Kostenexplosion Mieten drücken Familien unter Hartz-IV-Niveau

Wegen hoher Mieten rutschen viele einkommensschwache Familien unter Hartz-IV-Niveau. In 60 von 100 Städten haben sie nach Abzug der Miete weniger Geld zur Verfügung als den Hartz-IV-Regelsatz.

Hier frisst die Miete das Gehalt auf
Die Mieten in den deutschen Großstädten werden nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auch im nächsten Jahr kräftig steigen. Die Wissenschaftler rechnen mit einem Anstieg von durchschnittlich 3,5 Prozent, Kaufpreise legen demnach sogar um 6,5 Prozent zu. „Nach mehreren Jahrzehnten stagnierender Immobilienpreise befindet sich der deutsche Immobilienmarkt seit 2010 in einer Boomphase“, teilte das Institut mit. Ursache sei vor allem Wohnungsknappheit in den Städten, in die immer Menschen zögen. Besonders schlimm ist das in... Quelle: ZB
...Hamburg. In der Hansestadt eine freie Wohnung zu finden, ist eine regelrechte Herkules-Aufgabe: In der Hansestadt gibt es nur 1,5 Prozent Leerstand. Wegen des knappen Angebotes stieg der Preis deshalb binnen fünf Jahren um 26 Prozent. Das hat die Stiftung Warentest ermittelt. Quelle: dpa
Platz 6: Dresden Quelle: dpa
Platz 9: Hannover Quelle: obs
Platz 2: Berlin Quelle: dpa
Platz 8: Bremen Quelle: dapd
Platz 7: Köln Quelle: dpa

Durch die Mietausgaben haben in vielen größeren Städten in Deutschland einkommensschwache Familien einer Studie zufolge weniger Geld zur Verfügung als Hartz-IV-Haushalte. In 60 der 100 größten Städte blieben einer vierköpfigen Familie, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdiene, nach Abzug der Miete weniger als 1169 Euro übrig, erklärte die Bertelsmann-Stiftung am Montag.

Die Mietpreise erhöhten somit das Armutsrisiko: Die Zahl der in armen Verhältnissen aufwachsenden Kinder insgesamt sei größer als nur die Zahl der Kinder, deren Familien die Grundsicherung Hartz IV bezögen. Bundesweit leben derzeit rund 1,63 Millionen Kinder unter 14 Jahren in Hartz-IV-Haushalten. Das sind rund 15 Prozent dieser Altersgruppe.

Was ist ein Mietspiegel?

In Jena etwa kommt laut der Modellrechnung der empirica AG im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung eine einkommensschwache Familie nach Abzug der Mietkosten auf monatlich 666 Euro. Ihr verfügbares Einkommen liege damit 43 Prozent unter dem Niveau der Grundsicherung. Ähnliche Auswirkungen hätten die Wohnkosten in Frankfurt am Main, Freiburg und Regensburg. "Familien aus der unteren Mittelschicht und oberen Unterschicht geraten in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt finanziell stark unter Druck. Armut muss in Deutschland stärker regional erfasst und bekämpft werden", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Jeder zweite Euro geht für die Miete drauf

Das regionale Einkommens- und Mietpreisniveau kann sich umgekehrt auch positiv bemerkbar machen. In Heilbronn etwa, wo relativ hohe Durchschnittseinkommen auf einen entspannteren Wohnungsmarkt träfen, habe eine einkommensschwache Familie im Durchschnitt 1941 Euro zum Lebensunterhalt übrig. Das seien 66 Prozent mehr als in der Grundsicherung.

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Dementsprechend unterscheide sich der Anteil der Wohnkosten am gesamten Familieneinkommen. In Frankfurt am Main, Jena, Freiburg und München müssten einkommensschwache Familien mindestens jeden zweiten Euro für die Miete ausgeben, in anderen Städten nur jeden fünften Euro. Im Bundesdurchschnitt liegen die Mietausgaben bei etwa 30 Prozent des Haushalts-Einkommens.

Grundlage der Studie waren den Angaben zufolge Daten der amtlichen Haushaltsbefragung 2011 (Mikrozensus) und empirica-Daten zu den Preisen von Immobilienangeboten.

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