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Verwahrloste Mietshäuser Das lukrative Geschäft mit Schrottimmobilien

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Die Hoffnung naht auf High Heels

In diesem Moment parkt Nazanin Kordi ihren Porsche ein. Die 36-Jährige steigt aus und läuft zu der Gruppe von Männern, darunter Elwis. Ihre High Heels hallen über den Asphalt. Noch bevor sie sich begrüßen, beginnt Kordi zu schreien: „Ich habe euch doch gewarnt! Warum haltet ihr eure Wohnungen nicht sauber?“ Die Hausbewohner scharen sich um die Frau mit den langen schwarzen Haaren. Doch die Pelzjacke, die akkurat manikürten Fingernägel grenzen die Frau von der Kulisse ab. Elwis geht auf sie zu. Kordi hebt die Hände. „Ich kann euch höchstens ein paar Tage in meinen anderen Häuser wohnen lassen. Aber mehr geht nicht“, sagt sie.

Kordi ist Immobilienmaklerin. Sie gehört zu jenen, die Geschäfte mit all den Häusern machen, die die Stadt als „Problemimmobilie“ einstuft. Jahrelang handelte sie mit Wohnungen in der reichen Landeshauptstadt. Doch dann hat sie sich auf den Problemmarkt in Duisburg spezialisiert. „In Marxloh laufen die Geschäfte sehr schnell ab. Die Häuser gehen innerhalb weniger Wochen weg“, sagt sie. Die Quadratmeterpreise sind nirgendwo so günstig.

Die Besitzer kommen aus den unterschiedlichsten Milieus. Mal sind es Immobiliensammler aus anderen Städten. Mal ist es jemand aus der Marxloher Nachbarschaft, der mit wenig Kapital zum Hausbesitzer und Vermieter werden kann. Mal sind es Investoren aus dem Ausland, die die Billighäuser im Internet finden. Sie alle haben nur eine Gemeinsamkeit: die Hoffnung auf den großen Profit.

In diesen zehn Städten rentiert sich die Miete
Frankfurt-am-Main Quelle: dpa
Düsseldorf Quelle: DPA/Picture-Alliance
Rostock Quelle: DPA
Stuttgart Quelle: dpa
Kiel Quelle: dpa
Berlin Quelle: dpa
Münster Quelle: dpa

Doch die wird allzu häufig enttäuscht. Das merkte auch der schlaksige Mann mit dunklem Vollbart, der als Chirurg in einer der großen Nachbarstädte Duisburgs arbeitet. Auch er kaufte ein Haus mit vielversprechender Rendite. Die neuen Bewohner zahlten ihre Miete nicht. Rechnungen der Stadtwerke stapelten sich, der Strom wurde jeden Monat von seinem Konto abgebucht. Statt Geld einzubringen, kostete ihn das Haus jeden Monat mehr als 1000 Euro. Eines Nachts fuhr er zu seinem Haus, ging in den Keller und versuchte, den Stromverteiler auszuschalten. Die Mieter gingen erst, als die Stadt mit der Taskforce vor der Tür stand und die Bewohner aufforderten, zu gehen.

In anderen Fällen wiederum lohnt sich das Geschäft. Notdürftig renoviert, lassen sich mehrere Dutzend Menschen in den Häusern einquartieren – und abkassieren. Als die Stadt zwei der Häuser wegen Brandschutzmängel räumte, klagten die Vermieter gegen die Stadt Duisburg. Ihr Argument: Binnen eines Jahres entgingen den Besitzern rund 15.000 Euro.

Auch Kordi gehört zu den Profiteuren. Vermittelt sie eines der Häuser, verlangt sie eine Provision von vier Prozent. Im vergangenen Jahr hat sie rund 50 dieser Häuser verkauft, am Tag der Razzia stehen drei auf ihrer Homepage. Mittlerweile hat die Stadt Duisburg ihre Strategie im Häuserkampf erweitert. Sie will die Häuser selbst kaufen. Derzeit läuft ein Projekt des Landes, das 95 Prozent der Kosten übernimmt. Sobald die Stadt eines der Häuser bekommt, wird es saniert oder abgerissen.

Dafür müssen jedoch die Menschen raus. Viele Menschen in Marxloh haben deshalb die Handynummer von Maklerin Kordi. So ist sie es, die die Bewohner anrufen, wenn sie nicht weiterwissen. Von Elwis hat sie nichts mehr gehört. Sein Handy war dann irgendwann aus. Vielleicht ist er zurück nach Albanien, vielleicht in ein anderes Haus in Marxloh.

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