1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Immobilien
  4. Immobilienmakler: Auf den deutschen Markt rollt eine Konsolidierungswelle zu

ImmobilienmaklerUS-Immobilienriese will den deutschen Markt aufrollen – das sagt Engel & Völkers

Der Immobilienmarkt ist seit vorigem Jahr auch für Makler deutlich schwieriger geworden. Jetzt will sich auch noch ein großer US-Konkurrent in Deutschland breit machen. Sven Odia, Chef des deutschen Marktführers Engel & Völkers, über Wachstum bei schwindenden Umsätzen und neue Herausforderungen.Harald Schumacher 15.02.2023 - 10:34 Uhr
Foto: dpa

Herr Odia, in der Branche heißt es, einer der weltweit größten Immobilienmakler – Keller Williams aus Austin, Texas, – bereite den Markteintritt in Deutschland vor. Was tun Sie, um die Marktführerschaft von Engel & Völkers zu verteidigen?
Odia: Bei uns herrscht angesichts der Nachricht, dass Keller Williams nach Deutschland kommt, nicht die geringste Unruhe. Der Markteintritt wird keinerlei Einfluss haben auf die Entwicklung von Engel & Völkers – auch nicht mittelfristig. Wir investieren beständig in die Professionalisierung unseres Unternehmens, um unsere Marktführerschaft in der Branche weiter auszubauen. Als führende Plattform für Immobilienmakler machen wir uns daher überhaupt keine Sorgen wegen des zusätzlichen Marktteilnehmers.

Engel & Völkers erscheint mit rund 16.500 Personen, die unter der Marke tätig sind, aus deutscher Perspektive groß, im Vergleich mit den nach eigenen Angaben 200.000 Mitarbeitern von Keller Williams aber wie ein Zwerg. Kann der US-Riese den deutschen Markt nicht überrollen?
Keller Williams ist ein sehr großer Player – aber in einem ganz anderen Marktsegment. Sie fokussieren sich auf das Volumengeschäft – wir sind auf das Premiumsegment spezialisiert. Unsere Kunden arbeiten nicht nur einmal mit uns zusammen, sondern nutzen unsere Beratung etwa für die Transaktion eines Privathauses, dann für den Erwerb einer Ferienimmobilie und suchen mit unserer Hilfe ein Objekt für die Kapitalanlage. Das ist ein anderer Fokus als der von Keller Williams.

Zur Person
ist seit 2020 alleiniger Vorstandschef von Engel & Völkers. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft bei Engel & Völkers erwarb Odia 1999 die erste Engel & Völkers-Lizenz auf Mallorca. Dem Management des Unternehmens gehört der heute 45-Jährige seit 2006 an. Ab 2014 war er zusammen mit dem Gründer Christian Völkers Co-Vorstandsvorsitzender. Völkers befasst sich heute als Beiratsvorsitzender und Miteigentümer weiterhin mit strategischen Fragen. Die Mehrheit an Engel & Völkers – 60 Prozent der Anteile – gehört seit August 2021 dem Finanzinvestor Permira.

Sven Odia, Chef des Hamburger Nobelmaklers Engel & Völkers, blickt optimistisch auf die Zukunft des Premiumsegments.

Foto: WirtschaftsWoche

Wo gibt es Überschneidungen im Geschäft?
Die gibt es vor allem in den USA und in Kanada: New York, Chicago, Vancouver oder zum Beispiel in den Top-Skiressorts Nordamerikas. Mit wem wir da konkurrieren ist zum Beispiel Sotheby´s International. Interessant ist, dass Sotheby´s rund 90 Prozent seines Umsatzes im Heimatmarkt Nordamerika macht und nur zehn Prozent in Europa. Engel & Völkers hingegen ist ein wirklicher Global Player geworden.

Inwiefern?
Wir erwirtschaften rund die Hälfte des Umsatzes jeweils in Europa und in Nordamerika. Dort sind unter unserer Marke rund 5.500 Berater aus 280 Büros unterwegs und haben 2022 Immobilien im Wert von 23,5 Milliarden Euro vermittelt. In Nordamerika sind wir gerade sehr präsent, weil die kanadische Schauspielerin Jessalyn Wanlim – bekannt aus „Workin Moms“ – seit dem vergangenen Jahr bei einem unserer Lizenznehmer in Nashville, Tennessee, als Immobilienberaterin arbeitet.

