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Mieter, Käufer, Sanierer Mieterstreit - Tauziehen im Treppenhaus

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Streit um Betriebskosten

So schützen Sie sich gegen zu hohe Nebenkosten
Derzeit verschicken viele Vermieter wieder die jährlichen Betriebskostenabrechnungen. Darin enthalten sind die Kosten für Heizung, Abwasser oder den Hausmeister. Allerdings sollten die Mieter die Rechnung, die ihnen hierfür ins Haus flattert, genau kontrollieren. Denn jede zweite Kalkulation ist nach den Erfahrungen der Mieterschutzvereine fehlerhaft. Quelle: dpa
NachrechnenZunächst sollte die aktuelle Abrechnung mit der des Vorjahres verglichen werden. Bei Ungereimtheiten können Mieter bei Vermieter oder Hausverwaltung nachfragen. Sie haben auch das Recht, Einsicht in Originalbelege und -rechnungen zu bekommen. Quelle: dpa
Jede Abrechnung muss zudem einige Mindestangaben enthalten. Welche Punkte das sind, können Mieter anhand einer Checkliste überprüft, die beim Deutschen Mieterbund (DMB) und örtlichen Mietervereinen erhältlich ist. Ist die Nebenkostenabrechnung unverständlich oder fehlerhaft, können sie Nachbesserung verlangen und müssen so lange nicht zahlen. Quelle: dpa
VergleichenMit Hilfe des Heizspiegels 2012 können Mieter ermitteln, ob die ihre Heizkosten niedrig oder zu hoch sind. Bei zu hohem Verbrauch kann ein Heizgutachten angefordert werden, bei dem die Abrechnung überprüft und Vorschläge für eine Senkung von Energieverbrauch und -kosten gemacht werden. Quelle: gms
Mieter können auch versuchen, den Eigentümer zu Sanierungsmaßnahmen zu motivieren. „Das Geld, das an die Gasunternehmen und Ölscheichs gezahlt wird, geht auch für Vermieter verloren“, sagt Ulrich Ropertz vom Mieterbund. Deshalb sollten auch sie Interesse daran haben, keine Energieschleuder bereitzustellen. Quelle: dpa
Frau hält Geldscheine vor eine Heizung Quelle: dpa
Einspruch einlegenWer gegen seine Nebenkostenabrechnung Einspruch einlegen will, hat dafür maximal ein Jahr Zeit. Der Mieterbund rät aber, die Kosten innerhalb von vier Wochen zu beanstanden. Auf keinen Fall sollte der Mieter vor Beanstandung zahlen - das gilt als Einverständnis. Quelle: dpa

Mieteraktivisten stört die Kulanz der Richter. „Inzwischen reicht es schon aus, dass die Eigentümer die vermietete Wohnung als Arbeitszimmer nutzen wollen“, sagt Mirco Theiner, Geschäftsführer des Mieterbundes in Bonn. Zudem könnten Vermieter Mietwohnungen auch wegen des Bedarfs von Nichten und Neffen kündigen (BGH, VIII ZR 159/09).

Mieter können sich gegen eine Kündigung wegen Eigenbedarf wehren, wenn die Gründe vorgeschoben sind, Kündigungsfristen nicht eingehalten wurden oder bei sozialen Härten. In allen anderen Fällen ist ein Widerspruch nur sinnvoll, um Zeit für die Wohnungssuche zu gewinnen. Allerdings gibt es Ausnahmen. „Steht eine andere Wohnung im selben Mietshaus leer oder wird frei, ist der Eigentümer verpflichtet, sie dem gekündigten Mieter anzubieten“, sagt Thorsten Aigner, Rechtsanwalt in der Stuttgarter Kanzlei Flegl.

Eigentümern rät Anwalt Aigner, in der Kündigung den genauen Grund und die betroffenen Personen anzugeben. Es reiche nicht, hineinzuschreiben, dass irgendein Verwandter die Wohnung benötige. Bei formalen Fehlern hätten Mieter gute Chancen, die Kündigung rückgängig zu machen.

So wollen die Deutschen bei den Wohnkosten sparen
Eine Studie der BHW Bausparkasse zeigt: 82 Prozent der Deutschen halten Heiz- und Stromkosten für zu hoch. Ihrer Meinung nach verteuern die Energiekosten das Wohnen in hohem Maße. Deshalb wollen viele zum nächsten Jahr den Energieversorger wechseln. Abhängig vom persönlichen Energiebedarf lassen sich durch einen Wechsel mehrere hundert Euro im Jahr sparen, sagen Verbraucherschützer. Quelle: AP
Eigenheimbesitzer setzen aus den gleichen Gründen auf eine Sanierung ihrer Immobilie: Da wird gedämmt und runderneuert, was der Kreditrahmen hergibt, um die Energiekosten zu reduzieren. Solaranlagen seien besonders gefragt. Quelle: dpa
Viele sehen allerdings keinen anderen Weg mehr, als die Wohnung zu wechseln. Laut der Studie der BHW Bausparkasse überlegt jeder Dritte, in eine günstigere Wohnung zu ziehen. Dabei ist die Kaltmiete häufig nicht das Problem sondern die erwähnten Nebenkosten. Quelle: Fotolia
Um Kosten zu sparen, überlegen viele Mieter, in eine weniger begehrte Wohngegenden zu ziehen. Statistiken des Immobilienportals Immobilienscout24 zeigen eine regelrechte Abwanderung in unattraktivere Stadtteile. So gebe es beispielsweise in Berlin Bewegungen von Kreuzberg über Neukölln nach Wedding. Quelle: dapd
Viele wollen sich auch schlicht verkleinern und auf ein drittes oder viertes Zimmer verzichten. Das spart schließlich auch Energiekosten. Quelle: dpa

Ebenso umstritten wie Kündigungen, sind die Abrechnungen für Betriebskosten. Sabine Elsner-Petri etwa sollte für 2011 mehrere Hundert Euro Heizkosten für ihre 77 Quadratmeter große Wohnung in Hamburg-Winterhude nachzahlen. „Dabei habe ich gefroren, weil die veralteten Heizkörper für die Wohnung viel zu klein waren“, sagt sie. Zusätzlich sollte Elsner-Petri noch 500 Euro für Wasser nachüberweisen. „In der Betriebskostenabrechnung fehlte jegliche Begründung.“ Die 34-Jährige kürzte die Monatsmiete und zog später aus. Nächste Eskalationsstufe: Der Vermieter behielt den Großteil der Kaution ein. Daraufhin – dritte Stufe – schaltete Elsner-Petri eine Anwältin des Mietervereins ein.

Was die Versicherung bezahlt

Ein Rechtsstreit im Mietrecht kann teuer werden. Wenn es dumm läuft und der Kläger verliert, können die Kosten für Gericht, Anwalt und Gutachter höher sein als der Streitwert, etwa zu viel gezahlte Betriebskosten.

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