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Vermietungsbranche im Umbruch „Viele Startups haben nicht überlebt“

Die Sonne geht hinter den Hochhäusern der Frankfurter Skyline unter. Quelle: dpa

Die Wohnungsvermittlung digitalisiert sich. Fabian Mellin, Mitgründer von Moovin, beschreibt, was derzeit möglich ist und wo es noch hakt.

WirtschaftsWoche: Herr Mellin, sie sind 2015 mit Moovin gestartet, um privaten Vermietern, die Suche nach Mietern über eine digitale Plattform zu erleichtern. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Herr Fabian Mellin: Als 2015 das Bestellerprinzip per Gesetz eingeführt wurde, also Vermieter den Makler bezahlen mussten und nicht mehr die Mieter, haben wir gedacht, dass uns die privaten Vermieter die Bude einrennen.

Und war es so?
Nein, es lief schleppender als erwartet. Private Vermieter sind in dieser Hinsicht nach wie vor sehr konservativ. Zudem haben viele Eigentümer die Maklercourtage durch Verhandeln gedrückt. Den Kostenvorteil, den wir privaten Vermietern bieten konnten, war kleiner als erwartet. Viele Startups, die mit einem ähnlichen Konzept gestartet sind wie wir, haben nicht überlebt.

Wie haben sie überlebt?
Wir haben uns frühzeitig auf gewerbliche Kunden, also Hausverwaltungen und Wohnungsunternehmen, umgestellt. Die sind digitalen Dienstleistungen gegenüber sehr viel aufgeschlossener.

Das Start-up

Der Wechsel von privaten zu professionellen Vermietern ging sicher nicht über Nacht.
Wir hatten sicherlich während der Umstellung eine finanzielle Durststrecke zu überwinden. Dank der 300 000 Euro, die wir über die Finanzierungsplattform Seedmatch eingesammelt haben, hatten wir die Möglichkeit, unser erweitertes Geschäftsmodell im vergangenen Jahr zu starten. Rund 80 Prozent der von uns betreuten Wohnungen kommen derzeit von Profis aus der Immobilienbranche. Bei mehreren 100 Wohnungen pro Eigentümer fällt die Kostenersparnis durch die Digitalisierung deutlicher ins Gewicht. Der Rest der von Moovin betreuten Immobilien entfällt auf private Eigentümer. Insgesamt wickeln wir monatlich etwa 200 Vermietungen in ganz Deutschland ab.

Das klingt nicht gerade nach viel.
Die Vermittlung von Mietwohnungen ist nur ein Standbein. Tatsächlich wickeln wir pro Jahr rund 15 000 Dienstleistungen ab — vom Vertrieb unserer Software, über die Produktion von Fotos für digitale Wohnungsinserate bis hin zur Organisation einer Wohnungsbesichtigung. Dieses Jahr wollen wir den Umsatz auf 45 000 Dienstleistungen verdreifachen.

Was läuft bei Moovin digital?
Wohnungsinteressenten beispielsweise legen ihre Profile im Internet an und ein Algorithmus prüft, wie stark ihr Profil den Vorgaben des Vermieters entspricht. So muss der Eigentümer deutlich weniger Personen zu einem Besichtigungstermin einladen. Falls sie in die engere Wahl kommen, können Interessenten ihre Unterlagen, beispielsweise Bonitätsnachweise, über unsere Internetseite hochladen.

Gibt es keine Bedenken wegen des Datenschutzes?
Vor einer Besichtigung ist kein Interessent verpflichtet, persönliche Dokumente hochzuladen. Das hat auch keinen Einfluss auf die Chancen, zu einem Termin eingeladen zu werden. Erst wenn die Wohnungssuchende ein ernsthaftes Interesse an der Wohnung haben, ist das Hochladen der Dateien verpflichtend. Wer dann mehr preisgibt, hat in angespannten Wohnungsmärkten sicher größere Chancen. Die Entscheider haben jedoch nur in einem geschützten Bereich Zugriff auf die digitalen Datensätze. Zudem können die Moovin-Nutzer ihre Daten jederzeit eigenständig löschen.

Wann können Wohnungssuchende Mietverträge über die Blockchain, eine digitale Infrastruktur für Verträge, abschließen?
In den USA sind digital unterzeichnete Mietverträge schon seit einigen Jahren üblich. Die Vermietungsplattform Airbnb beispielsweise nutzt bereits die Blockchain-Technologie. In Deutschland wird es sicher noch einige Jahre dauern, bis Mietverträge über die Blockchain abgeschlossen werden. Wir bieten bereits digitale Verträge an, viele unserer Kunden bevorzugen jedoch noch einen analogen Vertrag auf Papier.

Mehr über die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt erfahren Sie im große Immobilienatlas der WirtschaftsWoche.

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