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Neue Förderung Was das Baukindergeld wirklich bringt

Baukindergeld: Was die neue Förderung Familien wirklich bringt Quelle: imago images

Der Staat bezuschusst den Immobilienkauf. Familien bekommen 12.000 Euro pro Kind, gestreckt über zehn Jahre. Das hilft im Immobilienboom etwas weiter. Doch längst nicht jede Familie hat Anspruch darauf.

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Seitdem das Baukindergeld im September 2018 eingeführt worden ist, hatten es binnen drei Monaten schon 47.741 Familien beantragt. Für jedes Kind können sie nun monatlich 100 Euro bekommen, zehn Jahre lang, in jährlichen Raten. In Summe also 12.000 Euro. In diesem Tempo werden die Anträge nicht weiter eingehen. Denn normalerweise müssen Immobilienkäufer spätestens drei Monate nach Einzug die Förderung beantragen. Bis Jahresende 2018 durften aber noch alle einen Antrag stellen, die seit Jahresbeginn 2018 und vor der Einführung des Baukindergelds am 18. September 2018 ihre Baugenehmigung erteilt bekommen hatten oder den notariellen Kaufvertrag unterzeichnet hatten. Damit wurden in den letzten Monaten des Jahres 2018 zahlreiche Fälle aus dem ganzen Jahr abgearbeitet.

Und das maximale Enddatum der Förderung steht auch schon - wenn die Regeln nicht später noch geändert werden. Für Vertragsunterzeichnungen oder Baugenehmigungen nach 2020 soll es auf keinen Fall mehr Geld geben. Sollte der vorgesehene Geldtopf - der für etwa 550.000 Familien reichen soll - vorher ausgeschöpft sein, würden Anträge sogar früher schon abgelehnt. Einmal bewilligt, fließt das Geld aber auf jeden Fall zehn Jahre lang.

Zeit für eine Bestandsaufnahme: Was bringt die neue staatliche Förderung? Und wer kann sie überhaupt nutzen?

Fakt ist: Da die stark gestiegenen Immobilienkaufpreise in den deutschen Städten selbst Gutverdienern Schwierigkeiten bereiten, würden viele sich über Unterstützung freuen. Wunder bewirkt das Baukindergeld allerdings nicht, wie die WirtschaftsWoche in der Titelgeschichte „Wie viel Haus können Sie sich leisten?“ zeigt. Kann ein Haushalt zehn Jahre lang monatlich 100 Euro mehr vom Kredit abzahlen, darf der Kredit zum Start etwa 10.000 Euro höher ausfallen. Bei zwei Kindern wären es also 20.000 Euro, bei drei Kindern 30.000 Euro. Das ist natürlich eine Menge Geld. Andererseits entspricht es typischerweise doch nur etwa zehn Quadratmetern mehr Wohnfläche, einer etwas besseren Ausstattung oder Lage vielleicht. Wer denkt, das Baukindergeld würde zum Beispiel den Sprung von der Wohnung zum Einfamilienhaus finanzieren, der wird enttäuscht werden. Kritiker des Baukindergelds befürchten auch, dass Verkäufer den staatlichen Zuschuss einpreisen – und bei typischerweise von Familien nachgefragten Objekten schlicht mehr Geld verlangen werden. Dann wäre den Käufern gar nicht geholfen.

Gefördert werden Neubauten oder Immobilienkäufe zur Selbstnutzung in Deutschland von Familien mit wenigstens einem Kind, das jünger als 18 Jahre ist und für das im Haushalt eine Kindergeldberechtigung vorliegt. Hat der Haushalt bereits Immobilieneigentum, egal ob selbstgenutzt oder vermietet, hat er keinen Anspruch auf das Baukindergeld. Auch wenn vor dem Kauf bereits eine Immobilie gegen Nießbrauch übertragen worden ist, selbst anteilig, gibt es kein Geld.

