Sonnenstrom Solardachbesitzern droht Nachrüstpflicht

Auf Betreiber von Photovoltaik-Anlagen kommen umfangreiche Umrüstungen zu. Wann die Nachrüstung nötig ist und was Betroffenen droht, wenn sie die Frist verpassen.

Solardachbesitzer müssen mit teuren Nachrüstpflichten rechnen Quelle: dpa

Des einen Freud, des andern Leid. Das gilt besonders auch für die Nutzung des Sonnenstroms. Während die privaten Erzeuger mit Solarmodulen auf dem Dach des eigenen Häuschens, der Garage oder Scheune trotz mittlerweile erheblich gesenkter Einspeisevergütungen dank lange laufender Alt-Verträge noch immer gutes Geld verdienen, müssen die Stromverbraucher den Sonnenstromzuschuss über ihre Stromrechnung anteilig mit bezahlen. Doch nicht nur, wenn es ums Geld geht, sorgen die Sonnenstromerzeuger aus Sicht der Kritiker immer mal wieder für Ärger. Auch die hohen Schwankungen der ins Netz eingespeisten Strommengen sorgen für Probleme, vor allem bei den Netzbetreibern.

Nun müssen private Betreiber von älteren Photovoltaik-Anlagen die Geräte nachrüsten, damit sie besser regelbar sind.

Probleme mit schwankenden Frequenzen

Hintergrund: Die Betreiber von Stromnetzen wie E.On oder RWE müssen zu jeder Zeit die Stromproduktion und die Stromnachfrage im Gleichgewicht halten. Der Stromnetzbetreiber steuert die Menge der Stromproduktion meist zentral. Die vielen dezentralen Solarerzeuger – Einfamilien-Häuschen, Scheunendächer, Freianlagen, etc – müssen mit dem restlichen Strom-Mix koordiniert werden. Bislang nutzte man sie nur für die so genannte Spitzenlast, während die Grundlast weiterhin von Kohle- und Kernenergie produziert wurde. Allerdings ist das seit dem Atomausstieg und der so genannten Energiewende nicht mehr so einfach; außerdem ist manchen Gegenden Süddeutschlands die Menge des privat produzierten Solarstroms schneller gewachsen als von den Netzbetreibern erwartet.

Das Problem: Wird kurzfristig sehr viel mehr Strom in die Netze eingespeist als verbraucht (beispielsweise an einem sonnigen Sonntag, wenn die Industrie wenig abnimmt und alle privaten Solaranlagen auf Hochbetrieb fahren) merkt man das unter anderem an der Frequenz im Netz. Diese reagiert empfindlich auf stark steigendes Angebot. Sie liegt in Mitteleuropa normalerweise bei 50 Herz. Wenn die Frequenz ansteigt, deutet das darauf hin, dass mehr Leistung ins Stromnetz eingespeist wird, als zur gleichen Zeit verbraucht wird.

Regelanlagen werden Pflicht

Leichte Schwankungen sind durchaus üblich und schaden nicht weiter. Brenzlig wird es aber, wenn die Frequenz stark unter oder über 50,0 Hz liegt. Steigt die Frequenz auf 50,2 Hz, dann schalten sich sehr viele ältere Photovoltaik-Anlagen zeitgleich ab; dass soll das Netz vor Überlastung schützen. Das Problem jedoch: Durch das gleichzeitige und undifferenzierte Abschalten vieler Erzeuger fallen im Extremfall auf einen Schlag mehrere Gigawatt Erzeugungskapazität aus. Das könnte zum gefürchteten Blackout, einem Zusammenbruch der Stromversorgung führen, fürchten Experten.

In anderen Worten: das automatische Abschalten aller Solaranlagen bei Überfrequenz ist nicht mehr zeitgemäß, da dabei mittlerweile zu viel  Stromangebot abgeschaltet würde.

Deswegen müssen die Betreiber ihre Anlagen – gestaffelt nach Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Größe – nun mit einer Regelanlage nachrüsten.

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