WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Immobilien Wer für Mängel bei Hauskauf und Hausbau haftet

Seite 2/3

immobiliengrafik

Doch selbst wenn diese Hürde genommen ist, fällt es „Bauherren schwer, in der Bauphase Mängel oder Fehler überhaupt zu erkennen“, sagt Experte Bolle. Was Fachleute schnell als Fehler erkennen, ist für einen Laien oft unsichtbar. Pech hat, wer in einem heißen Sommer sein Häuschen hochzieht: Feuchtigkeitsschäden treten meist erst auf, wenn Petrus seine Schleusen öffnet. Bolle vergleicht das mit einem löchrigen Regenschirm: „Der ist auch nur so lange in Ordnung, wie es nicht regnet.“

Prüfgesellschaften wie TÜV und Dekra bieten Bauherren Unterstützung bei der Mängelsuche an, indem ein Gutachter in verschiedenen Bauphasen und bei Übergabe der Immobilie die Arbeit des Bauunternehmens kontrolliert. Bei einer Wohnfläche von 140 Quadratmetern kostet das bei der Dekra etwa 2400 Euro – viel Geld, zumal die neuen Hausherren nicht mehr als einen kritischen Blick auf ihre Immobilie einfordern dürfen; denn ins Baugeschehen greifen die Gutachter nicht ein. Letztlich muss der Bauherr selbst seinen Handwerkern Beine machen, falls Fehler auftauchen.

Dokumentieren und rügen. Wer einen Mangel feststellt, sollte sich nicht auf mündliche Absprachen verlassen. „Zuallererst sollten Bauherren schriftlich rügen und eine Frist zur Mangelbeseitigung setzen“, sagt Becker. Der Bauherr kann die Schäden zwar fotografisch dokumentieren – jedoch haben die Bilder im Streitfall keinen Beweiswert. Streit gibt’s besonders dann, wenn das Bauunternehmen Fehler leugnet. „Dann kann die Baustelle lahmgelegt sein“, erklärt Bolle. Hausherren, die auf sich alleine gestellt sind, würden spätestens dann unsicher und einlenken, weil sie das Risiko einer am Ende doch unberechtigten Forderung tragen müssten und weil alleine die Bau-Verzögerung viel Geld kostet.

Keine Abnahme, wenn Mängel vorhanden sind

Wenn das Dach aber endlich gedeckt, WC und Dusche installiert, die Wände verputzt sind, dann wird dem Immobilienkäufer sein Haus übergeben; er nimmt es ab. Mit der Abnahme – was viele nicht wissen – kehrt sich die Beweislast bei Mängeln um. Bauunternehmen und Handwerker waren bis zur Übergabe verpflichtet, eine fehlerfreie Arbeit nachzuweisen, nun muss plötzlich der Bauherr einen Mangel belegen. „Deshalb sollten sie tunlichst die Abnahme vermeiden, wenn sie von Mängeln ausgehen“, rät Becker. Eine Verweigerung der Abnahme setzt allerdings voraus, dass der Häuslebauer wesentliche Fehler vermutet. Hat der Bauherr aber Druck, das Haus trotz vermuteter grober Fehler abzunehmen – etwa weil der Möbelwagen schon vor der Tür steht –, sollten die Mängel zumindest in einem Übernahmeprotokoll vermerkt und rechtlich vorbehalten werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Kein Glück hatte ein Hauskäufer in Albstadt bei Tübingen. Erst nachdem er das Haus abgenommen hatte und den kompletten Kaufpreis bezahlt hatte, stellte er fest, dass die Installationsfirma bei einer Dusche unsauber gearbeitet hatte. Die Armatur ließ sich nicht dicht anbringen, und die Badewanne musste er deshalb zur Brause umfunktionieren.

    Mehrere Monate lang vertröstete das Bauunternehmen ihn immer wieder; Installateurstermine wurden kurzfristig abgesagt. Selbst auf eine Mängelrüge mit Beseitigungsfrist reagierte das Unternehmen nicht. Solch eine Hinhaltetaktik ist nicht nur nervenaufreibend, sie kann für den Bauherren riskant werden – denn seine Ansprüche an das Bauunternehmen halten nicht ewig.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%