Wer kann wie viel finanzieren? Vier Beispiele
Paar, 45 Jahre, 1 Kind70.000 Euro Netto-Jahreseinkommen und 150.000 Euro EigenkapitalWie viel können sie ausgeben?Wenden beide rund 40 Prozent des Nettoeinkommens für Zins, Tilgung und Wohnnebenkosten auf, sind 317.500 Euro Darlehen finanzierbar. Laufende Kosten: 2000 Euro für den Kredit (Zins und Tilgung bis zum 60. Geburtstag), 500 Euro an Wohnnebenkosten (116 qm) = 2500 Euro im Monat. Verfügbares Kapital: Kredit + Eigenkapital = 467 500 Euro. Nach Abzug von zehn Prozent Kaufnebenkosten sind rund 425.000 Euro Kaufpreis tragbar. Was bekommen sie dafür?In Großstädten oder beliebten Mittelstädten sind 110 bis 130 Quadratmeter große Wohnungen realistisch, allerdings nicht zentral gelegen und bei überschaubarer Auswahl. Kleinere Häuser gibt es in Stadtrandlagen wie Berlin-Köpenick, Köln-Auweiler oder Münster-Hiltrup. In München reicht es für eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung in eher einfacher Lage wie Neuperlach. Die große Analyse "Wie viel Haus können Sie sich leisten?" Finden sie hier. Quelle: Illustration: Martin Haake
Paar, 40 Jahre, kein Kind60.000 Euro Netto-Jahreseinkommen und 100.000 Euro ErspartesWie viel können sie ausgeben?Wenden beide rund 40 Prozent des Nettoeinkommens für Zins, Tilgung und Wohnnebenkosten auf, sind 329.000 Euro Darlehen finanzierbar. Laufende Kosten: 1650 Euro für den Kredit (Zins und Tilgung bis zum 60. Geburtstag), 430 Euro an Wohnnebenkosten (100 qm) = 2080 Euro im Monat. Verfügbares Kapital: Kredit + Eigenkapital = 429.000 Euro. Nach Abzug von zehn Prozent Kaufnebenkosten sind rund 390.000 Euro Kaufpreis tragbar. Was bekommen sie dafür?In Großstädten oder begehrten Mittelstädten sind bis zu 100 Quadratmeter große Wohnungen drin, in guten bis mittleren Lagen. Häuser allenfalls in Stadtrandlagen, realistischer ist aber meist eine Doppelhaushälfte oder ein Reihenhaus. In München würde es für eine Zwei-Zimmer-Wohnung reichen, in Augsburg für ein Reihenhaus. Die große Analyse "Wie viel Haus können Sie sich leisten?" Finden sie hier. Quelle: Illustration: Martin Haake
Single, 35 Jahre,30.000 Euro Netto-Jahreseinkommen und 50.000 Euro EigenkapitalWas kann sie ausgeben?Wenn sie 40 Prozent des Nettoeinkommens für Zins, Tilgung und Wohnnebenkosten einsetzen will, sind 170.000 Euro Darlehen finanzierbar. Laufende Kosten: 770 Euro für den Kredit (Zins und Tilgung bis zum 60. Geburtstag), 258 Euro an Wohnnebenkosten (60 qm) = 1028 Euro im Monat. Verfügbares Kapital: Kredit + Eigenkapital = 220.000 Euro. Nach Abzug von zehn Prozent Kaufnebenkosten sind rund 200.000 Euro Kaufpreis tragbar. Was bekommt sie dafür?Eine 45 bis 60 Quadratmeter große Wohnung in mittlerer bis guter Lage, zum Beispiel in Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Augsburg und Regensburg. In München reicht das Kapital für 25 bis 40 Quadratmeter Fläche. Im Speckgürtel der Großstädte sowie in Städten wie Bremen, Bielefeld oder Leipzig wären mit Glück bis zu 100 Quadratmeter drin. Die große Analyse "Wie viel Haus können Sie sich leisten?" Finden sie hier. Quelle: Illustration: Martin Haake
Paar, 50 Jahre, 2 Kinder80.000 Euro Netto-Jahreseinkommen und 200.000 Euro EigenkapitalWie viel können sie ausgeben?Können beide rund 40 Prozent des Nettoeinkommens für Zins, Tilgung und Wohnnebenkosten einsetzen, sind 251.000 Euro Darlehen finanzierbar. Laufende Kosten: 2150 Euro für den Kredit (Zins und Tilgung bis zum 60. Geburtstag), 500 Euro an Wohnnebenkosten (116 qm) = 2650 Euro im Monat. Verfügbares Kapital: Kredit + Eigenkapital = 451 000 Euro. Nach Abzug von zehn Prozent Kaufnebenkosten sind rund 410.000 Euro Kaufpreis tragbar. Was bekommen sie dafür?In guten, citynahen Lagen beliebter Städte 70 bis 90 Quadratmeter große Wohnungen (in München bis 60 Quadratmeter); mehr Platz an eher cityfernen Standorten. Großzügige Häuser nur außerhalb der beliebten Städte in eher ländlichen Gegenden wie dem Nürnberger Land oder in Städten wie Essen, Wuppertal, Osnabrück und Mannheim. Die große Analyse "Wie viel Haus können Sie sich leisten?" Finden sie hier. Quelle: Illustration: Martin Haake
Wie wir gerechnet haben.Wie viel Immobilie erschwinglich ist, hängt vom Einkommen, den vorhandenen Ersparnissen und den angenommenen Kosten (Nebenkosten beim Kauf, Finanzierungskosten und laufende Kosten des Immobilieneigentums) ab. Wir gehen von einer soliden Finanzierung aus: Bis zum 60. Geburtstag soll die Immobilie schuldenfrei sein. An Kaufnebenkosten setzen wir zehn Prozent an (für Grunderwerbsteuer, Grundbuch, Notar und Makler). Zins, Tilgung und Wohnnebenkosten dürfen rund 40 Prozent des Nettoeinkommens ausmachen; Gehaltssteigerungen sind nicht eingeplant und dienen als Puffer. Die laufenden Wohnnebenkosten betragen angenommene 4,30 Euro je Quadratmeter und Monat (2,00 Euro für Strom/Gas, plus 1,50 Euro Instandhaltung und 0,80 Euro Hausrat- und Gebäudeversicherung) Die große Analyse "Wie viel Haus können Sie sich leisten?" Finden sie hier. . Quelle: Illustration: Martin Haake

