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Mieter, Käufer, Sanierer Mieterstreit - Tauziehen im Treppenhaus

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Fristlos gekündigt

So lesen Sie Immobilienanzeigen richtig
Französischer BalkonEigentlich leuchten die Augen eines jeden Wohnungssuchenden, wenn das Wort Balkon in der Anzeige steht. Ist es allerdings ein französischer Balkon, dürfen sich Interessenten nicht zu viel erhoffen. Oft handelt es sich dabei lediglich um eine Art Austritt. Zwar hat der Mieter dann ein bodentiefes Fenster und kann eventuell den Fuß nach draußen setzen, ein Frühstück an der frischen Luft wird aber aufgrund des Platzmangels schwierig. Quelle: obs
Biotop im GartenEin schöner, individuell angelegter Garten - das klingt verlockend. Nicht selten ähnelt der tatsächliche Garten dann eher einem Tümpel als einer natürlichen Parkanlage. Quelle: dpa
Aufstrebendes ViertelWohnen im aufstrebenden Viertel ist zwar sehr schön, aber in der Regel auch sehr teuer. Die Mieten steigen, wie hier im Frankfurter Ostend, deutlich schneller als in anderen Gegenden. Seit die Europäische Zentralbank verkündete, dass sie vom Willy-Brandt-Platz ins Ostend zieht, ist das Wohnen dort deutlich attraktiver geworden. Ein weiteres Problem: Auch in aufstrebenden Vierteln wird meistens gebaut und saniert was das Zeug hält. Quelle: dpa
HandwerkerwohnungAn dieser Wohnung muss wirklich etwas getan werden - und zwar von Profis. Hier sollte also nur zugreifen, wer viel Zeit und Renovierungsgeschick mitbringt. Außerdem sollten aus Ausgleich für die Arbeiten mietfreie Monate rausgehandelt werden. Quelle: dpa
Umgebung mit hohem FreizeitwertWer hier wohnt, muss sich um seine Abendgestaltung keine Sorgen machen. Allerdings dürfte es auch nachts laut sein, Ruhestörungen sollten also fest eingeplant werden. Quelle: dpa
Mietfreier MonatSo viel Glück kann gar keiner haben. Zumindest nicht bei der aktuell angespannten Lage auf den Immobilienmärkten. Vermieter, die einen kostenfreien Monat anbieten, sind mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit im Besitz einer Immobilie, die kein Mensch haben möchte. Quelle: dpa
DenkmalgeschütztHäuser, die unter Denkmalschutz stehen, sind normalerweise besonders alt und oft auch besonders schön. Allerdings ist dem Mieter bei solchen Immobilien meist jegliche bauliche Veränderung untersagt. Quelle: dpa

So reklamierten Mieter eines Hauses in Bayern baubedingten Schimmel und überwiesen 20 Prozent weniger Miete. Der Vermieter behauptete dagegen, die Mieter hätten zu wenig gelüftet. Er klagte die Miete ein und kündigte fristlos. Der Bundesgerichtshof gab ihm recht (VIII ZR 138/11). Da die Mieter zwei Aquarien und ein Terrarium besaßen, hätten sie wegen der erhöhten Luftfeuchtigkeit öfter lüften müssen.

Meist ist es ratsam, den Vermieter über den Mangel zu informieren und die Miete unter Vorbehalt zu zahlen. So sichern sich die Mieter das Recht, die Miete zu mindern, ohne eine Kündigung zu riskieren.

Schneller draussen

Mieter, die nach Ablauf von mehr als zwei Monaten mindestens einen Betrag in Höhe von zwei Monatsmieten schuldig bleiben, können vom Vermieter fristlos gekündigt werden. Wer vorübergehend klamm ist, sollte versuchen, sich mit dem Vermieter auf einen Zahlungsaufschub zu einigen.

Wie viele Mieter prinzipiell nicht zahlen, sondern weiterziehen wollen, ist umstritten. Statistiken über Mietnomaden gibt es nicht. Vermieter verzichten meist auf Klagen, weil bei den Mietprellern meist nichts zu holen ist. Der Eigentümerverband Haus & Grund schätzt die Zahl der Mietnomaden auf 15.000, der Deutsche Mieterbund dagegen rechnet nur mit etwa 1000.

Um Eigentümer besser vor Mietnomaden zu schützen, können Eigentümer nach neuem Mietrecht säumige Mieter und deren unberechtigte Untermieter per einstweiliger Verfügung schneller vor die Tür setzen. So müssen Vermieter nicht gegen jeden Bewohner einer Mietwohnung eine Räumungsklage einreichen. „In der Vergangenheit haben Mietnomaden Verwandte oder Freunde als Untermieter einquartiert, um eine Räumung aufzuschieben“, sagt Ingo Apel, Vorstand von Haus & Grund in Düsseldorf. Bisher hätten sich Vermieter für jeden neuen Bewohner nochmals bei Gericht bemühen müssen. Wertvolle Zeit, in der weitere Mietausfälle aufliefen, sei so verstrichen.

Au-Pair gilt als Eigenbedarf

Mitunter wollen sich Eigentümer auch von zuverlässigen Mietern trennen, weil sie die vermieteten Räume selbst nutzen wollen. Damit Vermieter bei der Kündigung wegen Eigenbedarf nicht tricksen, um die Immobilie später doch mieterfrei verkaufen zu können, hat der Gesetzgeber eine Reihe von Bedingungen definiert:

  • Vermieter müssen berechtigte Gründe vorweisen können – beispielsweise die Unterbringung einer Pflegekraft für hilfsbedürftige Angehörige oder benötigter Wohnraum für nahe Verwandte.
  • Sie können wegen Eigenbedarf nur innerhalb gesetzlicher Fristen kündigen.
  • Stellt die Kündigung eine soziale Härte für die Mieter dar, können sie Widerspruch einlegen. Das gilt etwa, wenn Mietern aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustands ein Umzug nicht zuzumuten wäre.

Zuletzt hat die Mehrzahl der Richter bei strittigen Fällen für die Eigentümer entschieden. Bekanntestes Urteil ist der Au-pair-Fall. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte eine Kündigung wegen Eigenbedarf für rechtens erklärt, bei der der Eigentümer eine Kinderbetreuerin in seinem Haus unterbringen wollte (VIII ZR 127/08).

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