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Umstrittene Ersparnis Kostenfalle Wärmedämmung

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Zweifelhafte Energieersparnis

Dachdecker führt Arbeiten an Hausfassade durch Quelle: dpa

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik spricht auf Anfrage der WirtschaftsWoche bei dieser Interpretation der Ergebnisse von falschen Behauptungen und hält die Verallgemeinerung der Versuchsergebnisse für unsachgemäß. In einer schriftlichen Richtigstellung betonen die Forscher, dass schließlich der Untersuchungsgegenstand recht speziell war und deswegen die Versuchsanordnung auch nicht praxisnah gestaltet wurde. Zum Beispiel waren in dem vierwöchigen Versuch die Rolläden in den Versuchsbauten permanent geschlossen, damit einfallendes Licht den Innenraum nicht zusätzlich aufheizen konnte. Vielmehr sollte geklärt werden, welchen Einfluss helle oder dunkle Außenwandfarben auf den Energieverlust über die Außenwände haben. Damit eine Wärmedämmung einen Einspareffekt bringt, müsse der U-Wert der Fassadenkonstruktion natürlich gegenüber dem vorherigen Zustand ohne Wärmedämmung niedriger sein. Insofern sehen die Wissenschaftler hier keinen Widerspruch, sondern die Rechenmodelle mittels U-Wert erneut bestätigt.

Dass eine Wärmedämmung für höhere Heizkosten sorgt, lässt sich somit aus der Studie nicht ablesen. Aber sicherlich sind Zweifel berechtigt, ob die nach der U-Wert-Berechnung einkalkulierten Einsparziele überhaupt realistisch erreichbar sind. Eins der stärksten Argumente der Dämmkritiker ist dabei auch mangelnde Haltbarkeit vieler Fassaden im Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS). Es gibt zahlreiche Fälle, in denen die Fassadendämmung im Laufe der Jahre zunehmend feucht wird, sich sogar vollsaugt, wie ein Schwamm. Konrad Fischer hat zahlreiche solcher Fälle dokumentiert, die Medien haben bereits mehrfach darüber berichtet. Die Folgen einer feuchten Dämmung reichen dann von unschönem Algen- oder Pilzbefall bis hin zu massiven Bauschäden durch Schimmel oder ein flächiges Abbrechen der gesamten Dämmschicht. Und die in den Anfangsjahren durchaus vorhandenen Dämmeigenschaften der isolierten Fassade gehen durch die Feuchtigkeit sukzessive verloren – und damit auch die erhoffte Energieersparnis. „Ich schütze mich ja auch nicht mit einem nassen Pulli vor Kälte“, so Fischer.

Der Architekt aus Hochstadt am Main berichtet zudem von Hauseigentümern, die nach der Fassadendämmung mehr Heiztage im Jahr haben als vorher, weil sich die Außenwände nicht mehr durch Sonnenlicht aufheizen. Auch der Sachverständige Gernot Henrich vom Institut für Baudiagnostik hat in einem Bericht von Plusminus bereits im November 2011 bestätigt, dass durch diesen Effekt die Gefahr von Feuchtigkeit in der Fassade steigt.

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