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Gbureks Geld-Geklimper

Gefährliche Immobilienblasen

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Vergleiche mit Überraschungseffekt

Geht man ins Detail, ist schnell festzustellen, dass Differenzierung nottut. Beispiel deutsche Wohnimmobilien: Die Leute zieht es in die Städte, folglich steigen dort die Preise, aber längst nicht überall, sondern vorzugsweise in den Metropolen und Universitätsstädten. Da die Kurse der Aktien von Wohnungsunternehmen wie Deutsche Wohnen, Gagfah, zuletzt auch Deutsche Annington und LEG unaufhaltsam steigen, ist anzunehmen, dass die Mietpreisbremse zumindest in diesem Sektor keinen bleibenden Schaden anrichtet. Wohl dagegen dort, wo potenzielle Vermieter für ganze Häuserblöcke in wenig attraktiven Lagen Preise zahlen, die der 30-fachen Kaltmiete entsprechen. Deutsche Aktien sind trotz ihres Kursanstiegs im Durchschnitt längst noch nicht beim 30-fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis angekommen.

Seltsamerweise stellen die wenigsten Anleger Vergleiche wie diesen an. Sollten sie aber; Profis tun es allemal. Das regt auch zum weiteren Nachdenken an. Zum Beispiel darüber, dass Mieter oft Ärger bereiten oder dass Immobilien sich im Gegensatz zu Aktien nicht mal eben verkaufen lassen. Oder darüber, dass langlaufende Anleihen mit Renditen von 2 Prozent – was für Anleihen bei geringem Ausfallrisiko schon ziemlich hoch gegriffen ist – eine dem Mietmultiplikator und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis entsprechende Kennzahl von 50 ausweisen. Wenn das keine Blase ist! Eine Anleihenblase, auch mit Bezug zu Immobilien: Falls die Rendite unseres Langläufers auf 4 Prozent steigt, dürften die meisten jetzt gekauften Wohnblöcke sich im Vergleich dazu nicht mehr rechnen.

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Im Zweifel keine Immobilien

Solche Überlegungen sind zurzeit wieder einmal besonders angebracht. Die IWF-Studie hat dazu einen Anstoß gegeben, nachdenken und recherchieren muss man selbst. Wenn Ihnen heute ein Mietshaus oder eine Wohnung zum Vermieten angeboten wird, sollten Sie die relevanten Daten durchgehen, wie ich sie kurz skizziert haben, also zum Beispiel den Mietmultiplikator mit den Kennzahlen relevanter Wertpapiere vergleichen. Ob Mieter, die schon in dem Mietobjekt wohnen oder die Sie aussuchen, Ärger bereiten – Mietminderung, Verwahrlosung u.a. -, kommt leider erst im Nachhinein heraus. Und was die Mietpreisbremse angeht: Sie wird dafür sorgen, dass die Preise für Wohnimmobilien nicht in den Himmel wachsen.

Fazit: Falls Sie mit Immobilieneigentum liebäugeln, dann im Zweifel bitte nur für den Eigenbedarf. Bedenken Sie, dass Sie beispielsweise bei einem gesamten Vermögen von 1 Million Euro schon mit dem Kauf eines Hauses oder einer Wohnung für die Hälfte ein Klumpenrisiko eingehen. Und wenn Sie Karriere machen wollen, was zwangsläufig mit einigen Umzügen verbunden ist, vergessen Sie den Immobilienkauf am besten erst einmal ganz.

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