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Teuer und gefährlich Fassadendämmung wird zum Brandbeschleuniger

Hauseigentümer wollen Energie sparen und packen dicke Dämmschichten auf ihre Fassaden. Aber das ist riskant. Nicht nur für den Geldbeutel, sondern auch, weil sie im Brandfall das Feuer unbeherrschbar machen.

Aufmacher Brennende Fassade Quelle: Feuerwehr Frankfurt

Im kleinen Ort Ketsch unweit von Mannheim haben die Bewohner nochmal Glück gehabt: Als die Fassade des Doppel-Einfamilienhauses in einer Nacht Anfang April Feuer fing, wurden die Bewohner aus dem Schlaf gerissen und konnten sich in Sicherheit bringen. Auch die Freiwillige Feuerwehr war sehr schnell vor Ort und Schlimmeres verhindern. Geschätzter Schaden: 40.000 Euro.

So wollen die Deutschen wohnen
Grün macht glücklich: Laut einer Studie britischer Forscher von der University of Exeter sind Menschen, die einen eigenen Garten haben oder zumindest in einem Stadtteil mit vielen Grünflächen leben, zufriedener als Mieter aus Betonwüsten. Dafür haben die Forscher 600 Menschen befragen, die von einem weniger grünen Stadtteil in ein grüneres Viertel zogen, sowie 470 Menschen, die von einem grünen in einen zugebauten Stadtteil gezogen sind. Das Resultat: Wer in eine Gegend mit vielen Parks gezogen ist, war zufriedener, wer in die Betonwüste zog, wurde dagegen unzufriedener. Was den Deutschen innerhalb der eigenen vier Wände wichtig ist, zeigen die folgenden Bilder. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Licht und Luft: Das Immobilienportal Immonet hat seine Nutzer gefragt, was in ihrer neuen Wohnung unbedingt vorhanden sein soll. 2911 Wohnungssuchende haben darüber abgestimmt. Quelle: dpa
Schimmel, schwarze Fugen und klamme Handtücher im Bad - davon können offensichtlich viele Mieter ein Lied singen. Feucht-warmes Klima ist nicht nur ein idealer Nährboden für Schimmelpilze, auch Schädlinge wie Silberfische fühlen sich in dieser Umgebung wohl. 46 Prozent der Immonet-Nutzer wünschen sich in ihrer neuen Wohnung daher ein Bad mit Fenster. Nur so kann die Nasszelle optimal belüftet werden. Quelle: AP
Selbst zu kochen ist zwar etwas aufwendiger, dafür aber wesentlich günstiger, als jeden Tag den Pizza-Service anzurufen. Auf eine Einbauküche legen daher 40 Prozent der Befragten wert. Für Mieter, die nicht allzu lange in der Wohnung bleiben möchten, ist die Neuanschaffung aufwendig und teuer. Und bei einem Umzug lässt sich die Küche nicht nur schlecht transportieren, sie passt auch meist nicht in die neue Wohnung. Quelle: dpa
Wie der Boden aussieht, spielt für viele Wohnungssuchende eher eine untergeordnete Rolle. Nur acht Prozent der Befragten gaben an, dass in ihrer Wohnung unbedingt Parkett-Boden verlegt sein muss. Die übrigen Nutzer legen darauf wenig Wert und finden sich mit Fliesen, Laminat oder Teppich ab. Denn Parkett-Boden sieht zwar schön aus, aber der edle Holzboden ist auch empfindlich. Scharfe Reinigungsmittel, Stilettos oder die Krallen von Hundepfoten verträgt er nicht. Quelle: Presse
Viel Platz über ihrem Kopf wünschen sich sechs Prozent der Befragten. Für sie sind hohe Decken das wichtigste Kriterium. Diese sind zwar schick und Altbauwohnungen liegen voll im Trend, aber hohe Räume sind auch Energiefresser. Sie im Winter warm zu halten, kann richtig ins Geld gehen. Quelle: AP
Fazit: Die Immonet-Nutzer legen vor allem auf praktische Dinge Wert, wie das Fenster im Bad. Exklusive Ausstattung wie Parkett-Boden oder hohe Decken sind hingegen weniger gefragt. Das könnte mit den stetig steigenden Mieten zusammenhängen: Je höher die Preise desto geringer werden die Ansprüche. Quelle: Presse

Auslöser des Brandes war einem Bericht der Schwetzinger Zeitung zufolge vermutlich, dass ein Bewohner Asche, die noch nicht vollständig ausgekühlt war, in eine Mülltonne aus Kunststoff geleert hatte. Der Abfallbehälter fing an zu brennen, das Feuer griff laut Feuerwehr sofort auf die isolierte Hausfassade über und setzte die Fassadendämmung, Fensterrollläden und die Holzverschalung in Brand. "Dadurch, dass durch die Verklebung auch hinter der Dämmung Luft zirkulieren konnte, breitete sich der Brand rasend schnell aus", erklärt der Einsatzleiter der Feuerwehr. Der Kunststoff verflüssigte sich durch die hohen Temperaturen und tropfte nach unten. Das war schon ein kritischer Moment".

Kein Einzelfall

Der Fall in Ketsch ist bei weitem kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Fassadenbrände bekannt, bei denen die wärmegedämmte Außenhülle der Gebäude wie ein Brandbeschleuniger wirkte. So gab es bereits vor drei Jahren einen tragischen Hausbrand in Berlin, bei dem die U-förmige Gebäudefassade im Rekordtempo abbrannte und sogar zwei Menschen ihr Leben verloren. In Delmenhorst brannten 2011 die gedämmten Fassaden nach einem Feuer in den Müllcontainern zwischen den Häusern im Eiltempo nieder. Es gab zum Glück nur einen Verletzten. Vor fast genau einem Jahr dann kam es zu einem spektakulären Fassadenbrand auf einer Baustelle in Frankfurt am Main. Dort fackelte in nur wenigen Minuten nach der ersten Notrufmeldung die gerade frisch gedämmte Hausfassade eines sechsgeschossigen Gebäudes nieder. Die Feuerwehr zeigte sich trotz Großaufgebot und schneller Reaktionszeit angesichts der schnellen Brandentwicklung relativ machtlos.

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Als die Feuerwehr nur wenige Minuten nach dem Notruf an der Brandstelle eintraf, gab sie umgehend Großalarm. Das hohe Tempo der Brandentwicklung erstaunte selbst die 80 Einsatzkräfte. Als das Feuer nach 40 Minuten unter Kontrolle war, war die Dämmfassade des sechsgeschossigen Gebäudes bereits nahezu vollständig abgebrannt. Dass es beim Sachschaden blieb, lag der Feuerwehr zufolge daran, dass das im Bau befindliche Gebäude noch nicht genutzt wurde und erste Einheiten der Feuerwehr bereits nach drei Minuten vor Ort waren. Zudem sorgte die Wetterlage für einen guten Abzug des giftigen Brandrauchs.

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