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Teure Fehler vermeiden Checkliste: Worauf Sie beim Fertighaus achten sollten

In Deutschland geht jede fünfte Baugenehmigung an ein Fertighaus Quelle: dpa

Fertighäuser werden in Deutschland immer beliebter. Doch viele Bauherren gehen den Hausbau zu blauäugig an und versinken in Zusatzkosten. Auf diese acht Punkte sollten Sie achten.

Der Fertighausbau boomt. 2017 wurde jede fünfte Baugenehmigung an einen Fertigbau vergeben, in Baden-Württemberg waren es gar 32 Prozent. Fertighäuser gelten als günstiger und schneller als konventionelle Steinhäuser. Zudem können selbst Fertighäuser heute stark individualisiert werden, wie Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau betont: „Der Leistungsumfang beim Fertighausbau kann zwischen Bauherr und Haushersteller weitgehend frei vereinbart werden.“

Doch genau hier bietet sich eine Einfallschneise für Komplikationen. Denn während ein Fertighaus aus dem Katalog tatsächlich oft günstiger ist als ein Steinbau, gilt das für seine individualisierten Varianten oft nicht mehr. Zudem sind in den Katalogangeboten viele Preistreiber nicht eingerechnet, die das Haus jedoch unbedingt braucht, etwa eine Bodenplatte oder die Hausanschlüsse. Die kann man zwar auch beim Fertighausanbieter dazu buchen, das treibt jedoch die Preise deutlich nach oben.
Der Weg zum eigenen Fertighaus ist also ein stetes Abwägen zwischen Geldbeutel und Bequemlichkeit. Vielen Fertighauskäufern ist nicht bewusst, dass sie zum Bauherren werden, mit allen Verpflichtungen, die sich daraus ergeben. Damit das Abenteuer Fertighaus nicht im Debakel endet, sollten Sie deshalb diese acht Dinge beachten:

1. Grundstück

Besichtigen Sie das Grundstück noch vor der Planung mit einem Gutachter und lassen Sie ein Bodengutachten anfertigen. Das verursacht zwar Mehrkosten, ist aber immer noch günstiger, als für den kompletten Bauprozess einen Architekten zu beschäftigen. Achten Sie vor allem auf das Grundwasser: Ist der Boden nass, kann es große statische Probleme geben, die den Bau wiederum erheblich verteuern. Das Baugutachten sollte dann Bestandteil des Vertrags mit dem Fertigbauer werden. „Ist der Baugrund nicht begutachtet, lassen sich die Kosten nicht seriös kalkulieren“, warnt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB).

2. Bebauungsplan

Achten Sie auf das Baurecht, genauer: auf den Bebauungsplan. Darin ist etwa die maximale Höhe des Hauses, der Neigungswinkel des Daches oder gar die Farbe der Dachziegel festgeschrieben. Haben Sie Ihr Grundstück schon, gibt der Bebauungsplan die Rahmenbedingungen vor, in denen Sie Ihr Haus planen können. Haben Sie noch kein Grundstück, kann der Bebauungsplan darüber entscheiden, ob ein Grundstück zu Ihren Plänen passt oder nicht. Je konkreter die Vorschriften sind, desto schlechter lassen sie sich im Zweifel mit den Standardangeboten der Fertigbauer in Einklang bringen.

3. Finanzierung

Wie in der Immobilienfinanzierung generell machen viele Menschen den Fehler, die Kosten des Hauses und persönliche Ausgaben zu gering einzuschätzen. Dabei gilt die Faustregel, dass Bauherren am besten mindestens 20 Prozent des Preises als Eigenkapital mitbringen sollten. Doch bevor Sie jetzt Ihr Eigenkapital mal fünf nehmen und auf Häusersuche gehen: Sie sollten einen Notfallpuffer für Verzögerungen oder unvorhergesehene Ausgaben bereithalten. Der sollte mindestens zehn Prozent betragen.

Was nun die Kreditraten angeht, also die monatliche Belastung, so sollten Sie sich einen schonungslosen Überblick über Ihre Ausgaben verschaffen und auch hier einen Puffer im Blick behalten, etwa falls die Waschmaschine kaputtgehen sollte. Als Faustregel gilt, dass die monatliche Kreditbelastung nicht mehr als 30 bis maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens ausmachen sollte.

Das Geld an den Fertigbauer sollte später nicht in wenigen Tranchen oder gar auf einmal fließen, sondern mithilfe eines Zahlungsplans. Dabei sollten etwa zehn bis 30 Einzelzahlungen an die Bauleistungsabschnitte gekoppelt werden, wobei immer nur das gezahlt wird, was tatsächlich abgeschlossen ist. Peter Burk, Autor des Ratgebers „Kauf und Bau eines Fertighauses“ der Verbraucherzentrale, rät, dass bis zum geschlossenen Rohbau nicht mehr als 60 Prozent der Bausumme gezahlt sein sollten. Zudem sollten Sie eine Schlussrate von mindestens fünf Prozent für nach der Bauabnahme übrigbehalten, um im Fall von Mängeln ein Druckmittel zu haben.

4. Angebotsvergleich

Holen Sie sich Angebote von Fertigbauern ein, die genau zu Größe und Bebauungsplan Ihres Grundstücks passen. Viele Katalog-Angebote dürften jetzt schon rausfallen. Überlegen Sie sich, was genau Sie wollen, etwa einen Keller oder ein ausgebautes Dachgeschoss, und auf was Sie verzichten können. Machen Sie sich zudem Gedanken über die Energieeffizienz und recherchieren Sie, welche Förderprogramme es gibt. Fragen Sie sich, ob Sie Leistungen selbst übernehmen oder an ein anderes Bauunternehmen vergeben wollen, oder ob der Fertigbauer alles machen soll. Nur wenn Sie all diese Kriterien aufgestellt haben, können die Angebote die realistischen Kosten widerspiegeln. Seien Sie nicht überrascht, wenn die deutlich von den Discount-Angeboten aus der Werbung abweichen.

Und blicken Sie über den Tellerrand des Mainstreams hinaus: Auf Messen sind oft nur die immer gleichen 20 bis 30 Anbieter präsent, dabei gibt es hunderte Fertighausbauer in Deutschland. „Die Leute denken, die überschaubare Anzahl an Musterhäusern dort sei der ganze Markt, aber das stimmt nicht“, sagt Ratgeber-Autor Burk. „Es gibt viele tolle, kleinere Zimmereien aus der Region, die niemals Geld für einen Messestand ausgeben würden.“

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