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Porr-CEO Karl-Heinz Strauss „Und dann beginnt das Gejammer über die angeblich zu hohen Preise“

Karl-Heinz Strauss führt seit bald neun Jahren den Baukonzern Porr. Quelle: Presse

Der Bauboom füllt die Auftragsbücher der Baufirmen. Auch Karl-Heinz Strauss, Chef des Baukonzerns Porr, hat keinen Grund zur Sorge. Im Interview spricht er über seine Projekte in Katar und falsche Vorstellungen öffentlicher Auftraggeber.

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WirtschaftsWoche: Herr Strauss, die Weltwirtschaft gerät ins Trudeln: Brexit, Handelskonflikte und Konjunktursorgen trüben die Aussicht ein. Die Bauwirtschaft scheint das alles nicht zu bekümmern. Auch die Porr meldete gerade eine Rekordauftragslage. Wie lange wird der Bauboom noch anhalten?
Karl-Heinz Strauss: Diese Frage stellen wir uns bei der Porr natürlich auch. Ich kann Ihnen nur das sagen, was ich auch unseren Mitarbeitern sage, wenn sie mich fragen, wie lange es mit dem Baugeschäft noch aufwärts geht. Ich verweise dann auf unsere Unternehmensgeschichte. Am 8. April feiern wir das 150. Jubiläum der Porr. Sie ist das älteste an der Wiener Börse notierte Unternehmen. Und wenn wir zurückschauen, was in den letzten 150 Jahren seit 1869 alles passiert ist, dann müssen wir uns jetzt vor einer leichten Konjunkturabschwächung auch nicht fürchten. Die Porr hat zwei Weltkriege, den kalten Krieg, den Mauerfall, mehrere Ölpreiskrisen, Zinssteigerungen und verschiedene Wirtschaftsdepressionen überstanden.

Könnte eine abflauende Konjunktur die Baubranche aus dem Schritt bringen?
Ich beobachte zwar, dass sich viele vor einer Rezession fürchten, aber ich halte diese Furcht für unbegründet. Auch eine Zinserhöhung steht noch lange nicht im Raum. Selbst wenn die EZB die Zinsen anheben würde, hätte das im Infrastrukturbereich, wo wir massiv sanieren und ausbauen, kaum Auswirkungen. Die Pläne und das Geld für den Infrastrukturausbau sind in der gesamten Bundesrepublik vorhanden. Auch in Polen und Österreich, wo die Porr aktiv ist, laufen solche Programme. Und laufen in den erwähnten Ländern bis mindestens 2022. Sollten die Zinsen steigen, was allerdings auch mittelfristig nicht zu erwarten ist, könnte das Auswirkungen auf den Hochbau und Wohnungsbau haben. In diesen Bereichen könnte es dann selektiver werden. Aber noch einmal: Dieses Szenario ist nicht in Sicht.

Sie erwähnten gerade den Infrastrukturausbau. Mittlerweile wird in Deutschland so viel gebaut, dass speziell Kommunen sich zunehmend schwer tun leistbare Baufirmen für ihre Projekte zu finden. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Es ist sicher so, dass die Kapazitäten im Baugewerbe derzeit sehr angespannt sind. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es viele Jahre gedauert hat, bis die Sanierungsprojekte für die deutsche Infrastruktur nun endlich auf den Markt gekommen sind. Die Finanzmittel standen zwar schon länger zur Verfügung, allerdings wurden viele Projekte durch allerlei Einsprüche von Bürgerbewegungen etc. verzögert. Und nun kommen alle Projekte auf einmal. Natürlich beansprucht das die deutsche Bauindustrie ganz massiv. Zudem sind öffentliche Bauherren nicht bei allen Baufirmen gleichermaßen beliebt. Projekte mit privaten Bauherren zu verwirklichen ist eben oft eine Spur einfacher. Private planen mit realistischeren Budgets und sind – und das ist im Baugeschäft nicht zu unterschätzen – einfach entscheidungsfreudiger. Bei der öffentlichen Hand liegen leider oft unrealistische Budgets vor und dann beginnt das Gejammer über die angeblich zu hohen Preise.

Zur Person

Die Baufirmen sind nun aber auch nicht ganz unschuldig an den gestiegenen Preisen. Immerhin stiegen die Preise für Baudienstleistungen in den vergangenen beiden Jahren um mehr als neun Prozent.
Ich finde es nicht ganz fair, die gestiegenen Preise der Bauindustrie in die Schuhe zu schieben. Das stimmt einfach nicht. Der Druck auf unsere Margen ist extrem hoch, weil die Rohstoffpreise massiv angestiegen sind: Stahl ist teurer geworden, Beton wird teurer, die Löhne steigen, die Subunternehmer werden teuer. Aber noch einmal: Der Kardinalfehler der öffentlichen Auftraggeber liegt darin, dass sie mit unrealistischen Budgets planen. Durch die Preissteigerungen bei Rohstoffen sind die Preise nun einmal gestiegen. Und was man auch sagen muss: Viele Kunden haben ihre Baufirmen auch nicht immer gut behandelt. Dass Rechnungen nicht oder erst sehr spät bezahlt werden, kommt gerade im öffentlichen Bereich sehr häufig vor. Und natürlich sagen dann manche Baufirmen, dass sie sich eben andere Kunden suchen.

Gilt das auch für öffentliche Auftraggeber?
Das gilt sogar ganz besonders für öffentliche Auftraggeber. Denn wenn der Öffentliche von der Planung über die Bauzeiten bis hin zu den Kosten falsch kalkuliert und es dann zu Abweichungen kommt, wird schnell die Baufirma als der Schuldige ausgemacht. Und dann beginnt der Streit. Besser wäre es, wenn auch die öffentliche Hand Projekte von Anfang an realistisch planen würde. Zudem steht bei Öffentlichen stets nur der Preis im Vordergrund, aber nicht die Qualität. Deshalb bietet die Porr nur dann um Bestpreis-Aufträge mit, wenn auch die Qualität und die Qualifikation der Mitarbeiter eine Rolle spielen.

Mal ganz abseits von Deutschland. In welchen Ländern sieht die Porr das größte Wachstumspotential?
Unsere Heimmärkte sind Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien. Diese Märkte sind stabil, sicher und alle diese Märkte wachsen. Deshalb sind das auch unsere Zukunftsmärkte und hier werden wir auch noch viel breiter in die Wertschöpfung einsteigen. Dazu haben wir attraktive Projektmärkte wie die Slowakei oder Rumänien. Diese bewegen sich mittlerweile Richtung Heimmärkte. Zudem haben wir in Katar, Dubai, Norwegen, England, Schweden und Dänemark interessante Projekte laufen, besonders was den Bahn- und Tunnelbau betrifft.

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