WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Immobilien Neuer Energieausweis - Häuser sind wie Wäschetrockner

Verbände fordern die Reform des Energieausweises für Gebäude. Häuser bekämen so künftig eine Energieeffizienzklasse, wie sie bei Elektrogeräten längst üblich ist. Der Vorstoß ist sinnvoll und überfällig.

Energieausweis für Gebäude: Unverständlich, ungenau und unbeliebt Quelle: dpa

Der Kühlschrank hat schon längst Effizienzklasse A+, der neue Wäschetrockner ein C und die Energiesparleuchte im Flur ist Klasse B. Was Verbraucher von Haushaltsgeräten seit Jahren kennen und beim Kauf zur Orientierung über den Energiehunger der technischen Errungenschaft nutzen, soll nun nach dem Willen des neu gegründeten "Bündnis Energieausweis" auch beim Verkauf oder der Vermietung von Häusern und Wohnungen Einzug halten. Ein neuer Energieausweis soll demnach zahlreiche Ungereimtheiten und Mängel beseitigen, leichter verständlich sein und so auf mehr Akzeptanz stoßen. Dem Bündnis gehören unter anderem die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz, der Deutsche Mieterbund, der NABU Naturschutzbund Deutschland und der TÜV Hessen an.

Verbrauchsausweis ohne große Aussagekraft

Anlass für die geforderte Reform des Energieausweises ist das mangelnde Interesse am Energieausweis für Gebäude in Deutschland. "Der Ausweis in der jetzigen Form bietet weder verlässliche Ergebnisse über das energetische Niveau des Gebäudes, noch ist er von den Verbrauchern als Instrument angenommen worden", erklärte der Sprecher des Bündnisses Energieausweis, Michael Herma, am Donnerstag in Berlin.

Tatsächlich wird auch der Bedarfsausweis nur selten von Mietern oder Hauskäufern vor Vertragsabschluss verlangt. Laut Umfragen und nach Aussagen von Mieterbund und Deutscher Energie-Agentur (dena) spielen die Energieausweise mehrheitlich keine Rolle. Dass der Energieausweis seit seiner Einführung im Jahr 2008 auf nur geringe Nachfrage gestoßen ist, hat offenbar auch mit den gesetzlichen Vorschriften zu tun. Seit 2009 mussten Verkäufer von Immobilien und Vermieter diesen auf Verlangen der Interessenten vorlegen. Erst seit Beginn des Jahres 2013 ist er auch zwingend den Kauf- oder Mietverträgen beizufügen. Zahlen dazu, ob dies die Akzeptanz erhöht hat, liegen dem Bündnis Energieausweis jedoch nicht vor.

Das Problem: Es gibt verschiedene Varianten mit abweichenden Berechnungsgrundlagen und -methoden für den Energieausweis. Zum einen gibt es den Verbrauchsausweis, der sich an den tatsächlichen Verbrauchsdaten für Heizenergie aus den drei vorangegangenen Jahren orientiert. Diese Verbrauchsdaten sind allerdings stark abhängig davon, wie viele Personen in dem Haushalt leben, welche Heizgewohnheiten sie haben und wie kalt und lang die Winter in den drei betrachteten Jahren waren. Der Verbrauchsausweis hat für einen Käufer also nur eine geringe Aussagekraft über die künftigen Heizkosten.

Typische Baumängel in Altbauten

Zum anderen gibt es den Bedarfsausweis, der Nutzerverhalten und Klima standardisiert und nur abhängig von der Gebäudesubstanz und der vorhandenen Heiztechnik einen Energiebedarf kalkuliert. Problematisch hieran ist, dass der Energiebedarf bisher nach zwei unterschiedlichen DIN-Normen berechnet werden kann, die sich hinsichtlich der zugrunde gelegten Parameter und damit in punkto Genauigkeit voneinander unterscheiden. Hinzu kommt, dass die Reform der Energie-Einsparverordnung (EnEV), die diese Berechnungsmethoden regelt und nach der Wahl verabschiedet werden soll, auch noch eine dritte, deutlich vereinfachte Berechnungsmethode erlauben will.

"Die geplante EnEV-easy soll die Bedarfsberechnung weiter vereinfachen, indem vieles nur noch geschätzt wird", sagt Kerstin Vogt, energiepolitische Referentin beim VdZ, dem Dachverband der Heizungswirtschaft und Initiator des Bündnis. "Demnach werden zum Beispiel die Fensterflächen eines Gebäudes nur anhand der Wohnquadratmeter hochgerechnet und nicht mehr vom Energieberater vermessen." Ganz abgesehen darf der Bedarfsausweis nicht als seriöse Schätzung des tatsächlichen Verbrauchs nach dem Einzug verstanden werden, sondern lediglich als Näherung. Der tatsächliche Energieverbrauch liegt zahlreichen Untersuchungen zufolge regelmäßig um zehn bis 30 Prozent unter dem kalkulierten Bedarf. Der Vorteil eines Bedarfsausweise ist hingegen die grundsätzliche Vergleichbarkeit der energetischen Qualität von Mietwohnungen und Kaufobjekten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Themenschwerpunkt

Immobilien

Worauf Haus- und Wohnungskäufer achten sollten, wie sich die Immobilienmärkte entwickeln und wie sich das Eigenheim möglichst gut und günstig finanzieren lässt.
Zur Themenseite

IW-Studie „Man kommt mit dem Bauen nicht hinterher“

Der Wohnraum in deutschen Großstädten ist knapp, es werden zu wenige Wohnungen gebaut. Das verdeutlicht auch eine neue Studie. In Kleinstädten ist die Entwicklung eine andere – jedoch auch nur mäßig erfreulich.

Ökonomischer Fehlanreiz Bauland zurückzuhalten darf sich nicht lohnen

Wer Wohnungsnot wirksam bekämpfen will, muss sich mit dem größten Engpass befassen: Bauland. Noch dominieren Scheinlösungen die Debatte, aber einige Städte und Gemeinden setzen lieber auf pragmatische Ansätze.

Zauberformel Mietkauf Wie sich auch Niedrigverdiener eine Immobilie leisten könnten

Wohneigentum wird zunehmend unbezahlbar. Wirtschaftsexperten haben nun eine Idee vorgelegt, wie sich das ändern soll: Der sogenannte Mietkauf soll Mieter zu Eigentümern machen – und das ohne nennenswerte Mehrkosten.

Immobilienkauf von der Stange So erkennen Sie einen guten Bauträger

Premium
Der Hausbau mit einem Bauträger, der Architekten und Handwerker steuert und Häuser zum Festpreis anbietet, bietet viele Vorteile. Aber es lauern erhebliche Risiken. Was Bauherren wissen müssen.

Wohnungsmangel Wenn der Chef zum Vermieter wird

Der Job ist reizvoll, doch die Suche nach einer Wohnung bringt zur Verzweiflung? Personalchefs kommen dem entgegen und bieten Unterkünfte. Doch das ist nicht für alle Suchenden gut.
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%