IWF-Daten Immobilienpreise: Angst vor Blasen steigt

Der Internationale Währungsfonds sieht die hohen Immobilienpreise als zunehmende Gefahr für die finanzielle Stabilität. Besonders in Belgien und Kanada wird es kritisch.

Auch in Frankfurt werden Immobilien immer teurer. Quelle: dpa

Mit den immer weiter sinkenden Zinsen wächst die Angst vor Blasen am Immobilienmarkt. Nicht nur in Deutschland liegen die Preise für Häuser und Wohnungen weit über ihrem Durchschnitt. Deshalb warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) zuletzt sogar vor einem erneuten Crash an den Immobilienmärkten.

Die steigenden Immobilienpreise seien eines der Risiken für die Stabilität der Wirtschaft, so der IWF. Laut neuen Daten des Fonds sind die globalen Hauspreise zuletzt sieben Quartale in Folge gestiegen. Zwar ist das hohe Niveau der Jahre 2007 und 2008 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise noch nicht erreicht, dennoch sehen die IWF-Forscher insbesondere für einige Länder das Risiko einer Überhitzung.

In einigen Ländern haben sich die Immobilienpreise deutlich von den Einkommen abgekoppelt. Vor allem in Belgien liegen sie verhältnismäßig deutlich höher, aber auch in Kanada, Australien und Neuseeland. Auch im Fall von Norwegen und Schweden ist der IWF pessimistisch. Insbesondere in Schweden müsse die Verschuldung der privaten Haushalte bei Immobilien gedämpft werden, so teilte der IWF am Freitag in seinem jährlichen Bericht zu dem skandinavischen Land mit. Finanzielle Instabilität sei zunehmend ein Grund zur Sorge. Sollten die hohen Immobilienpreise schnell schrumpfen, könne sich das negativ auf Konsum, Beschäftigung und das Wachstum auswirken.

Ein Phänomen, welches vielen noch von der Finanzkrise 2008 und dem Immobiliencrash in den USA in schmerzhafter Erinnerung ist. Schließlich waren es zunächst faule Immobilienkredite und überhöhte Hauspreise, die Banken und Staaten weltweit in Gefahr brachten und die Krise auslösten.

Deswegen streben der IWF und die nationalen Notenbanken mehr Kontrolle über die Immobilienmärkte an. Die Bank of England beispielsweise soll künftig Instrumente erhalten, um den insbesondere in London kräftig überhitzten Häusermarkt besser kontrollieren zu können. Beispielsweise soll die Zentralbank festlegen dürfen, wie stark sich Hauskäufer verschulden dürfen. Notenbanker Mark Carney hatte den Immobilienmarkt als das größte Risiko für einen nachhaltigen Aufschwung bezeichnet.

Das Dilemma ist klar. Durch die Mini-Zinsen an den Märkten werden auch Immobilienkredite immer erschwinglicher, Häuser mutieren wieder zur einzig wahren Altersvorsorge. Um die Erfahrungen der Finanzkrise 2008 nicht zu wiederholen, will der IWF die Entwicklungen am Immobilienmarkt künftig stärker kontrollieren. Zuletzt stellte der Währungsfonds eine neue Webseite vor, auf der vor allem Daten über die globalen Immobilienmärkte gesammelt und analysiert werden sollen. Der Fonds erhofft sich, Preisblasen so schneller erkennen zu können. Weitere Tools zur Kontrolle seien in der Entwicklung, so der IWF.

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Allerdings ist die Entwicklung global noch nicht ganz so dramatisch wie 2007, das Bild ist differenzierter. So ist Immobilienbesitz in einigen Ländern auch deutlich günstiger geworden. Dazu gehören vor allem die Euro-Krisenländer Griechenland, Italien und Spanien. Dieses Mal sind es vielmehr einzelne Märkte und Regionen, die bereits jetzt deutliche Zeichen der Überhitzung zeigen. Zuletzt warnte die Notenbank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vor einer Blase, auch der Immobiliensektor in China macht dem IWF seit längerem Sorgen. In Großbritannien ist vor allem der Finanzplatz London das Epizentrum der Sorgen, dort stiegen die Preise am stärksten.

Auch in Deutschland konzentriert sich die Angst um mögliche Blasen vor allem auf Großstädte wie Frankfurt, Hamburg oder München. In den ländlichen Regionen sind die Preise dagegen teilweise rückläufig. Daher rangiert die Bundesrepublik auf dem Risikoradar des IWF bisher auch relativ weit unten. Zwar sind die Preise auch in Deutschland gestiegen, in Relation zum Einkommen sind Immobilien insgesamt aber noch erschwinglich, so die Daten des IWF.

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