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Immobilienmarkt Der Kampf um Mieter für Frankfurts Bürotürme beginnt

Für wie viele Mitarbeiter deutsche Banken noch eigene Büroflächen brauchen, wird die Zukunft zeigen. Schon heute ist klar: Geldhäuser wollen Fläche einsparen.

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Angesichts der Coronakrise hatten viele deutsche Banken Anfang des Jahres ihre Homeoffice-Quoten von teils nur zehn Prozent auf bis zu 90 Prozent hochgefahren. Quelle: dpa

Die deutschen Banken wollen ihre Mitarbeiter stärker von daheim arbeiten lassen, auch nach der Coronakrise. Wie viel Bürofläche sie künftig noch brauchen werden, ist unklar. Die Unsicherheit macht sich bereits am Frankfurter Immobilienmarkt bemerkbar. Den Banken winken Einsparungen und andere Zugeständnisse bei den Mietverträgen.

„Wir erwarten, dass die Vermieter in Frankfurt stärker um jeden Mieter kämpfen werden“, sagt Sven Carstensen, Vorstand des Immobilienanalysehauses Bulwiengesa. Er hatte zuletzt den Trend beobachtet, dass geplante Mietgesuche von Finanzdienstleistern eher zurückgestellt werden. „Die Schere zwischen nominalen und effektiven Mieten dürfte aufgehen, etwa weil die Vermieter eine gewisse freie Mietzeit einräumen.“

Eine Folge der Coronakrise ist auch die Gewährung von mehr Flexibilität, etwa bei möglichen Anpassungen der angemieteten Flächen, erklärt José M. Martínez, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate GmbH. Das habe sich in den vergangenen Wochen in Frankfurt gezeigt. „Banken und Finanzdienstleistern könnte das künftig helfen, ihre Kosten beziehungsweise Risiken zu begrenzen.“

Angesichts der Coronakrise hatten viele deutsche Banken Anfang des Jahres ihre Homeoffice-Quoten von teils nur zehn Prozent auf bis zu 90 Prozent hochgefahren. So sollten die Infektionsrisiken gesenkt werden. Fast überall funktionierte die Heimarbeit ohne Probleme. Nach den guten Erfahrungen soll in einigen Häusern künftig ein Drittel der Belegschaft dauerhaft im Homeoffice bleiben.

Die Banken machten in den vergangenen Wochen kein Geheimnis daraus, dass sie sich damit auch Einsparungen erhoffen. „Durch das verstärkte Homeoffice dürften langfristig unsere Immobilienkosten sinken“, sagte NordLB-Chef Thomas Bürkle.

Die Deutsche Bank werde von „nicht unerheblichen“ Einsparungen aufgrund der Arbeit von zu Hause profitieren, erklärte Konzernchef Christian Sewing. Und BayernLB-Finanzvorstand Markus Wiegelmann kündigte an: „Die auch zukünftig verstärkte Nutzung des Homeoffice dürfte sich perspektivisch ein Stück weit in unseren Immobilienkosten widerspiegeln“.

Weniger vermietet, mehr gebaut

Der Leerstand in Frankfurt, dem deutschen Finanzzentrum, wird steigen, auch im Zentrum, sagt Stephan Bräuning, Head of Office Letting Frankfurt beim Makler Colliers International. „Es wird weniger vermietet, gleichzeitig wird weiter gebaut“, sagte er.

Laut einer Erhebung der Deutschen Pfandbriefbank hatten Banken und Finanzdienstleister im ersten Halbjahr nur wenige Büroflächen in Frankfurt angemietet, wohl auch wegen des Lockdowns. So beliefen sich die Anmietungen in der Stadt im zweiten Quartal gerade einmal auf 47.000 Quadratmeter, das entspricht einem Rückgang des Marktes um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In der Folge sei der Leerstand gestiegen.

Mit einem Zusammenbruch des Frankfurter Büromietmarkts rechnen Beobachter trotz Zurückhaltung mancher Banken aber nicht. „Denn es gibt zwei Trends, die hier gegeneinander wirken. Zum einen die verstärkte Nutzung des Homeoffice“, sagte Carstensen. „Zum anderen dürfte aber künftig mehr Fläche je Arbeitsplatz benötigt werden, um etwa Hygienekonzepte einhalten zu können.“

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