WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Immobilienkredite Der Weg zum eigenen Haus wird verbaut

Seite 3/3

Kunden werden von der alten Bank abhängig sein

Banken müssen stärker auf das Risiko teurer Anschlusskredite achten. „Läuft der Kredit in zehn Jahren aus, rechnen wir heute mit einem Zinssatz von sechs Prozent“, sagt Frauscher von der Raiffeisenbank. Können Kreditnehmer sich eine hohe anfängliche Tilgung leisten, kommen sie schneller aus den Schulden – sie brauchen dann keinen Anschlusskredit oder könnten sich den auch bei höheren Zinsen eher leisten, weil er kleiner ausfällt. Das erhöht die Kreditchancen.

Selbst Eigentümer mit laufendem Kredit können bei der Anschlussfinanzierung jetzt Probleme bekommen. Wollen sie zu einer günstigeren Bank wechseln, muss die nach den neuen Regeln prüfen. Die bisherige Bank muss das nicht unbedingt. Sie darf wie früher prüfen, wenn nur der alte, vor dem 21. März abgeschlossene Vertrag angepasst wird – mit neuem Zins und neuer Laufzeit. Das hat Folgen: „Einige Kunden werden bei der Anschlussfinanzierung von ihrer alten Bank abhängig sein“, sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen.

So bringen Sie Immobilien schneller an den Mann
Umziehen ist Trend! Das zumindest behauptet die Plattform Moovin, die sich auf die Vermietung von Immobilien spezialisiert hat. So will in den nächsten zwei Jahren jeder dritte Deutsche seine Wohnung wechseln, trotz angespanntem Wohnungsmarkt und steigenden Mietspiegeln. „Begünstigt wird dies auch aktuell durch die neue Gesetzeslage zum Bestellerprinzip. Doch obwohl alle Zeichen günstig stehen, beklagen viele Vermieter zu lange Leerstände und damit verbundene Mietausfälle“, heißt es in einer Pressemittelung des Anbieters. Der Immobilien-Experte und Moovin-Gründer Fabian Mellin zeigt, wie Vermieter die finanzielle Belastung möglichst gering halten können. Quelle: Getty Images
„Wer schon einmal ein Inserat erstellt hat, weiß, wie viel Zeit in der Aufbereitung steckt“, erklärt Fabian Mellin. Als Visitenkarte von Vermieter und Immobilie ist das Inserat der klassische Erstkontakt und sollte daher mit Liebe zum Detail glänzen. Unbedingt vermieden werden sollten spezifische Fachausdrücke und eine schwer verständliche Ausdrucksweise. Und um ein realistisches Bild über die Immobilie zu vermitteln, sollten alle wirklich relevanten Informationen so umfassend wie möglich sein. Mellin: „Angaben über Größe, Lage, Adresse, Mietpreis, Ausstattung und Zustand der Immobilien sind hier das Mindestmaß. Realistische Beschreibungen über die unmittelbare Umgebung, Straßenbild oder Zusammensetzung der Nachbarschaft punkten zusätzlich.“ Quelle: Getty Images
Der Experte weist auch darauf hin - eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit –, dass ansprechende und vor allem repräsentative Fotos keinen Fall fehlen. Damit die auch gelingen, hat Fabian Mellin noch einen Tipp parat: „Achten Sie bei Innenaufnahmen auf die Lichtverhältnisse in den Räume: Lichtdurchflutete Objekte wirken an sonnigen Tagen wesentlich einladender als an dunklen Wintertagen. Fehlt es an notwendigem Fotoequipment oder Erfahrung, lohnt sich die Investition in einen professionellen Fotografen, der die besten Blickwinkel und Schokoladenseiten der Immobilie mit geschultem Blick erkennt.“ Quelle: Getty Images
Die Wahl des neuen Mieters bereitet vielen Vermietern Bauchschmerzen. Zwar geben die obligatorischen Selbstauskünfte über Schufa, Gehalt und Familienstand ein erstes Bild, aber sollten dennoch nicht als entscheidendes Indiz für eine Zu- oder Absage gewertet werden, rät der Experte. Fabian Mellin: „Ein persönliches Gespräch oder ein weitergehender Fragebogen können viel Aufschluss über Persönlichkeit und Lebensweise der Interessenten geben.“ Doch auch hier ist Vorsicht geboten... Quelle: Getty Images
Rein rechtlich nach §242 BGB erlaubt sind nämlich nur Fragen zur Mietsituation, zum Beispiel warum nach einer neuen Wohnung gesucht wird, über die Häufigkeit der Umzüge, zur aktuellen Arbeitsstelle oder finanziellen Einkünften. Die müssen vom Mieter auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Auf jeden Fall sollten keine Fragen gestellt werden, die zu sehr in die Privatsphäre eingreifen. Mellin: „Dies betrifft unter anderem Angaben über Familienplanung, mögliche Vorstrafen, Mitgliedschaft in Parteien oder sogar über das Rauchen.“ Quelle: Getty Images
Im Schnitt dauert die Besichtigung einer Wohnung knapp zehn Minuten, um alle Räumlichkeiten durchzugehen und noch offene Fragen zu klären. Dafür sollte der Termin gut vorbereitet und strukturiert sein: Welche Fragen können sich seitens der Interessenten ergeben? Welche Informationen fehlen noch für eine vollständige Selbstauskunft? Gibt es zukünftige Entwicklungen an der Immobilie, die dringend geklärt werden müssen? Quelle: Getty Images
Wovon der Experte absolut abrät, sind Massenbesichtigungen! Die sind nicht nur für alle potentielle Mieter der Horror, sondern unter dem Strich auch noch ineffizient. Zielführender sind aufgeteilte Besichtigungen. „Bereits innerhalb einer Stunde sind fünf bis sechs Besichtigungen realistisch. Als Zeitfenster unter der Woche eigenen sich besonders die frühen Abendstunden zwischen 17 Uhr und 19 Uhr oder am späten Samstagvormittag“, erklärt Fabian Mellin. „Legen Sie die Termine unbedingt auf Zeiten, in denen sich die Wohnung, aber auch die Umgebung realistisch präsentieren, zum Beispiel wenn Cafés und Restaurants als Highlight angepriesen werden, sollten diese bei der Besichtigung auch geöffnet haben.“ Quelle: dpa

