Tausende Anleger betroffen: Wie geht es weiter beim Immobilienfinanzierer One Group?
Die Finanzierungskosten für Immobilienprojekte steigen. Das bekommen auch die österreichische Soravia-Gruppe und ihre deutsche Tochter One Group zu spüren.
Foto: imago imagesAuf der Homepage der One Group ist die Anlegerwelt noch im Lot. Stolz präsentiert der Hamburger Immobilienfinanzierer dort seine wirtschaftlichen Eckdaten: Über 950 Millionen Euro Kapital habe das Unternehmen seit 2012 bei Anlegern eingeworben, allein 137 Millionen Euro an Zinsen ausgeschüttet. „Mit unserer Muttergesellschaft Soravia bieten wir ihnen das volle Kompetenz-Spektrum eines Investment- und Assetmanagers“, heißt es dort. Dazu die Zusage: „Die One Group steht Ihnen mit dem Leistungsversprechen des Gesamtkonzerns verlässlich zur Seite.“
Doch in Sachen Verlässlichkeit klafften Anspruch und Wirklichkeit zuletzt auseinander. Der Vertrieb einzelner Produkte wurde gestoppt. Und anders als vereinbart hat das Investmenthaus rund 11.000 Anlegern im Januar nicht die vereinbarten Zinsen für das vierte Quartal 2023 überwiesen. Betroffen sind nach Unternehmensangaben vier von 25 Emissionen mit einem Gesamtvolumen von rund 409 Millionen Euro.
Konkret geht es um die Produkte Deutschland 7 und 8 sowie Europa 9 und 10 aus der ProReal-Serie. Über sie sollen Wohnungsbauprojekte in deutschen und österreichischen Metropolen mitfinanziert werden. Anleger haben über die One Group dabei in nachrangige Namensschuldverschreibungen investiert. Das eingesammelte Kapital wurde über eine Pooling-Gesellschaft an Projekte der Muttergesellschaft Soravia weitergereicht.
One Group: Anleger warten auf Zinsen
Das österreichische Unternehmen ist einer der größten Baukonzerne und Immobiliendienstleister des Landes, beschäftigt 4275 Mitarbeiter und entwickelt nach eigenen Angaben derzeit Projekte im Volumen von 4,9 Milliarden Euro. Dass die Tochter One Group nun nicht in der Lage ist, die vergleichsweise überschaubaren Zinsen zu zahlen, sorgt bei vielen Anlegern für Unruhe.
„Hauptfaktor für die aktuelle Entwicklung ist die derzeitige Marktlage, geprägt von steigenden Finanzierungskosten als Folge der Zins- und Inflationsentwicklung“, teilt die One Group dazu in Abstimmung mit Soravia mit. Dieses Umfeld habe zu einer Stagnation der Immobilienmärkte und sinkenden Immobilienpreisen geführt. Aus diesem Grund würde nun eine „umfassende Risikoanalyse durchgeführt“ und „alles unternommen, um die One Group zukunftssicher aufzustellen“. Was das heißt, bleibt schwammig.
Erst, wenn die Risikoanalyse vorliegt, lasse sich sagen, ob und wann Zinszahlungen nachgeholt oder auch für andere Produkte ausgesetzt werden müssten. Zwar sehen die Schulverschreibungsbedingungen eine Nachzahlungspflicht vor. Kann eine Zinszahlung nicht geleistet werden, erhöhen sich also die Ansprüche im Folgequartal entsprechend. Doch der Passus hilft wenig, wenn die Gesellschaft auch dann noch nicht in der Lage sein sollte, zu zahlen. Denn in den Anlagebedingungen wurde zugleich ein qualifizierter Rangrücktritt vereinbart. Das bedeutet, dass Anleger keine Zahlungen durchsetzen können, wenn durch diese Zahlung bei den jeweiligen Emittentinnen ihrer Namensschuldverschreibung eine Insolvenz drohen oder eintreten würde.
Wechsel der Geschäftsführung
Die Risikoanalyse soll bis zum Ende des ersten Quartals vorliegen. Erst dann könne über „geeignete Maßnahmen“ entschieden werden, teilt das Unternehmen mit. „Wir bitten bis dahin um Geduld.“ Beruhigend klingt das nicht. Zumal ein Wechsel der Geschäftsführung zuletzt für zusätzliche Verunsicherung sorgte.
So seien die Geschäftsführer Malte Thies und Oliver Quentin Mitte Januar „einvernehmlich“ aus der Geschäftsführung der One Group ausgeschieden, teilte das Unternehmen mit. Sie würden aber „ihre Expertise weiterhin ins Team“ einbringen. Die Nachfolge übernehmen demnach Uwe Richter, bislang Leiter des Portfoliomanagements der One Group, und Innendienst-Chef Mario Kuhn. Ob es ihnen tatsächlich gelingt, das „Unternehmen auf neue Aufgaben vorzubereiten“ und „in einer herausfordernden Marktsituation krisenfest zu agieren“, wie die One Group mitteilt, muss sich erst noch zeigen. Zumal es auch von anderer Seite Gegenwind gibt.
Nach Informationen der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wollte eine Soravia-Tochter ein Münchner Betriebsgebäude der Allianz-Versicherung kaufen. Dies soll laut SdK letztlich an mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten gescheitert sein. Nun dürfte eine Vertragsstrafe das Unternehmen belasten. Hinzu kommt laut SdK „erheblich gesteigerter Druck der Fremdkapitalgeber (v.a. österreichischer Banken) auf Rückführung offener Kreditlinien“. Kurzum: Auf das „Leistungsversprechen des Gesamtkonzerns“ sollten Anleger vorerst wohl nicht vertrauen.
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