rund sechs Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Wie viel Geld will Merkel in die Hand nehmen?

Der Bund will über acht Jahre ein Zuschussprogramm in Höhe von jährlich 300 Millionen Euro auflegen. Insgesamt sollen 2,4 Milliarden Euro fließen. Anträge können wahrscheinlich schon ab Anfang 2013 über die bundeseigene KfW-Bank gestellt werden. Unabhängig davon gibt es bereits ein Programm der KfW mit zinsgünstigen Darlehen - das jährliche Volumen beträgt 1,5 Milliarden Euro, so dass die Fördermittel für 2013 nun auf insgesamt 1,8 Milliarden Euro anwachsen werden. Wichtig ist eine Beratung, welches Programm am besten für die jeweilige Maßnahme passt.

Was genau wird gefördert?

So wollen die Deutschen wohnen
Grün macht glücklich: Laut einer Studie britischer Forscher von der University of Exeter sind Menschen, die einen eigenen Garten haben oder zumindest in einem Stadtteil mit vielen Grünflächen leben, zufriedener als Mieter aus Betonwüsten. Dafür haben die Forscher 600 Menschen befragen, die von einem weniger grünen Stadtteil in ein grüneres Viertel zogen, sowie 470 Menschen, die von einem grünen in einen zugebauten Stadtteil gezogen sind. Das Resultat: Wer in eine Gegend mit vielen Parks gezogen ist, war zufriedener, wer in die Betonwüste zog, wurde dagegen unzufriedener. Was den Deutschen innerhalb der eigenen vier Wände wichtig ist, zeigen die folgenden Bilder. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Licht und Luft: Das Immobilienportal Immonet hat seine Nutzer gefragt, was in ihrer neuen Wohnung unbedingt vorhanden sein soll. 2911 Wohnungssuchende haben darüber abgestimmt. Quelle: dpa
Schimmel, schwarze Fugen und klamme Handtücher im Bad - davon können offensichtlich viele Mieter ein Lied singen. Feucht-warmes Klima ist nicht nur ein idealer Nährboden für Schimmelpilze, auch Schädlinge wie Silberfische fühlen sich in dieser Umgebung wohl. 46 Prozent der Immonet-Nutzer wünschen sich in ihrer neuen Wohnung daher ein Bad mit Fenster. Nur so kann die Nasszelle optimal belüftet werden. Quelle: AP
Selbst zu kochen ist zwar etwas aufwendiger, dafür aber wesentlich günstiger, als jeden Tag den Pizza-Service anzurufen. Auf eine Einbauküche legen daher 40 Prozent der Befragten wert. Für Mieter, die nicht allzu lange in der Wohnung bleiben möchten, ist die Neuanschaffung aufwendig und teuer. Und bei einem Umzug lässt sich die Küche nicht nur schlecht transportieren, sie passt auch meist nicht in die neue Wohnung. Quelle: dpa
Wie der Boden aussieht, spielt für viele Wohnungssuchende eher eine untergeordnete Rolle. Nur acht Prozent der Befragten gaben an, dass in ihrer Wohnung unbedingt Parkett-Boden verlegt sein muss. Die übrigen Nutzer legen darauf wenig Wert und finden sich mit Fliesen, Laminat oder Teppich ab. Denn Parkett-Boden sieht zwar schön aus, aber der edle Holzboden ist auch empfindlich. Scharfe Reinigungsmittel, Stilettos oder die Krallen von Hundepfoten verträgt er nicht. Quelle: Presse
Viel Platz über ihrem Kopf wünschen sich sechs Prozent der Befragten. Für sie sind hohe Decken das wichtigste Kriterium. Diese sind zwar schick und Altbauwohnungen liegen voll im Trend, aber hohe Räume sind auch Energiefresser. Sie im Winter warm zu halten, kann richtig ins Geld gehen. Quelle: AP
Fazit: Die Immonet-Nutzer legen vor allem auf praktische Dinge Wert, wie das Fenster im Bad. Exklusive Ausstattung wie Parkett-Boden oder hohe Decken sind hingegen weniger gefragt. Das könnte mit den stetig steigenden Mieten zusammenhängen: Je höher die Preise desto geringer werden die Ansprüche. Quelle: Presse

Einzelmaßnahmen wie der Austausch von Heizungen und Fenstern oder eine Dämmung der Gebäudehülle sollen mit zehn Prozent der Investitionssumme bezuschusst werden. Maximal sollen 5000 statt bisher 3750 Euro als Zuschuss fließen. Wird ein Gebäude im Zuge einer umfassenden Sanierung auf den Standard „Effizienzhaus 55“ (weniger als 40 Kilowattstunden jährlicher Energieverbrauch je Quadratmeter) gebracht, können 18 750 Euro aus dem neuen Programm fließen.

Womit müssen Mieter rechnen?

Erst vergangene Woche hatte der Bundestag den Weg frei gemacht, damit Vermieter mehr als bisher energetisch sanieren. Bei solchen Maßnahmen dürfen Mieter - sofern die Länder zustimmen - ab März oder April 2013 auch bei Lärm und Dreck drei Monate lang die Miete nicht mehr mindern. Mieter sollten genau schauen, was von den Sanierungskosten auf die Miete aufgeschlagen wird.

Maximal elf Prozent der Kosten dürfen auf die Jahresmiete umgelegt werden. Zugleich könnten Mieter durch geringere Nebenkosten von mehr Dämmung profitieren. Denn für eine 70-Quadratmeter-Wohnung, die mit Öl beheizt wird, betragen die Kosten laut Mieterbund 2012 bereits 980 Euro - 90 Euro mehr als 2011.

Ist die Finanzierung des neuen Programms dauerhaft gesichert?

Das ist der große Haken. Die meisten Mittel kommen aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung. Dieser speist sich vor allem aus den Einnahmen des EU-Handels mit den CO2-Verschmutzungsrechten. Die Preise für Zertifikate sind aber eingebrochen.

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) wollen durch das Zurückhalten von 900 Millionen CO2-Zertifikaten den Preis wieder erhöhen, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist dagegen. Gelingt keine Einigung, könnten die Mittel wieder schmelzen.

In Arbeit
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Für Handwerkspräsident Otto Kentzler ist das Ganze nur ein Strohfeuer. Für Ein- und Zweifamilienhäuser gewähre die KfW bisher einen Zuschuss in Höhe von 7,5 Prozent der Investitionssumme. „Dieser eher geringe Anreiz muss dauerhaft auf 15 Prozent angehoben werden“, fordert er.

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