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Energieausweis Mehr Kosten für einen zweifelhaften Mehrwert

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Begrenzte Aussagekraft des Energieausweises

Dass der Energieausweis auch ein Jahr nach der Einführung einer Vorlagepflicht noch nicht selbstverständlich zur Vermietung einer Wohnung gehört oder dem Exposé zum Hausverkauf beiliegt, kommt nicht überraschend. Denn trotz besserer Verständlichkeit und der Beseitigung einiger Ungereimtheiten ist die Aussagekraft des Energieausweises begrenzt, sein Nutzen also fraglich.

Dem stehen Zeit und Geld gegenüber, die Immobilieneigentümer aufbringen müssen, um den Energiepass zu erhalten. Die Preise dafür liegen je nach Ausführung zwischen 40 und 800 Euro - und mit den Preisen variiert auch der Nutzen.

Alte Heizkessel raus und dickere Wärmedämmung
Dickere Dämmung, bessere HeiztechnikFür Neubauten gilt mit der nächsten Stufe der EnEV, die ab dem 1. Januar 2016 greift, eine erneute Erhöhung der energetischen Anforderungen. So muss der Primärenergiebedarf der Anlagentechnik in Neubauten gegenüber den Grenzwerten der EnEV 2015 nochmals um 25 Prozent sinken, die Wärmeverluste der Gebäudehülle sind nochmals um rund 20 Prozent zu senken. Grundsätzlich ist dabei egal, durch welche Materialien und Technologien die Einsparung erzielt wird. Konkret müssen Bauteile mit einem niedrigeren Wärmeleitkoeffizienten verbaut werden, die Heizungstechnik benötigt in der Regel die Unterstützung durch regenerative Energiequellen, etwa durch eine Solaranlage zur Warmwassererzeugung. Bestandgebäude sind von den strengeren Vorschriften ausgenommen. Quelle: dpa
Ein Mann bringt Dämmplatten an Quelle: dpa
Haus und Mann vor Heizkessel Quelle: dpa Picture-Alliance
Symbolbild zu Immobilienanzeigen Quelle: obs
Jemand stellt die Temperatur an einer Heizung ein Quelle: dpa
Wasserzähler Quelle: dpa
Eine Frau vor einem Kaminofen Quelle: dpa Picture-Alliance

Daran änderte sich auch wenig, als 2013 auf Initiative des ins Leben gerufenen „Bündnis Energieausweis“, dem unter anderem der Deutsche Mieterbund, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der TÜV Hessen und die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz angehören, der Energieausweis verständlicher gestaltet und per Gesetz zur Pflicht für Immobilienanbieter gemacht wurde.

Seit einem Jahr bietet der Energieausweis für Wohnobjekte nun die Effizienzklassen auf einer rot zu grün reichenden Skala, wie sie von Haushaltsgeräten bekannt sind. Die Klassen reichen von H bis A+, wobei H für mehr als 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr steht, A+ für weniger als ein Zehntel dieses Wertes.

Musterrechnung: Hier lohnt sich die Sanierung nicht

Dennoch bleiben Energieausweise etwas für Kenner. Zum einen wird der Energiebedarf beziehungsweise -verbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche in Kilowattstunden pro Jahr angeben. Dieser abstrakte Wert ist also mit der Zahl der Quadratmeter und dem Preis für eine Kilowattstunde Energie – je nachdem Öl, Gas, Strom in unterschiedlichen Anteilen – zu multiplizieren, um die jährlichen Kosten zu errechnen.

Lediglich ein nettes Extra

Zum anderen muss zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis unterschieden werden.

Der Verbrauchsausweis gibt lediglich Auskunft über den Energieverbrauch der vorherigen Bewohner, ist dafür aber unter Umständen näher an der Realität. Allerdings sollten Mieter und Käufer, denen ein Verbrauchsausweis präsentiert wird, im Hinterkopf behalten, dass die beiden vergangenen Winter besonders mild ausgefallen sind und dementsprechend weniger Heizenergie benötigt wurde. Der Ausweis basiert nämlich auf den Nebenkostenabrechnungen der vergangenen drei Jahre und ist folglich stark vom Nutzungsverhalten der Bewohner in dieser Zeit abhängig.

Der Bedarfsausweis gibt hingegen lediglich einen theoretisch errechneten Verbrauch an. Witterungsverhältnisse werden für dessen Berechnung standardisiert, das Nutzungsverhalten harmonisiert und die Dämmwerte beziehungsweise Wärmeverluste über Außenwänden, Keller, Fenster, Türen und Dach nach einer Besichtigung vor Ort mit Computerhilfe errechnet.

Dass der Verbrauch dann tatsächlich so ausfällt, wie der Bedarfsausweis nahelegt, ist eher unwahrscheinlich. Vorteil: Die Bedarfsausweise verschiedener Immobilien sind generell miteinander vergleichbar. Verbrauchsausweise sind dafür zu sehr vom Einzelfall abhängig.

Immobilien



Für viele Mieter ist es daher einfacher, sich auf die vom Vermieter geschätzten Nebenkosten und die angesetzte Vorauszahlung dafür zu verlassen, zumal sie gleich in Euro kalkuliert werden. Hauskäufer können sich bei Neubauten zumindest auf die Angaben des Bauträgers stützen.

Aber noch etwas ist für das geringe Interesse am Energieausweis ausschlaggebend: Nur wenige Mieter oder Hauskäufer suchen ein Wohnobjekt vorrangig nach dessen Energieeffizienz aus. Lage, Größe, Zuschnitt, Infrastruktur und Miet- beziehungsweise Kaufkosten dürften maßgebliche Kriterien bleiben. Hinzu kommt, dass auf Wohnungsmärkten mit knappem Wohnungsangebot die Mieter am kürzeren Hebel sitzen und eher auf ihr Recht auf Informationen zur Energieeffizienz verzichten.

Energieeinsparung bleibt bei der Wohnungssuche in den begehrten Großstädten lediglich ein nettes Extra.

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