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Immobilienmarkt Deutschlands beste Wohngebiete

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Günstige Mitte: Neubaumieten in Deutschland

Industrie in der Rezession. Akut noch bedrohlicher als das Wegsterben der alteingesessenen Eigenheimer ist der wahrscheinliche Niedergang des Bochumer Opel-Werks. Wie sonst nur Mittelstädte wie Wolfsburg, Ingolstadt, Kaiserslautern oder Landshut hängt die Großstadt Bochum stark an der kriselnden Autoindustrie. Rund um das Opel-Werk mit seinen 5000 Mitarbeitern hat sich eine komplexe Zulieferindustrie angesiedelt. Direkt und indirekt hängen 25.000 Arbeitsplätze in Bochum an Opel. Die Auswirkungen der Autokrise am Immobilienmarkt würden wahrscheinlich „nicht so drastisch sein wie vielleicht in Niederbayern“, hofft Wolfgang Loke von der kommunalen Wohnungsmarktbeobachtung der Stadt Bochum.

Wenn Autozulieferer im Freistaat Werke dichtmachen, sei mit deutlich mehr Zwangsversteigerungen zu rechnen, weil die relativ gut bezahlten Mitarbeiter sich auf dem Land fremdfinanzierte Einfamilienhäuschen gebaut haben. Die Opelaner in Bochum wohnten dagegen zur Miete. Doch dass ein regionaler Markt mit knapp 180.000 Wohnungen einen solchen Schock nicht einfach wegstecken könnte, liegt auf der Hand. Viele Arbeitslose wären gezwungen, in billigere Wohnungen umzuziehen. Die – in Bochum bei durchschnittlichen Nettokaltmieten von rund 5,50 Euro ohnehin nicht allzu üppigen – Mietrenditen kämen weiter unter Druck.

Preisschere öffnet sich

Dienstleister in der Krise. In Frankfurt müssen nicht nur die Banken künftig kleinere Brötchen backen: Die Finanzkrise dringt in alle hier so stark konzentrierten Dienstleistungsbranchen vor. Auch die Jobs von Beratern, Wirtschaftsprüfern, Juristen oder Werbern sind gefährdet. Hinzu kommt: Vor allem in der mittleren Preisklasse ist die Auswahl in Frankfurt dank zahlreicher Neubauprojekte groß. Dennoch macht sich die Krise auf dem Immobilienmarkt noch nicht bemerkbar. Die Frankfurter müssen im Bundesvergleich immer noch tief in die Tasche greifen: Bei neu gebauten Mittelklasse-Eigentumswohnungen zahlen sie durchschnittlich 2800 Euro für den Quadratmeter. Für Top-Lagen im Westend, in Sachsenhausen oder im Nordend geben Banker oder Berater mehr als 4000 Euro pro Quadratmeter aus. „Viele verkaufen ihr Haus im Taunus und ziehen wieder in die Innenstadt, sobald die Kinder auf eigenen Beinen stehen. Diese Käufer suchen dann auch hochpreisige Wohnungen in erstklassigen innenstadtnahen Lagen“, sagt Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Bauträgergesellschaft ABG-Holding.

Wie die Qualität der Immobilien, so geht auch die Preisschere weit auseinander: „Bei den Verkäufen steigt der Anteil von Wohnungen mit Preisen über 350.000 Euro, und es werden auch schon mal 8000 Euro für den Quadratmeter einer Eigentumswohnung gezahlt“, so Michael Debus, Leiter des Gutachterausschusses der Stadt. Allerdings werden auch immer mehr Wohnungen zu unter 1000 Euro pro Quadratmeter angeboten. In Vierteln wie Bonames, in denen einst überteuerte Eigentumswohnungen von Finanzverkäufern unters Volk gebracht wurden, schmieren die Preise ab. Besser läuft es in innenstadtnahen Vierteln wie Nordend und Bornheim.

Nahverkehrsbereich gefragt

Dass auch in der Mainmetropole längst nicht mehr alles geht, musste Sophie Schöller (* Name von der Redaktion geändert) leidvoll erfahren. Seit einem Jahr steht ihre 95 Quadratmeter große Eigentumswohnung im Stadtteil Eschersheim leer. Für 247.000 Euro will derzeit niemand die 2001 gebauten vier Zimmer kaufen. Tiefgarage, eigener kleiner Garten und die ruhige Lage in einer Sackgasse – all das reichte noch nicht. Ein Interessent sprang im letzten Augenblick wegen Finanzierungsproblemen ab.

Familien zieht es vor allem in die nahe gelegenen Kleinstädte Kronberg, Bad Soden, Bad Homburg. Dort sind die Preise hoch, aber das Umfeld ist vor allem für Familien mit Kindern besser. Gute Nahverkehrsanschlüsse bringen Pendler in maximal 30 Minuten in die City.

Klaus Jakobs allerdings wird auf jeden Fall in Franfurt bleiben. Für eine Wohnung will er 350.000 Euro ausgeben – und das möglichst schnell: „Die Makler verbreiten schon, dass es viele von unserer Sorte gibt und deshalb die Preise steigen.“ Ein wenig beneide er Bekannte, die bereits in der eigenen Wohnung sitzen, sagt Jakobs: „Es gibt schon die Angst, zu spät dran zu sein.“ An Sophie Schöllers Wohnung in Eschersheim ist er trotzdem nicht interessiert: „Zu klein, zu weit draußen – kein Potenzial.“

Auch überzeugte Mieter lernen eben schnell dazu.

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