Dieses Modell ist sehr verbreitet, etwa wenn Eltern ihren erwachsenen Kindern zu Lebzeiten Immobilienvermögen überlassen wollen, gleichzeitig aber noch in der Immobilie wohnen bleiben oder diese vermieten wollen. So können sie zudem die Freibeträge bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer alle zehn Jahre neu ausschöpfen. Beim Baukindergeld zeigen sich nun aber konkrete Nachteile des Modells. In einigen Fällen werden Familien aus diesem Grund auf die staatliche Leistung verzichten müssen. Unter sozialen Gesichtspunkten erscheint das gerechtfertigt, denn diese Familien haben zumindest perspektivisch selbst Zugriff auf Immobilieneigentum.

Unberücksichtigt bleiben auch alle Haushalte, die über gewissen Einkommensgrenzen liegen. Im vorletzten und vorvorletzten Jahr vor Antragstellung (2019 also in den Jahren 2016 und 2017) darf das zu versteuernde Einkommen bei einem Kind maximal 90.000 Euro im Jahresdurchschnitt betragen haben. Angesetzt wird das Einkommen des Antragstellers, des Ehe- oder Lebenspartners beziehungsweise des Partners in eheähnlicher Gemeinschaft. Mit jedem weiteren Kind unter 18 Jahren steigt die Grenze um 15.000 Euro.

Sie ist damit recht großzügig gesetzt, denn das zu versteuernde Einkommen bezieht sich auf den Betrag, der vom Bruttolohn (bei Angestellten) oder den Bruttoeinnahmen (bei Selbstständigen) nach Abzug von Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben, sowie nach Abzug von Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen und außergewöhnlichen Belastungen übrig bleibt. Laut der jüngsten verfügbaren Einkommensteuerstatistik des Statistischen Bundesamts (mit Datenstand allerdings von 2011) erreichte die Hälfte aller Steuerpflichtigen maximal 25.000 Euro an zu versteuerndem Jahreseinkommen. Geschätzt deutlich weniger als fünf Prozent der Steuerpflichtigen dürften laut dieser Auswertung die Grenze von 90.000 Euro überschreiten.

Um Anträge möglichst zügig und ohne bürokratischen Folgeaufwand bearbeiten zu können, sind die Regeln starr: Es kommt nur auf die Anzahl der Kinder unter 18 Jahren bei Antragstellung an. Kommen später weitere Kinder zur Welt, kann die Förderung für diese nicht noch beantragt werden. Andererseits ist es auch egal, wenn die Kinder vor Ablauf der zehn Jahre älter als 18 werden oder später ausziehen. Das Geld für sie fließt in diesem Fall weiter. Die Familie selbst darf aber nicht vor Ablauf von zehn Jahren ausziehen, sondern muss ununterbrochen in der Immobilie wohnen bleiben. Auch die Einhaltung der Einkommensgrenzen wird nur nach den skizzierten Regeln geprüft. Wer zum Beispiel im vorletzten und vorvorletzten Jahr noch besser verdient hat, mittlerweile aber - zum Beispiel wegen der Geburt von Kindern - weniger verdient, kann nicht nachweisen, dass das zu versteuernde Haushaltseinkommen unter die Grenze gerutscht ist und so doch Anspruch auf das Baukindergeld erhalten.

Beantragt wird das Baukindergeld bei der Förderbank KfW. Künftig sollen Antragsteller über dieses Portal auch die Dokumente hochladen können, mit denen sie die Einhaltung der Regeln nachweisen können (Steuerbescheide, Meldebestätigung, Grundbuchauszug). Noch ist dies allerdings nicht möglich. Die KfW geht davon aus, dass es von März an klappen soll.

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