Immobilien 15 Bitcoins für ein Luxusapartment

Dubais Architektur ist für Extravaganzen bekannt. Quelle: REUTERS

Bislang galten Bitcoins als Anlage ohne Sachwert. Doch nun wurden in Dubai 50 Luxusapartments gegen Bitcoin verkauft.

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Dubai ist bekannt für extravagante Immobilienprojekte: Vor allem hoch und groß sollte es sein. Doch nicht immer muss Extravaganz direkt auffallen, sie kann auch in der Bezahlung liegen: In Dubai wurden nun 50 Luxusapartments gegen Bitcoin verkauft.
Bereits im vergangenen Jahr kündigten die Briten Michelle Mone und Doug Barrowman an, einige Wohnungen einer 327 Millionen Dollar teuren Projektentwicklung in dem Wüstenstaat im Austausch gegen die Kryptowährung Bitcoin anzubieten. Nun haben Mone und Barrowman 50 der 1300 angebotenen Einheiten verkauft. Die Preise für die Apartments reichen von 130.000 bis 380.000 Dollar – oder von 15 bis 45 Bitcoins.

Die Idee für den Verkauf habe Barrowman gehabt, sagt Mone. Der Brite hat mit der Knox Group ein Unternehmenskonglomerat aufgebaut und verwaltet eigenen Angaben zufolge 1,5 Milliarden Pfund. Er sei frustriert gewesen, der Kryptowährungswelt nichts anderes als die Währung bieten zu können, wird Mone vom Nachrichtenportal Business Insider zitiert. Barrowman sagt: „Ich möchte, dass Kryptowährungen genutzt werden können, um Sachwerte in der realen Welt zu kaufen.“

Weltweit werden Immobilien mittlerweile gegen Bitcoin angeboten, wenn auch noch in überschaubarer Zahl. Auch in Deutschland ist das längst keine Ausnahme mehr. Thomas Zabel, Leiter von JLL Residential Developments, sagt, ihm würden wöchentliche Bezahlungen gegen Bitcoin angeboten.

Zabel schwärmt geradezu von der Kryptowährung. „Ich finde das Thema hochspannend“, sagt er, „ich sehe jede Menge Vorteile.“ So gebe es etwa keine zentrale Abwicklungsstelle mehr, was die Prozesse vereinfacht und beschleunigt. Gleichzeitig sei über die Wallet, in der die Bitcoins liegen, direkt einsehbar, ob der Käufer ausreichend Geld besitzt oder nicht, um den Kauf zu finanzieren. Das Potenzial sei immens.

Käufe wickelt Zabel über die Kryptowährung aber noch nicht ab: „Bitcoin ist kein anerkanntes Zahlungsmittel“, erläutert er den einfachen Grund. Die sich nachziehenden Probleme sind ganz pragmatischer Natur: Es gibt keinen klaren Wechselkurs, zu dem sich etwa das Finanzamt bei der Grunderwerbssteuer orientieren könne.

Aufseher und Finanzexperten warnen immer wieder vor den Risiken der Kryptowährung, vor einer Blase, vor Spekulation und reiner Zockerei. Tatsächlich schwankt der Kurs extrem. Wurde im Dezember noch das Allzeithoch über 20.000 Dollar je Bitcoin markiert, ist die virtuelle Währung heute wieder weniger als die Hälfte dessen Wert.

Das macht auch Immobilienhandel in Bitcoin für Verkäufer riskanter. Mone und Barrowman sichern sich insofern ab, als dass sie ihre Apartments grundsätzlich in Dollar bepreisen und am Tag der Wertstellung in Bitcoin umrechnen. Ein Luxusapartment in Dubai hat in Bitcoin also nicht immer denselben Preis. So habe beispielsweise ein Apartment ursprünglich einmal 60 Bitcoin gekostet, dessen Bitcoin-Wert aber auf heute 27,5 Bitcoin angepasst wurde, erklärt ein Sprecher von Mone.

Bei Krypto-Deals mit Immobilien bleibt jedoch eine wichtige Frage offen: Wie stellen Verkäufer sicher, dass die Investoren nicht mit gewaschenem Geld bezahlen? Banken unterliegen strikten „Know Your Customer“-Regeln (KYC). Bei KYC geht es darum, die Herkunft des Geldes zu überprüfen und so Finanzkriminalität zu vermeiden. Da das Bitcoin-Netzwerk eine gewisse Anonymität aufweist, ist es auch bei Kriminellen beliebt. Geldwäsche per Immobilienkauf ist dennoch nicht einfach.

Grundbuch schlägt Anonymität

„Ein anonymer Grundstückskauf ist in Deutschland auch bei einer Bezahlung in Bitcoin nicht möglich“, erklärt Christoph Enaux, Partner bei der Kanzlei Greenberg Traurig in Deutschland. Der Notar ist beim Kauf verpflichtet, die Identität des Käufers zu prüfen und zu ermitteln, ob dieser für sich selbst oder einen anderen wirtschaftlich Berechtigten handelt. Ohnehin sei eine Wallet, in der Bitcoin-Anleger ihre virtuellen Münzen halten, vielmehr ein Pseudonym, als eine Anonymität. Schließlich sei sie mit einer Nummer klar zuordenbar.

Laut Geldwäschegesetz muss der Verkäufer nur die Identität des Käufers prüfen, nicht, woher das Geld stammt. Gibt es einen Verdacht auf Geldwäsche, wird dies der Staatsanwaltschaft gemeldet, die dann ermittelt. Das kann aber knifflig werden: „Wenn ein Käufer als Strohmann für einen Dritten handelt, wird es aufgrund der fehlenden Nutzerregistrierung bei den Bitcoin-Wallets komplizierter als bei einer Überweisung, herauszufinden, woher das Geld wirklich stammt“, sagt Enaux.

Im Grunde unterscheide sich ein Kauf mit Bitcoin kaum von einem Kauf mit Bargeld. Bei beiden Kaufarten fallen Banken als zusätzliche Prüfungsinstanz weg. Theoretisch können zwar auch die Bitcoin-Börsen geldwäscherechtlich verpflichtet sein, die Identität der jeweiligen Bitcoin-Handelspartner zu überprüfen, erläutert Enaux: „In der Praxis dürfte dies aber bereits daran scheitern, dass diese Börsen in der Regel nicht in der EU angesiedelt sind.“ Ein Restrisiko der Geldwäsche also bleibt und das wird durch unterschiedliche Gesetze in unterschiedlichen Rechtsräumen bei internationalen Käufen nicht minder kompliziert.

Der Sprecher von Mone verweist darauf, dass alle Käufer nach geltendem Dubaier Recht überprüft werden. Sie benötigten die Reisepässe der Käufer, müssten wissen, mit wem sie es zu tun haben und bräuchten einen Nachweis, dass sie sich die Wohnung leisten können.

Auch in Deutschland bietet mancher Eigentümer seine Wohnung auch auf den einschlägigen großen Portalen zum Kauf gegen Bitcoin an. Auf der internationalen Plattform Bitcoin Real Estate finden sich neben Luxus-Penthouses in Panama, einem Schweizer Chalet oder einem Apartment in Manhattan auch zwei Angebote aus Deutschland. Wer an ein Schmuckstück in der Münchner Innenstadt zu Kryptoreichtümern hofft, wird aber vergebens suchen: Ein Apartment befindet sich in Wuppertal, ein anderes Haus in einem kleinen Dorf in der Nähe von Magdeburg.

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