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Immobilienblase Schulden sind Schwedens gefährlicher Volkssport

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Zentralbank schlägt Alarm

Umgekehrt hat der Staat am lebhaften Immobilienhandel auch gut verdient. Wer seine Wohnung oder sein Haus verkauft, überweist den Finanzbehörden 22 Prozent des Gewinns aus dem Verkauf. Die Schweden nennen das „Umzugssteuer“, weil sie auch beim Wechsel in ein anderes Eigenheim anfällt. Wie auch die knappen Mietwohnungen trägt diese Steuer dazu bei, dass die schwedischen Arbeitnehmer zunehmend an Mobilität bei der Arbeitsplatzsuche einbüßen.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Längst haben auch die Politiker erkannt, dass sich in Schweden eine Immobilienblase aufbaut. Unternommen haben sie jedoch bislang nichts. Die konservative Regierung unter Reinfeldt hat das Thema gemieden und den Boom sogar noch weiter angeheizt. Wichtiger war der Regierung ein Staatshaushalt ohne Neuverschuldung angestrebt. Zuletzt brachte der es sogar auf einen kleinen Überschuss. Aber die privaten Schulden sind indessen weiter gewachsen.

Erst seit kurzem rudern die großen Hypothekenbanken zurück und gestatten Neukunden oft nur noch ein Kreditvolumen von 85 Prozent oder weniger des Kaufpreises einer Immobilie.

Löfvens neue rot-grüne Regierung will zwar Jobs und Wohnraum schaffen, aber an die halsbrecherischen Finanzierungsmethoden und allzu bereitwillige Kreditvergabe traut auch er sich bislang nicht recht ran. Den erlahmten Wohnungsneubau will er stärken, indem er die Vorschriften dafür lockert.

Er weiß, dass sich die Schweden darauf verlassen, dass der Staat die Immobilienbesitzer im Falle steigender Zinsen und fallender Immobilienpreise schützt. Zudem ist das Neubauvorhaben populär: Allein im Großraum Stockholm fehlen 122.000 Wohneinheiten – in zehn Jahren werden es schätzungsweise 400.000 sein, wenn die Regierung nicht gegensteuert.

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Tilgung ist endlich Thema

Wie dringend Maßnahmen gegen die privaten Schulden sind, betonte zuletzt der Gouverneur der schwedischen Zentralbank (Riksbank) Stefan Ingves, nachdem er Ende Oktober den Leitzins überraschend auf Null gesenkt hatte, um die seit einem Jahr schwelende Deflation zu bekämpfen.

Wirtschaft und Wachstum seien zwar auf einem hohen Niveau, doch die Verschuldung der privaten Haushalte für den Immobilienerwerb müsse dringend von der Regierung angegangen werden. Ein guter Schritt wäre ihm zufolge eine obligatorische Tilgung der Kredite und eine Beschränkung der Abschreibungszeiträume. Der Bankenverband etwa schlug vor, die Tilgung von drei Vierteln der Kredite anzustreben.

Das würde vielen verschuldeten Haushalten sicher weh tun. Aber besser spät als nie.

*Name von der Redaktion geändert

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