Es droht die nächste Verschärfung

Abgeblockte Kreditsuchende müssen ihren Traum vom Eigenheim aber nicht sofort vergessen. Ältere Menschen können zum Beispiel Erben mit im Vertrag als Schuldner aufnehmen. So stehen mehr Menschen für den Kredit ein, für die Bank wird er sicherer. Auch Bürgen, etwa die Kinder, steigern die Kreditchancen. So nahm ein Kreditvermittler bei einem älteren Kunden den Sohn als Bürgen mit in den Vertrag – prompt spielte die Bank mit. Doch Achtung: Wollen die Kinder später selbst einen Kredit aufnehmen, könnten sie wegen des verpfändeten Vermögens Probleme bekommen.

Zumal die Regierung bereits an noch schärferen Vergaberegeln arbeitet. Der beim Finanzministerium angesiedelte Ausschuss für Finanzstabilität hat vor einem Jahr empfohlen, der Finanzaufsicht BaFin mehr Durchgriffsrechte zu geben. Sie soll bei einer „drohenden Störung der Funktionsfähigkeit des Finanzsystems“ bei den Banken eingreifen und etwa eine Obergrenze für die maximal zulässige Verschuldung je nach Einkommen vorgeben dürfen.

Noch ist nichts fix. Von einem „falschen Signal, noch eins draufzusetzen“, spricht Wuermeling vom Verband der Sparda-Banken schon jetzt. „Das wäre eine Bevormundung des Darlehensnehmers – seine Entscheidung, für das Eigenheim auf Urlaub zu verzichten, würde nicht zählen“, sagt Wuermeling. Noch jedenfalls seien die Ausfallraten gering. Bei Sparda-Banken würden derzeit nur 0,02 Prozent des vergebenen Kreditvolumens von 35 Milliarden Euro ausfallen.

Wuermeling sieht Schuldner anderen Risiken ausgesetzt, die bei der Kreditvergabe kaum eine Rolle spielen: Tod, Scheidung, Arbeitslosigkeit und Berufsunfähigkeit etwa. Wenn sich der erste Bankmitarbeiter also nach der Zufriedenheit mit dem Eheleben erkundigt, wäre das nicht unverschämt, sondern sehr professionell.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%