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Interhyp-CEO Utecht „Die Deutschen sind deutlich konservativer als Hauskäufer in anderen Ländern“

Seit 2017 ist Jörg Utecht Vorstandsvorsitzender von Interhyp. Quelle: Interhyp

Interhyp ist der größte Kreditvermittler Deutschlands. Im Interview erklärt CEO Jörg Utecht, ob sich Hauskäufer zu übernehmen drohen – und inwiefern Zinsdumping ein Problem ist.

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Nicht einmal der teure Immobilienboom hält die Deutschen vom Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung ab. Die Zahl der Neuabschlüsse bei Krediten bleibt auf hohem Niveau. Ein Profiteur: der Kreditvermittler Interhyp. CEO Jörg Utecht, 47 Jahre alt, sorgt sich aber nicht um eine Immobilienblase. Die Deutschen, sagt er, finanzierten noch immer konservativ.

WirtschaftsWoche: Herr Utecht, die Immobilienpreise steigen seit Jahren, und auch die Zinsen sind – wenn auch auf niedrigem Niveau – gestiegen. Ist Ihre Arbeit als Kreditvermittler schwieriger geworden?
Jörg Utecht: Ganz im Gegenteil. Gerade jetzt ist es eine sehr gute Zeit für Kreditvermittler wie Interhyp. Die Kunden suchen eine kompetente Betreuung. Wir streben an, eine solide Finanzierung des Wunschobjekts zu ermöglichen.

Die Sehnsucht der Deutschen nach einem Eigenheim ist groß, der finanzielle Spielraum mancher aber eher klein. Drohen sich Hauskäufer in spe nicht finanziell zu übernehmen?
Das Problem sehe ich nicht. Der Eigenkapitaleinsatz bleibt insgesamt auf einem hohen Niveau. Der durchschnittliche Kreditnehmer bringt lehrbuchmäßig 20 Prozent an Eigenleistung mit. Damit sind die Deutschen deutlich konservativer als Hauskäufer in anderen Ländern. Und nicht nur das: Das Geld, das sie durch die immer noch niedrigen Zinsen sparen, investieren sie in die Tilgung. Im Durchschnitt tilgen deutsche Hauskäufer über drei Prozent, also sehr sicherheitsorientiert.

Viele Käufer würden in dieser Boomphase auch Horrorhäuser absolut überteuert kaufen. Sehen Sie Interhyp da in der Verantwortung, auch mal Kreditanträge abzulehnen?
Das klingt sehr theatralisch. Natürlich gibt es auch Kreditanträge, die wir als eng empfinden – zum Beispiel, wenn die Kunden wenig Eigenkapital mitbringen. Unsere Einschätzung machen wir den Kunden auch transparent und führen einen Dialog mit ihnen. Wenn sie den Weg dann wirklich gehen wollen, stellen wir einen Kreditantrag bei einem Bankanbieter, bei dem die Finanzierung am ehesten klappen könnte. Im Vorfeld zeigen wir den Kunden natürlich die Wahrscheinlichkeit auf, ob die Bank da mitmachen würde. Es kommt aber auch vor, dass unsere Berater den Kunden vom Kauf vorerst abraten und ihnen empfehlen, noch ein paar Jahre zu sparen.

Über Interhyp wurden im vergangenen Jahr 120.000 Immobilienkredit abgeschlossen. Wie viele Anträge gehen denn im Jahr bei Ihnen ein?
Wir messen nicht, wie viele Anträge eingehen, sondern schauen auf deren Qualität. Solch eine Quote hätte überhaupt keine Relevanz. Es macht doch einen Unterschied, ob ein Kunde seine finanziellen Möglichkeiten bei einem imaginären Kredit einschätzen lassen möchte oder ob er für eine konkrete Immobilie in drei Wochen einen Notartermin hat. Interhyp hat kein Interesse daran, nur möglichst viele Anträge zu bekommen.

Interhyp vergleicht die Konditionen von 500 Banken. Zwei Drittel der kreditgebenden Banken bleiben also unberücksichtigt. Es gibt also nicht unbedingt das beste Angebot bei Ihnen?
Wir bilden die relevanten Immobilienfinanzierer ab. Selbstverständlich können Kunden in bestimmten Konstellationen anderswo bessere Konditionen bekommen – aber das ist kein Phänomen, das mich massenweise beschäftigt. Das ist ganz normaler Wettbewerb.

Manche Kunden holen sich nach der Beratung bei Interhyp Angebote bei einer Filialbank ein und versuchen damit, den Zins bei Ihnen weiter zu drücken. Ist Zinsdumping ein Problem für Sie?
Wir und unsere Bankpartner kennen diese Verhaltensweisen. Wir machen daraus kein Spiel, zumal wir bei den Konditionen auf Augenhöhe liegen. Aus Kundensicht ist so ein Vorgehen natürlich legitim, aber letztlich ineffizient. Diese Art „Cost-Check“ gibt es, bedeutet aber für alle Parteien viel Aufwand, meist ohne Erfolg.

Interhyp steht unterm Dach der ING. Beeinflusst diese Beziehung nicht das Vermittlungsgeschäft?
Ich bin seit 13 Jahren bei Interhyp tätig und habe nie eine Einflussnahme der ING auf unseren Finanzierungsmix erlebt. ING hat von Anfang an erkannt, dass für die Interhyp der einzig funktionierende Weg die völlige Unabhängigkeit ist. Kunden bekommen bei uns eine vollkommen unabhängige Beratung.

Interhyp hat eine große Marktmacht. Wie wirkt sich das auf die Banken auf?
Wir sind mit den Banken täglich im Austausch und sprechen mit ihnen über eine Verbesserung der Konditionen und deren Angebot. Interhyp hat dafür gesorgt, dass die Banken ihr Standardrepertoire erweitern, wenn sie wettbewerbsfähig sein möchten. Sondertilgungsmöglichkeiten sind nichts besonderes mehr. Wenn ein Bankpartner beispielsweise eine zu kurze bereitstellungszinsfreie Zeit anbietet, gehen die Kunden zur Konkurrenz. Unser Geschäftsmodell macht die Banken also verbraucherfreundlicher.

Mehr zum Thema: Kreditplattformen wie Interhyp, Dr. Klein oder Smava versprechen günstige Top-Konditionen. Doch nicht immer bekommen Kunden dort wirklich das beste Angebot.

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