WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Hier wird der Hauskauf teuer Grunderwerbsteuer steigt 2015 weiter an

Wer im neuen Jahr von einem eigenen Häuschen träumt, muss sich in einigen Bundesländern auf steigende Kosten gefasst machen: Die Grunderwerbsteuer soll im Saarland und NRW weiter nach oben klettern.

In diesen Regionen zahlen Immobilienbesitzer ihr Häuschen am schnellsten ab
27 Jahre, so lange dauert es, bis ein Durchschnittsverdiener in Deutschland sein Eigenheim abbezahlt hat. Der Tilgungssatz liegt dabei im Schnitt bei 2,89 Prozent. Für die Postbank-Studie, aus der die Bild zitiert, wurden die Kaufpreise in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland ins Verhältnis zum jeweiligen Einkommensniveau gesetzt. Voraussetzung ist, dass für die Tilgung wie maximal 40 Prozent des Haushalt-Nettoeinkommensaufgewendet werden, 20 Prozent Eigenkapitalanteil vorhanden waren. Sonderzahlungen wurden nicht berücksichtigt. Quelle: dpa
In weniger als der Hälfte (43 Prozent) der Kreise und kreisfreien Städte zahlen Eigenheimbesitzer die Immobilie wie empfohlen in 30 Jahren ab. In besonders teuren Immobilienstädten wie München oder Köln zahlen Durchschnittsverdiener mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.700 und 2.600 Euro dagegen auch einmal mehr als 40 lang, bis 110 Quadratmeter Wohneigentum ihnen gehören. Im westlich von Köln gelegenen Rhein-Erft-Kreis haben sie das notwendige Darlehen für eine 110-Quadratmeter-Wohnung dagegen nach 29 Jahren beglichen. Quelle: dpa
Auch im Nordosten der Republik ist eine 110 Quadratmeter-Immobilie für Durchschnittsverdiener trotz moderater Immobilienpreise kaum erschwinglich: Wegen des geringen Einkommens in der Region zahlen Immobilienbesitzer in Berlin, Potsdam, Rostock & Co. deutlich länger als 40 Jahre ihren Kredit ab. Wer in Berlin arbeitet, findet allerdings im brandenburgischen Kreis Barnim nördlich der Hauptstadt Wohnungen mit 110 Quadratmetern, die in der Regel nach 25 Jahren abbezahlt sind. Quelle: dpa
Wer keine Angst hat, zu pendeln, findet jedoch im Umland der großen Metropolen finanzierbare Immobilien. Selbst in teuren Gegenden rund um Frankfurt am Main gibt es Schnäppchen. Allerdings sind hier die Einkommen im Bundesvergleich auch so hoch, dass sich auch Durchschnittsverdiener eine 110-Quadratmeter-Wohnung leisten können. Quelle: dpa
Auch in den unmittelbar an Hamburg angrenzenden Kreisen Stormarn und Segeberg sowie dem Herzogtum Lauenburg dauert die Tilgung eines Kredits im Schnitt 34 Jahre. Quelle: dpa
In Pirmasens (im Bild), dem Landkreis Altenkirchen (Westerwald) und dem Landkreis Wesermarsch dauert die Tilgung eines Kredites für eine 110-Quadratmeter-Immobilie für den Durchschnittsverdiener rund zwölf Jahre. Quelle: dpa
Im Saale-Orla-Kreis, dem Landkreis Nienburg (Weser), Landkreis Holzminden, dem Unstrut-Hainich-Kreis und dem Vogtlandkreis dauert das Abbezahlen der eigenen vier Wände dagegen elf Jahre. Quelle: dpa

Der Traum von den eigenen vier Wänden wird schon wieder teurer. Seit im Jahr 2006 die Grunderwerbsteuer reformiert wurde, wurden die Sätze massiv erhöht. Bei dieser Entwicklung zogen nahezu alle Bundesländer mit. Im Durchschnitt ist der Steuersatz von 3,5 auf 5,2 Prozent gestiegen.

Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass Deutschland damit mittlerweile am oberen Ende der Skala im Vergleich mit den europäischen Nachbarländern liegt: Innerhalb von nur acht Jahren hat sich die Steuerlast um nahezu 50 Prozent erhöht - in manchen Bundesländern hat sie sich sogar fast verdoppelt.

Schaut man etwa nach Dänemark, müssen Immobilienkäufer dort nur 0,6 Prozent des Immobilienwerts als Grunderwerbsteuer abführen. In den USA sind es 0 bis 2,6 Prozent. Die DIW-Experten schränken aber ein, dass ein internationaler Vergleich dadurch erschwert werde, dass die Steuer in den verschiedenen Ländern auch in verschiedenen Formen erhoben werde. So wird etwa in vielen Ländern zwischen bestehenden und neu gebauten Immobilien unterschieden: Bei Neubauten gilt die Mehrwertsteuer, die Grunderwerbsteuer kommt bei Bestandsimmobilien zum Tragen.

Grunderwerbsteuer 2018 in den Bundesländern

Die Höhe der Grunderwerbsteuer können in Deutschland die jeweiligen Bundesländer als einzige Steuer nach eigenen Vorstellungen bestimmen. "Ein solcher Zugewinn an Steuerautonomie ist im föderalen System grundsätzlich sinnvoll", sagt DIW-Finanzwissenschaftler Ronny Freier, der die Analyse zusammen mit seinem Kollegen Johannes Geyer sowie Sergej Bechtold von der Universität Hamburg und Frank Kühn, der in der privaten Wirtschaft arbeitet, verfasst hat.

Diesen durch die Reform von 2006 neu gewonnenen Spielraum haben - außer Bayern und Sachsen, den jeweils finanzstärksten Bundesländern im Osten und Westen Deutschlands - seit 2011 alle Bundesländer ausgenutzt und ihre Sätze nach oben geschraubt. Reduziert hat den Satz kein einziges der Bundesländer. Inzwischen, seit Januar 2014, liegen zwölf Bundesländer bei einem Steuersatz von mehr als fünf Prozent. Vor allem die finanzschwächeren Länder haben die Steuerbelastung deutlich angehoben. Berlin liegt schon jetzt bei 6 Prozent.

Immobilienpreise in Europa

In Nordrhein-Westfalen und dem Saarland kommen zum Jahreswechsel weitere Erhöhungen auf die Eigentümer zu: Die Grunderwerbsteuer soll dort auf 6,5 Prozent steigen. Damit sind sie dann zusammen mit Schleswig-Holstein die Spitzenreiter.

Die Länder machen mit der Grunderwerbsteuer ordentlich Kasse: Insgesamt sind die Einnahmen auf 8,4 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen und stellen damit die wichtigsten unabhängigen Steuereinnahmen aus.

Neben den Steuererhöhungen ist auch der Boom am Immobilienmarkt für den Anstieg verantwortlich, erklären die DIW-Analysten. Daraus erklärt sich auch ein Nachteil für die Länderhaushalte: denn das Steueraufkommen hängt von der Entwicklung am Markt ab und ist daher schlecht planbar. In der Regel fließen die Gelder in die Konsolidierung der Länderfinanzen oder in neue Ausgabenprogramme, erklärt DIW-Experte Freier.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%