Gbureks Geld-Geklimper

Wie Mieten die Inflation nach oben treiben

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Sind in erster Linie böse Vermieter schuld an hohen Mieten? Von wegen! Wie die Zustände in Berlin offenbaren, gehören vor allem die Ideologen in den Amtsstuben an den Pranger.

Papierzettel mit Wohnungsgesuchen hängen an einem Laternenmast in München Quelle: dpa

Manchmal braucht man nur ein paar Fakten zu kombinieren, und schon ergeben sich interessante Perspektiven. Ein aktuelles Beispiel: Im März ist der deutsche Verbraucherpreisindex auf Jahresbasis, also seit März 2014, um 0,3 Prozent gestiegen, auf Monatsbasis seit Februar 2015 sogar um 0,5 Prozent.

Die größten Ausreißer nach oben sind im Jahresvergleich die um 2,6 Prozent höheren Ausgaben für Hotels und Gaststätten, allerdings mit einer Indexgewichtung von nur knapp 4,47 Prozent, sowie die um 2,3 Prozent höheren Ausgaben für Alkohol und Tabak mit noch weniger Anteil am Index: 3,76 Prozent. Viel schwerer wiegen da die um 1,3 Prozent höheren Nettokaltmieten, weil sie im Verbraucherpreisindex mit 21 Prozent gewichtet sind.

Die Mieten-Pläne der Bundesregierung

Zu diesen Zahlen passt, was die Entwicklung des Immobilienindex IMX von ImmobilienScout24 offenbart: Die Angebotsmieten sind während des ersten Quartals 2015 in Frankfurt um 0,9 Prozent gestiegen, in München um ein Prozent und in Berlin um 1,5 Prozent. Bei den Kaufpreisen für Eigentumswohnungen fällt München mit plus 1,7 Prozent im Vergleich zu Frankfurt (plus 3,2 Prozent) und erst recht zu Berlin (plus 3,6 Prozent) etwas zurück.

In Berlin sitzen Ideologen am längeren Hebel

Es gehörte jahrelang zu den üblichen Floskeln, die stark nach oben geschnellten Berliner Mieten und Wohnungspreise seien auf den großen Nachholbedarf der Hauptstadt im Vergleich zu den anderen deutschen Metropolen zurückzuführen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Welche Schönheitsreparaturen Mieter übernehmen müssen - und welche nicht

Denn zum einen fehlt es in Berlin nicht gerade an Flächen für die Bebauung, zum anderen tickt der öffentliche Dienst in Berlin ganz anderes als etwa in München und Frankfurt. Man kann es auch so sehen: Der Mist, den Berliner Politiker und ihre Gehilfen in den Amtsstuben mit dem neuen Flughafen verzapft haben, setzt sich beim Planen und Projektieren neuer Gebäude hundertfach fort.
Dazu gebe ich hier den Auszug aus einer aktuellen Veröffentlichung von Rainer Zitelmann wieder, einem intimen Kenner des Berliner Immobilienmarktes: „Die Projektentwickler sind die einzigen kompetenten Problemlöser für den Wohnungsmangel. Ihnen müsste eigentlich der rote Teppich ausgerollt werden. Stattdessen nervt man sie mit roter oder grüner Verweigerungsideologie. Wenn ich mit Projektentwicklern spreche, höre ich immer wieder die gleichen Geschichten: von Bezirkspolitikern und Ämtern, die ihnen das Leben sehr schwer machen, die ihnen mit einem grundsätzlichen Misstrauen und manchmal sogar mit Feindseligkeit gegenübertreten, die jedoch eindeutig am längeren Hebel sitzen, weshalb es keiner wagt, die Sache öffentlich zu machen.“

Baugenehmigungen werden fast überall verzögert

Da wundere man sich noch über die davongaloppierenden Berliner Wohnungspreise, denen die Mieten zwar langsamer, aber stetig folgen. Aus Protest dagegen werden von linken Gruppen ganze Straßenzüge besetzt. Und wenn es im Fernsehen um den Wohnungsmarkt der Hauptstadt geht, sind nicht etwa die Verweigerer in den Amtsstuben das zentrale Kritikthema, sondern die jedes Mal arg kritisierten Bauträger, die heruntergekommene Miet- in schicke Eigentumswohnungen umwandeln.

Aufregung über die Mietpreisbremse? Im Fernsehen weitgehend Fehlanzeige. Dabei ist bereits jetzt absehbar, dass die Kombination von verzögerten oder verweigerten Baugenehmigungen und gedeckelten Mieten in den nächsten Jahren zwangsläufig zu weniger Wohnungsangebot führen wird. Fehlt nur noch, dass es zur Zuteilung von Wohnungen wie einst in der DDR kommt.

Was Mieter und Vermieter noch dürfen

Das Hinschleppen von Baugenehmigungen ist zwar in Berlin ein besonders großes Problem, aber es findet weniger drastisch auch anderswo statt. Da brauchen nur Projektentwickler und Denkmalschützer die Klingen zu kreuzen, schon verzögert sich der Bau.

Ich habe das mehrfach in Frankfurt erlebt, nicht zuletzt bei der Europäischen Zentralbank, die ganz überwiegend aus einem Neubau besteht, aber zu einem kleineren Teil aus der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Großmarkthalle. Der kleine Teil hat wesentlich dazu beigetragen, dass der ganze Komplex erst mit erheblicher Verspätung fertig und richtig teuer wurde. Nun sieht er aus wie eine Kreuzung aus 20er-Jahre-Nostalgie und Postmoderne.

Die Inflationsrate wird stärker steigen

Richtig teuer werden auch Wohnungen. Wie erwähnt, unter anderem wegen der negativen Folgen der Mietpreisbremse. Doch es gibt noch weitere Trends, die das Wohnen verteuern werden. Da ist etwa die staatlich geförderte Dämmwut der Deutschen.

Wo wir all die Flüchtlinge unterbringen sollen, die in unser Land strömen, steht in den Sternen. Und wenn es am Thema vorbei heißt, der Zuzug der Bevölkerung vom Land in die Städte sei zum Beispiel zu stoppen, indem man Ärzte zum Praktizieren in der Pampa zwingt, wird es völlig skurril.

Denn die Landflucht kann nicht mehr gestoppt werden, weil sie eine logische Folge der zunehmenden Überalterung ist. Wer fern auf dem Land ohne ausreichende Versorgung dahin zu vegetieren droht, macht sich halt rechtzeitig auf den Weg in die nächste Stadt.

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Das wird sich auf Wohnungspreise und -mieten in einem heute noch unvorstellbaren Ausmaß auswirken – und dementsprechend auf den Verbraucherpreisindex mit seiner 21-prozentigen Nettokaltmieten-Gewichtung. In den nächsten Jahren werden wir von einer Inflationsrate, die uns der Monat März mit 0,3 Prozent beschieden hat, nur noch träumen können.

Und was wird aus der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von etwas unter zwei Prozent? Sie dürfte schneller erreicht werden, als uns allen lieb sein kann, und dann nicht mehr zu halten sein – zumal sie sich auf den ganzen Euroraum bezieht, wo höhere Inflationsraten immer schon wie ein Naturgesetz hingenommen wurden.

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