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Erschwinglicher Wohnraum Hier müssen Pendler am weitesten fahren

Viele Deutsche pendeln zur Arbeit, doch weite Wege will kaum jemand auf sich nehmen

Die Immobilienpreise vertreiben immer mehr Menschen aus den Großstädten. Doch auch die Speckgürtel werden teurer. Wo Pendler für erschwinglichen Wohnraum am weitesten fahren müssen.

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Deutschlands Familien verlassen die Großstädte. Die klassische Wohnbiografie folgt dabei meist demselben Schema: Für das Studium oder den ersten Job ziehen die Menschen in die Großstadt. Dort lernen sie einen Partner kennen, mit dem sie eine Familie gründen. Nach dem ersten oder spätestens zweiten Kind zieht die junge Familie dann ins Umland, weil die Kinder einen Garten und mehr Platz haben sollen, aber vor allem, weil es dort günstiger ist.

So zumindest der Plan. Die Realität sieht immer öfter anders aus. So fallen nicht mehr in München die höchsten Kaufpreise an, sondern neuerdings im Landkreis München, also in ebenjenem begehrten Speckgürtel. Das zeigt eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IW) Köln im Auftrag der Sparda-Banken. So kostet ein Quadratmeter Wohnfläche in einem Einfamilienhaus im Landkreis München inzwischen knapp 7600 Euro.

Um zu sehen, wo Pendeln sich noch lohnt, haben die Autoren der Studie eine weitere interessante Berechnung angestellt. So definierten sie zunächst, was „erschwinglicher Wohnraum“ ist. Grundlage sind die Durchschnittswerte von Immobilienkäufen aus dem Jahr 2018.

Das Ergebnis: Die durchschnittliche und damit erschwingliche Immobilie kostete 264.000 Euro. Dafür gab es im bundesweiten Schnitt 111 Quadratmeter. Im Speckgürtel der Metropolen waren es im Schnitt 90 Quadratmeter. Den Speckgürtel definierten die Forscher dabei mit einem Radius von 30 Kilometern, da das die maximale Distanz ist, die vier von fünf Befragten bereit sind zu pendeln.

Die alles entscheidende Frage ist nun: Wie weit müssen Pendler fahren, um vom Stadtzentrum bis zu einer erschwinglichen, 90 Quadratmeter großen Wohnung zu kommen? Den kürzesten Weg aller Großstädter haben demnach die Berliner. Sie müssen im Schnitt 15 Kilometer weit pendeln, um für 264.000 Euro mindestens 90 Quadratmeter zu bekommen. Für Frankfurter Pendler sind es bereits 17 Kilometer, für Hamburger Pendler 18 Kilometer.

Münchner hingegen sind aufgeschmissen: Im Umfeld der Stadt gibt es weit und breit keinen Landkreis, der moderate Preise bieten würde. Die nächsten erschwinglichen Immobilien gibt es in Landshut oder Mühldorf, also in mehr als 70 Kilometern Entfernung.

Auch in Stuttgart liegen die Kaufpreise in allen an die Stadt angrenzenden Kreise zu hoch. Erst in „zweiter Reihe“ wie Calw oder Göppingen gibt es für 264.000 Euro 90 Quadratmeter und mehr. In Schwäbisch-Hall sind es im Schnitt sogar 150 Quadratmeter – dafür beträgt die Distanz nach Stuttgart wieder etwa 70 Kilometer.

Sowohl Kölner als auch Düsseldorfer werden zwar in ihren jeweiligen Städten nicht fündig, können dafür aber im Umland günstigeren Wohnraum finden. Von Köln aus bieten sich etwa der Rhein-Erft-Kreis oder Leverkusen an mit jeweils 114 Quadratmetern Vergleichsgröße. Wer Glück hat, kommt hier mit weniger als 20 Kilometern Pendelweg hin.

Das Düsseldorfer Umfeld ist im Schnitt etwas teurer, dafür gibt es im Norden der Stadt ein echtes Schnäppchen: Duisburg lockt mit im Schnitt 180 Quadratmetern für 264.000 Euro. Aus dem Duisburger Süden umfasst die Pendelei dabei ebenfalls nicht mehr als 20 Kilometer. Auch der Rest des Ruhrgebiets bietet flächendeckend erschwingliche Immobilien.

Am günstigsten sind Häuser und Eigentumswohnungen nach wie vor in Ostdeutschland, selbst in und um Großstädte – Berlin einmal ausgenommen. So gibt es selbst in Dresden für 264.000 Euro im Schnitt 124 Quadratmeter. Wer in die angrenzenden Landkreise zieht, bekommt sogar überall 200 Quadratmeter oder mehr für dieselbe Summe. Auch hier müssten Pendler jedoch mit gut 60 Kilometer wieder eine ordentliche Strecke auf sich nehmen.

Die günstigen Kleinfamilien-Biotope direkt am Stadtrand gibt es also kaum noch. Wer ein wenig weiter fährt, kann hingegen fast überall noch gute Immobilienpreise finden. Dazu sind jedoch nur die wenigsten bereit, wie die IW-Studie zeigt: Demnach können sich gerade einmal drei Prozent vorstellen, weiter als 50 Kilometer zu pendeln.

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