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Immobilien Die Bauzinsen steigen – was das für Käufer bedeutet

Innerhalb weniger Monate haben sich die Bauzinsen deutlich verteuert. Quelle: dpa

Wer eine Immobilie finanzieren will, muss für seinen Kredit nun mehr bezahlen. Und die Zeichen deuten darauf, dass der Anstieg der Bauzinsen weiter anhält.

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Es ist eine Trendwende, die sich gerade am Immobilienmarkt abzeichnet: Die Zinsen für Baukredite steigen. Der Zins für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Laufzeit liegt nun bei durchschnittlich rund 1 Prozent. Das zeigt der aktuelle Zinsbericht des Kreditvermittlers Interhyp. Noch zu Jahresbeginn waren im günstigen Fall Zinsen von 0,5 Prozent möglich.

Für Immobilienkäufer oder Eigenheimbesitzer, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, bedeuten die Zinsanstiege eine zusätzliche Belastung. Ein Beispiel: Ein Paar nimmt einen Darlehen in Höhe von 350.000 Euro auf, möchte eine zehnjährige Zinsbindung und drei Prozent jährlich tilgen. Bei einem Zinssatz von 0,7 Prozent beläuft sich die monatliche Rate auf 1079 Euro.

Steigt der Zinssatz – wie jetzt – auf 1,0 Prozent, verteuert sich die Rate um gut 90 Euro auf 1167 Euro. Kleine Zinssprünge haben also eine große Wirkung. Noch teurer wird der Traum von den eigenen vier Wänden entsprechend, wenn wenig Eigenkapital angespart wurde.

Klar, der Zinsanstieg beim Baugeld geschieht auf niedrigem Niveau. 2011 zum Beispiel lag der Zinssatz bei zehnjähriger Bindung noch bei vier Prozent. Doch Experten sind sich einig, dass die Zinssätze nun anziehen. Die Finanzdienstleister von Interhyp und Dr. Klein prognostizieren fürs laufende Jahr weiter steigende Bauzinsen. Und auch die Frankfurter Finanzberatung FMH glaubt, dass die Zinssätze auf zu 1,25 Prozent anwachsen könnten. Das wäre doppelt so viel wie zu Jahresbeginn.

Doch warum steigen die Bauzinsen gerade?

Ursache 1: Inflation steigt

Mit der fortschreitenden Bekämpfung der Coronapandemie wächst die Nachfrage, die Verbraucherpreise steigen. In der Europäischen Union kletterte die Inflationsrate auf zwei Prozent. In Deutschland verteuerten sich Waren um 2,5 Prozent – der höchste Stand seit zehn Jahren. Grund dafür sind vor allem steigende Rohstoff- und Energiepreise. Und Fachleute gehen von einem weiteren Anstieg aus.

Steigt die Inflation, steigen die Zinsen. Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ultralockere Geldpolitik beibehält und die Preise weiter anziehen, kommt es in der Folge zu höheren Immobilienkrediten. Denn die Banken orientieren sich bei der Preisgestaltung ihrer Kredite an der Inflationsrate.

Die Kreditbanken sind mit der Anhebung der Bauzinsen gedanklich einen Schritt weiter als die EZB. Die scheint den Leitzins – also quasi dem Preis, zu dem sich die Banken das Geld von der EZB leihen – nämlich auf historisch niedrigem Niveau belassen zu wollen. Die anziehende Inflation führt sie auf die sich entspannende wirtschaftliche Lage zurück.

Ursache 2: Rendite für Staatsanleihen ziehen an

Doch nicht nur der EZB-Leitzins wirkt sich auf die Bauzinsen aus, sondern auch vor allem zwei andere Faktoren: Pfandbriefe und Staatsanleihen. Um Immobilienkredite zu refinanzieren, handeln die Banken mit sogenannten Pfandbriefen. Diese festverzinsten Wertpapiere verkaufen die Banken an Anleger, die dann wiederrum Zinsen bekommen. Die Pfandbriefe hängen wiederum von der zehnjährigen Bundesanleihe ab. Die gibt an, wieviel Zins der Staat für seine Schulden zahlen muss. Die Rendite liegt mit minus 0,2 Prozent zwar immer noch im negativen Bereich. Aber: Das Ende der Minuszinsen für Bundesanleihen ist absehbar. Für Immobilienkäufer heißt das: Steigt die Rendite der Bundesanleihe, ziehen die Bauzinsen mit.



Noch beschwichtigen die Finanzdienstleister und Marktexperten, dass Immobilienkredite im historischen Verglich günstig sind. Aktuell sind die günstigen Bauzinsen ein Hoffnungsschimmer für Immobiliensuchende, die das Angebot überteuerter Wohnungen und Häuser durchforsten. Doch mit dem Anstieg der Baukredite sind sie zusätzlichem Preisdruck ausgesetzt – was den Kampf ums Eigenheim weiter befeuern könnte.

Mehr zum Thema: Ein Wohnungskauf sollte gut geplant sein. Sonst droht ein finanzielles Desaster. Diese fünf Regeln helfen, die Risiken zu minimieren, Geld zu sparen und die Nerven zu schonen.

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