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Immobilien Die gefährlichsten Fallen für Häuslebauer

Schlüsselfertige Häuser sind in, haben aber ihre ihre Tücken. Pfusch beim Bau und im Vertrag kann den zukünftigen Besitzern immense Summen kosten. Welche Fallen beim Neubau drohen - und wie Häuslebauer sie vermeiden.

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Das Geschäft mit Neubau-Eigenheimen wird noch immer von lokalen Bauträgern dominiert. Quelle: dpa

Dortmund Die Zeiten haben sich gründlich geändert: Das eigene Haus lässt man heutzutage nur noch selten vom Architekten planen und den Handwerkern seines Vertrauens bauen. Gekauft wird zumeist "schlüsselfertig" vom Bauträger, wie es in der Sprache der Marketingstrategen heißt. Die zumeist regional tätigen Unternehmen kaufen große Baufelder, parzellieren diese in viele kleine Grundstücke und errichten darauf frei stehende Eigenheime, Doppel- oder Reihenhäuser oder auch das Mehrfamilienhaus mit vielen Eigentumswohnungen. Der Käufer aber, so die Theorie, muss sich um nichts kümmern: Er kann zum vereinbarten Termin mit dem Umzugswagen vor seinem neuen Domizil vorfahren und muss nur noch die Möbel an die richtige Stelle rücken.

Doch ganz so reibungslos und bequem verläuft der Hauskauf mit dem Bauträger nur selten, wissen Rechtsanwälte und Bauherrenberater. Das A und O sei deshalb ein wasserdichter Vertrag, in dem die Rechte und Pflichten beider Seiten schriftlich festgehalten sind. Ein solcher Bauträger-Vertrag wird von einem Notar beurkundet und besagt zweierlei: Erstens, dass der Kunde ein Grundstück kauft, auf dem zweitens der Bauträger das gewünschte Haus errichten wird.

So manches Risiko, trägt daher der Komplettanbieter: "Wenn zum Beispiel während der Erdarbeiten plötzlich festgestellt wird, dass der Untergrund nicht tragfähig genug ist und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen, muss dafür der Bauträger aufkommen", sagt Thomas Münster vom Verband "Wohnen im Eigentum".


Fachmann zu Rate ziehen

Vor der Vertragsunterzeichnung bekommt der Käufer ausreichend Bedenkzeit, denn sie ist inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben: Ein Bauträger muss dem Käufer den fertigen Vertrag spätestens 14 Tage vor dem Notartermin zustellen, damit der Käufer sich noch einmal alles in Ruhe durchlesen kann. Eine Chance, die man nutzen sollte: "Nehmen Sie sich genug Zeit oder auch Urlaub, um Informationen einzuholen und Alternativen zu prüfen", rät Bauherrenberater Münster. Dabei ist es sinnvoll, auch einen Fachmann zu Rate zu ziehen, der sämtliche Klauseln noch einmal prüft.

Denn gerade im Detail stecken oft die größten Fallstricke: "Käufer sollten zum Beispiel keine direkten Zahlungen auf das Geschäftskonto des Bauträgers leisten", warnt Peter Mauel, Rechtsanwalt und Erster Vorsitzender beim Bauherren-Schutzbund (BSB). Denn wenn dieser pleitegeht, ist das Geld verloren. Stattdessen sollten die Raten auf das Konto der Bank überwiesen werden, die den Bauträger finanziert, rät Mauel.

Im Vertrag erhalten bleiben sollte auch das Recht auf Schadensersatz, auf Minderung und auf Rücktritt vom Kauf. Denn oft zeigen sich Mängel oder Pfusch am Bau erst nach dem Einzug der neuen Hausbesitzer. Wenn dann die alte Wohnung schon gekündigt ist, müssen manche Familien wochen- oder sogar monatelang bei Freunden unterschlüpfen oder im Hotel wohnen.

Für Bauträger gilt eine fünfjährige Gewährleistungsfrist

Auch raten die Experten, unbedingt eine Strafzahlung in den Vertrag einzubauen für den Fall, dass das Haus am vereinbarten Termin nicht bezugsfertig ist. „Außerdem kann der Käufer verlangen, dass der Verkäufer fehlerhafte Leistungen beseitigt. Bei erheblichen Mängeln kann er sogar vom Vertrag zurücktreten", erklärt der Leverkusener Notar Thilo Weimer, der in seiner Kanzlei auch frischgebackene Hausbesitzer vertritt. "Die Gewährleistungsfristen betragen für Arbeiten am Gebäude fünf Jahre, bei beweglichen Sachen zwei Jahre." Viel Zeit also, um festzustellen, ob der Bauträger sorgfältig gearbeitet hat.

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