Welche Rolle spielen Sotheby´s und andere US-Konzerne bisher in Deutschland?
Bislang sind andere US-amerikanische Immobilienunternehmen wie RE/MAX, Century 21, Coldwell Banker, noch nicht so präsent auf dem deutschen Markt.

Woran liegt das?
Unter anderem am Arbeitsmarkt. In den USA können die Unternehmen auf 1,3 Millionen gut ausgebildete Makler zurückgreifen, die die Real Estate Salesperson Licence besitzen. Diese ist in allen Bundesstaaten vom Anspruch her ähnlich und erleichtert Personalwechsel. In Deutschland hingegen darf sich jeder mit einem Gewerbeschein Immobilienmakler nennen. Wer wirkliche Qualität will, muss selber aus- und weiterbilden, so wie wir das seit vielen Jahren mit der etablierten Engel & Völkers-Akademie tun.

Exklusive Analyse

Großer Immobilienatlas: Die besten Lagen, die attraktivsten Städte

Die besten Lagen, die attraktivsten Städte – und warum die Mieten jetzt stärker steigen als die Preise.

von Niklas Hoyer und Philipp Frohn

Warum kommt Keller Williams gerade jetzt nach Deutschland?
Das müssen Sie die Kollegen fragen. Ich hatte schon vor Jahren gehört, dass Keller Williams in Deutschland eine Dependance aufmachen will. Grundsätzlich ist der deutsche Markt attraktiv. Und die Eigentumsquote ist mit nur 50 Prozent im europäischen Vergleich niedrig und erscheint ausbaufähig.

Wenn nicht das Luxus-Makler-Segment, muss dann der bodenständigere Teil der Maklerszene die Amerikaner fürchten?
Viel mehr müssen nach meiner Einschätzung viele kleinere Wettbewerber und auch einige größere die Konsolidierungswelle fürchten, die auf den deutschen Markt zurollt. Einige Maklerunternehmen, inklusive der in den letzten Jahren neu gegründeten Prop-Techs, werden in den nächsten Jahren Schwierigkeiten haben, sich auf dem Markt zu behaupten. Das Geschäft ist herausfordernder geworden. In den vergangenen Jahren gab es oft vier bis fünf ernsthafte Kaufinteressenten pro Objekt, jetzt meist nur noch einen oder zwei. Für uns liegt aber genau darin eine große Chance.

Eine Chance auf Übernahmen?
Im Augenblick fokussieren wir uns auf den Ausbau unseres bestehenden Netzwerkes, aber ich möchte Übernahmen für die Zukunft nicht ausschließen. Wir sind die beste Adresse und eine attraktive Marke für Makler, die bei ihren bisherigen Arbeitgebern oder Lizenzgebern keine gute Zukunft mehr sehen. Auch die Verkäufer werden sich gut überlegen, welcher Makler in der Lage ist, eine Immobilie optimal zu vermarkten und den besten Preis zu erzielen. Angesichts der starken Reputation von Engel & Völkers bin ich deshalb zuversichtlich, dass wir als Marktführer auch in 2023 im Objektbestand ordentlich zulegen und weitere Marktanteile erschließen werden.

Sie planen also weiteres Wachstum – mit welchem Tempo?
Gemessen an der Zahl der Beraterinnen und Berater in unserem Netzwerk wollen wir 2023 wie im Vorjahr um rund 1000 wachsen.

Ihre Belegschaft wächst – aber bei stagnierendem Geschäftsergebnis. Mit 16.500 Köpfen haben sie in 33 Ländern 2022 genauso viel Umsatz gemacht wie 2021 mit 15.500: 1,26 Milliarden Euro. Der Pro-Kopf-Umsatz ist also um rund sechs Prozent gesunken. Stellt Sie das zufrieden?
Wir haben im letzten Jahr stark in den Ausbau unseres internationalen Netzwerkes investiert und 53 neue Shops eröffnet. Der Geschäftsumsatz spiegelt die schwierige Marktlage der letzten Monate wider – wir sind jedoch sehr zufrieden, das gleiche Ergebnis wie im Boom-Jahr 2021 erzielt zu haben.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick