IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick "Makler und Vermieter werden zum Sündenbock gemacht"

Ab dem 1. Juni zahlt den Wohnungsmakler, wer ihn bestellt. Mieter sind froh, weil Vermieter künftig die Provision zahlen. Für Mieter wird es trotzdem schwieriger und teurer, prophezeit Jürgen Schick, Vizepräsident des größten Maklerverbandes IVD.

Hier droht die nächste Immobilienblase
SchwedenBilliges Geld und die Möglichkeit, einen Teil der Hypothekenzinsen vom zu versteuernden Einkommen abzusetzen, haben das Schuldenmachen in Schweden gefördert. Finanzminister Anders Borg spricht seit längerem von „ernsthaften Risiken“ der zu hohen privaten Verschuldung. Durch verschiedene Maßnahmen versucht die schwedische Regierung, die Gefahr der Blasenbildung zu entschärfen. Sie senkte die erlaubte Beleihungsgrenze für Darlehen von 95 Prozent auf 85 Prozent des Marktwerts der Immobilie. Doch die Preise steigen weiter, allein zwischen März und Mai diesen Jahres um zwei Prozent, wie das Statistische Zentralamt am Donnerstag mitteilte. Und die nächste Gefahr lauert bereits in Form von noch billigerem Geld: Im Juli, so prognostizieren die meisten Analysten, wird die Zentralbank den Leitzins auf 0,5 Prozent senken. Quelle: ZB
KanadaAngesichts der hohen Verschuldung der kanadischen Privathaushalte bei etwa 160 Prozent des verfügbaren Einkommens beobachten Regierung und Bank of Canada auch den Immobilienmarkt genau. Brennpunkte sind die Pazifikstadt Vancouver, die Ölmetropole Calgary und die Finanzmetropole Toronto (Bild), wo selbst die Finanzkrise den Boom kaum unterbrochen hat. "Der kanadische Immobilienmarkt marschiert unermüdlich weiter", stellt die BMO Capital Markets in einer Analyse fest. Quelle: dpa
In den vergangenen Jahren hatte der mittlerweile verstorbene Finanzminister Jim Flaherty vor der Verschuldung der Privathaushalte gewarnt. Als kanadische Banken im Frühjahr 2013 begannen, die 5-Jahres-Hypothekenzinsen unter 3 Prozent zu senken, pfiff er sie zurück. Sein Nachfolger Joe Oliver scheint dagegen weniger geneigt zu sein, in die Geschäftsentscheidungen von Banken einzugreifen. Die Zentralbank befürchtet, dass der hohe Grad an Schulden und die üppigen Hauspreise im Vergleich zum Einkommen die Privathaushalte anfällig für wirtschaftliche Schocks machen. Die Warnungen scheinen beim Verbraucher angekommen zu sein: Der Zuwachs der Verschuldung hat sich zumindest verlangsamt. Quelle: dapd
NorwegenDie norwegische Zentralbank warnt immer wieder vor dem Platzen der Immobilienblase - geholfen hat es bislang nichts. In Norwegen sind die Immobilienpreise zwischen 2005 und Ende vergangenen Jahres um stolze 71 Prozent gestiegen. Nach einer kurzen Verschnaufpause bewegen sie sich in diesem Jahr wieder nach oben. Gleichzeitig ist die Verschuldung der Privathaushalte weiter gestiegen: Mittlerweile ist der durchschnittliche Norweger mit dem Fünffachen seines Jahreseinkommens verschuldet. Schärfere Kreditvergaberegeln haben bisher kaum gewirkt. Quelle: REUTERS
AustralienDie dramatisch gestiegenen Immobilienpreise entwickeln sich in Australien zu einem gesellschaftlichen Problem. In den 1980er-Jahren lebten noch bis zu 70 Prozent der Bevölkerung in ihrem eigenen Haus, heute können sich das immer weniger junge Menschen leisten. "Wir kommen in eine Situation, in der sich die Gesellschaft in zwei Teile spaltet", meint ein Soziologe, "die Immobilienbesitzer - und alle anderen". Der Trend begann 1993, als bekannt wurde, dass im Jahr 2000 die Olympischen Sommerspiele in Sydney ausgetragen werden. Innerhalb weniger Jahre verdoppelten sich die Immobilienpreise in Sydney - heute kosten sie bis zu siebenmal so viel. Quelle: REUTERS
Doch auch in anderen Metropolen steigen die Preise: Perth und Darwin profitierten von generös bezahlten Arbeitern in der boomenden Bergbauindustrie. Melbourne (Bild) spürt die Nachfrage kapitalstarker chinesischer Investoren. Immer weniger Australier können mit den Chinesen mithalten. Weil die Nachfrage nach Immobilien schlicht zu groß sei, scheint es eher unwahrscheinlich, dass in Australien die Blase nächstens platzen werde. Andererseits türmen sich die Schulden der Australier aber auch immer höher. Viele Familien stecken bis zu 60 Prozent ihres Einkommens in die Hypothek für das Eigenheim. Ein Einknicken des wirtschaftlichen Wachstums könnte dann schnell zu höherer Arbeitslosigkeit gefolgt von einer Welle von Privatbankrotten führen. Quelle: REUTERS
GroßbritannienIn Großbritannien schlagen Experten schon länger Alarm und warnen, dass eine Immobilienblase den Aufschwung gefährden könnte. Eine Erhöhung der Leitzinsen, wie von einigen gefordert, lehnt die Bank of England bisher allerdings ab. Doch Finanzminister George Osborne hat am Donnerstagabend verkündet, dass die Notenbank mehr Einflussmöglichkeiten bekommt, um auf anderen Wegen die Hypothekenvergabe zu bremsen. So könnte die Bank of England Grenzen setzen, damit Haushalte im Vergleich zu ihrem Einkommen keine übermäßig hohen Kredite aufnehmen. Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Dass Vermieter künftig die Maklercourtage zahlen, wenn sie diesen mit der Wohnungsvermittlung beauftragt haben, klingt fair. Warum wehrt sich Ihre Branche gegen dieses Bestellerprinzip?

Jürgen Michael Schick: Wir haben von Anfang an gesagt, ein echtes Bestellerprinzip ist nichts, was den Maklern Sorge bereiten muss. Die Branche hat sich aber darüber geärgert, was der Gesetzgeber auf den Weg gebracht hat, weil er eben kein echtes Bestellerprinzip verabschiedet hat. Das ist ein großer Etikettenschwindel.

Was stört Sie konkret?

Im Ergebnis ist das ein vermieterfeindliches Gesetz,  weil Vermieter in 99 Prozent der Fälle den Makler bezahlen müssen. Die Vermittler kannten bisher zwei Modelle: In entspannten Wohnungsmärkten war es bisher schon der Vermieter, der überall da, wo es weniger Nachfrage als Angebot gab, die Maklercourtage übernommen hat. In Großstädten war es häufig so, dass der Mieter die Provision übernommen hat. Das entfällt jetzt in Zukunft. 

Was Mieter und Vermieter über das Bestellerprinzip für Makler wissen müssen

Aber Mieter sollen doch auch weiterhin den Makler bezahlen, wenn Sie ihm den Auftrag zur Wohnungssuche erteilt haben. Was wäre denn ein echtes Bestellerprinzip?

Immer wenn es beiden Parteien, dem Vermieter und dem Mieter, tatsächlich möglich ist, einen Wohnungsvermittler entweder mit der Suche oder der Vermietung einer Wohnung zu beauftragen, würden wir von einem echten Bestellerprinzip nach marktwirtschaftlichen Prinzipien sprechen. Herausgekommen ist aber ein Gesetz, wonach ein Mieter gar keinen Suchauftrag mehr wirksam an den Makler übertragen kann. Die Idee des Gesetzgebers, dass Mieter einen Wohnungsvermittler beauftragen, ist lebensfremd. Das ist ein Gesetz, bei dem der Vermieter immer bezahlt. Hätte der Gesetzgeber das gleich so reingeschrieben, dann hätte man auch darüber streiten können, aber das wäre ehrlich, klar und einfach gewesen. Herausgekommen ist ein völlig verkompliziertes, verquastes Gesetz, das den verunsicherten Verbraucher zurück lässt. Der Mietsuchende ist dabei der Leidtragende.

Welche deutschen Städte bei Investoren angesagt sind

Warum der Mieter?

Ich will das an einem Beispiel deutlich machen:  Wenn Sie von Düsseldorf nach Hamburg ziehen wollen, aber keine Zeit für Wohnungsbesichtigungen vor Ort haben, würden Sie wahrscheinlich einen Makler in Hamburg um passende Wohnungsangebote bitten. Ab dem 1. Juni werden Sie aber das Problem haben, dass der ihnen keine Wohnung zeigen darf, die er schon in seinem Repertoire hat. Der Vermittler muss nach dem neuen Gesetz komplett neu zu suchen und potenzielle Vermieter fragen, ob sie denn eine Wohnung haben, die auf das Gesuch passt. Wenn er dann nach einigen Wochen die passende Wohnung gefunden hat, kann er ihnen diese zeigen. Wenn ihnen die Wohnung aber nicht gefällt, weil sie wahrscheinlich nicht die erstbeste nehmen, - im Durchschnitt gucken die Mieter in Deutschland acht Wohnungen an – kann er diese Wohnung keinem anderen mehr provisionspflichtig anbieten – das schließt das Gesetz aus. Die Wohnung ist für ihn sozusagen verbrannt. Das bedeutet im Ergebnis, dass der Makler seinem Auftraggeber zunächst gar keine Wohnung zeigen kann und nach ein paar Wochen vielleicht eine. Die Vorstellung, dass er Sie an einem freien Samstag durch Hamburg führt und Ihnen ein paar Wohnungen zeigt, ist völlig illusorisch. Wenn ein Wohnungssuchender in eine andere Stadt zieht, kann er diese Dienstleistung nicht mehr nachfragen.

Lässt sich die Vorschrift der exklusiven Wohnungsangebote durch neue Service-Angebote seitens der  Makler umgehen? Etwa, indem der Wohnungssuchende den Makler von der Exklusivitätspflicht befreit?

Das wäre eine glatte Umgehung mit einem Bußgeldtatbestand von 25.000 Euro. Das wird kein vernünftiger Dienstleister machen – und davon kann man auch nur dringend abraten.

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